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Diebstahl aus Kirche und Villa: Altenburger Amtsgericht stellt Verfahren ein

Freispruch für Angeklagten Diebstahl aus Kirche und Villa: Altenburger Amtsgericht stellt Verfahren ein

Dieter K. aus Windischleuba muss etwas mit den Einbrüchen in die Hülsemannsche Villa in Altenburg und die Kirche Ehrenhain zutun gehabt haben. Spuren seiner DNA beim Diebesgut und andere Indizien weisen direkt auf ihn. Dennoch verließ der Angeklagte am Montag nach zwei Prozesstagen unbestraft das Amtsgericht in Altenburg.

Vor dem Altenburger Amtsgericht wurden die Einbrüche in die Hülsemannsche Villa in Altenburg und die Kirche Ehrenhain verhandelt.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Drei Prozesstage saß der 48-jährige Dieter K. im Amtsgericht Altenburg auf der Anklagebank. Ihm wurden die Einbruchsdiebstähle in die Hülsemannsche Villa und die Kirche in Ehrenhain vorgeworfen. Außerdem sollte er sich für Metalldiebstähle verantworten. Am Ende konnte K. nach dem dritten Verhandlungstag in dieser Woche ohne Verurteilung nach Hause gehen. „Ich habe das Verfahren eingestellt“, erklärte der vorsitzende Richter Sandy Reichenbach. Bereits zum Prozessauftakt vor vier Wochen zeichnete sich ab, dass die vorliegenden Beweise wohl nicht für eine Verurteilung reichen werden.

Inzwischen ist der Altar der Kirche Ehrenhain wieder saniert. 2009 wurde unter anderem der Engel in der Mitte sowie die Medaillons rechts und links gestohlen.

Inzwischen ist der Altar der Kirche Ehrenhain wieder saniert. 2009 wurde unter anderem der Engel in der Mitte sowie die Medaillons rechts und links gestohlen.

Quelle: Mario Jahn

Zur Erinnerung: Zwischen dem 1. Dezember 2008 und dem 13. Februar 2009 wurden aus der Hülsemannschen Villa Kronleuchter, Gemälde, Fliesen, Lampen, Tür- und Fensterbeschläge sowie eine Kaminverkleidung im Wert von rund 250.000 Euro gestohlen. Knapp zwei Monate nach dem Einbruch in das leerstehende Gebäude in der Altenburger Johannisstraße  tauchte ein Teil der Beute in Dresden wieder auf. Gefunden wurden  damals Gemälde, Spiegel, Bleiglasfenster und Wandvertäfelungen. Im März 2009 stellte auch die Kirchgemeinde Ehrenhain fest, dass  in ihrem Gotteshaus im Nobitzer Ortsteil zahlreiche sakrale Kunstgegenstände fehlen. Dazu gehörten Engelsfiguren, goldverzierte Schmucksäulen sowie Medaillons  vom Altar. Der Wert der Beute betrug rund 60.000 Euro.

Zwar wiesen Indizien und gesicherte Spuren praktisch eindeutig darauf hin, dass der Angeklagte mit dem Diebesgut zu tun hatte. So konnten unter anderem DNA-Spuren K.s an einer Zigarettenkippe identifiziert werden,  die in einem Koffer mit Diebesgut lag. Darüber hinaus fanden Polizisten in der Verpackung eines Fernsehgerätes, das der Angeklagte gekauft hatte, Fliesen aus der Hülsemannschen Villa. Auch konnte vor Gericht nachgewiesen werden, dass der einschlägig vorbestrafte Windischleubaer gestohlene Gegenstände aus der Ehrenhainer Kirche in der Hand hatte.

„Aber dass er sie gestohlen hat oder an den Einbrüchen beteiligt war, konnte ihm nicht bewiesen werden“, erläuterte Richter Reichenbach. Die Hauptbelastungszeugen trugen, wie berichtet, am ersten Verhandlungstag nichts zur Aufklärung bei. Außerdem musste das Gericht Tatsachen würdigen, die dagegen sprachen, dass Dieter K. selbst der Dieb war. So ist das Fenster, durch das die Täter in die Kirche gelangten, so klein, dass es unwahrscheinlich ist, dass der etwas kräftigere Angeklagte dort durchpasste.

Unter dem Strich kam nicht genug zusammen, dass es für eine Verurteilung wegen der Einbrüche und Diebstähle gereicht hätte, so Reichenbach. In solchen Fällen greift der Rechtsgrundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. „Und der Tatvorwurf der Hehlerei  war nicht Gegenstand des Verfahren“, so der Richter.

Damit stand nur noch ein Vorwurf – der des Kabeldiebstahls – im Raum. Vor sechs Jahren wurden an der Bahnstation Treben-Lehma Kupferkabel geklaut. Dabei handelt es sich aber lediglich um Fälle von Kleinkriminalität. „Der Fakt, dass sich die  Taten bereits vor sechs Jahre ereignet haben, aber erst jetzt vor Gericht gelandet sind, wirkt sich sehr stark strafmildernd aus“,  so Reichenbach. Weshalb er sich für die Einstellung des Verfahrens entschied.

Aller Voraussicht nach werden nun die Einbrüche zu den Akten gelegt. Zwar kann Reichenbach nicht für Polizei und Staatsanwaltschaft sprechen, doch er erwartet keine weiteren Aufklärungserfolge. Nicht zuletzt nach den Zeugenaussagen während der Verhandlung. Selbst ein Zivilrechtliches Nachspiel scheint derzeit wenig wahrscheinlich. Schließlich ist ein Teil des Diebesgutes wieder aufgetaucht.

Von Jörg Reuter

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