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Dionysos verscheucht Zeus

Dionysos verscheucht Zeus

Eine griechische Nacht sollte es am Sonnabend werden, und leuchten sollte Altenburg. Aber so, bitteschön, war es nicht gemeint. Pünktlich zum Start um 18 Uhr schickte Zeus Blitz und Donner.

Altenburg.

Zum Glück schaffte es Dionysos, der Gott des Weines und Hüter des Theaters, nach zwei Stunden den Herrscher des Olymp wieder zu verscheuchen. So konnten die Veranstalter der Altenburger Museumsnacht am Ende zufriedenstellende 1368 Gäste zählen.

 

"Wir haben schon befürchtet, wir bleiben heute Abend unter uns. Doch jetzt kommen die Leute doch noch." Schlossdirektor Thomas Knechtel kann gegen 20 Uhr wieder lachen, denn so langsam füllt sich das Schloss- und Spielkartenmuseum. Einzig die tiefen Pfützen im Schlosshof vor den Verkaufsständen erinnern an die Gewittergüsse, die über Altenburg niedergegangen sind. Im Museum selbst ziehen besonders die neuen Ausstellungen zum Skat- und Völkerschlacht-Jubiläum das Interesse auf sich. Zur Musik im Bachsaal und im Spielcasino im Festsaal ist das Publikumsinteresse indes eher spärlich.

 

Da herrscht in Orangerie und Teehaus ein weit regeres Kommen und Gehen. Noch immer ist das restaurierte Kleinod ein Magnet. Freilich ist danach Großreinemachen angesagt. Denn Kies und Sand werden zuhauf ins Haus getragen.

 

Das ist auch anderenorts ebenso, denn die Wege im Schlosspark sind aufgeweicht, der Rasen patschnass. Für Mike Jessat, den Chef des Naturkundemuseums Mauritianum, allerdings das kleinere Übel. "Als es anfing, wie aus Kannen zu gießen, haben wir schon gedacht, wir können heute alles vergessen. Zum Glück blieb es dann aber beim Umdisponieren." So wird das geplante sibirische Dorf kurzerhand wieder weggepackt und Tisch und Bänke für Speis und Trank im Haus aufgebaut. Dem Zuspruch der Nachtschwärmer tut dies indes keinen Abbruch. Denn das Mauritianum punktet mal wieder mit einem Thema, diesmal dreht sich alles um Sibirien. So ist der Zehn-Liter-Kessel mit Borschtsch im Handumdrehen aufgegessen und auch die 150 Schaschlyk-Spieße sind weit vor Schluss ausverkauft. "Das sind typisch russische Schaschlyk. Das Fleisch wird ohne Zwiebel oder andere Zutaten auf große Hölzer gespießt und in unserem Fall zuvor in Buttermilch eingelegt", erzählt Mike Jessat. Russisches Bier und Wodka dürfen nicht fehlen, was allerdings zur Folge hat, dass der Museumschef des Öfteren damit anstoßen muss. Sei es mit Kaiser Barbarossa und seinem Gefolge, die auf die kurz bevorstehende Eröffnung der Roten Spitzen einstimmen, oder mit den "Sibirischen Nachtigallen" - allesamt Russinnen, die jetzt in Altenburg ihre Heimat haben.

 

Der größte Andrang herrscht im Lindenau-Museum, das mit einem überaus ansprechenden Programm das Publikum in Scharen anzieht. "Wir sind wirklich sehr zufrieden, der ganze Aufwand hat sich gelohnt", freut sich Mitarbeiterin Angelika Wodzicki.

 

Insgesamt wurden nach Angaben der Veranstalter 1368 Gäste zur Museumsnacht, an der sich auch der Historische Friseursalon beteiligt hat, gezählt. Allerdings nicht durchweg zahlende. Denn gut 500 Tickets waren Freikarten - für Kinder unter zwölf Jahren, Helfer und Teilnehmer des Skatstadt-Marathons oder Eltern der am Programm beteiligten Schüler. Kostümiert, was auch zum freien Eintritt berechtigt hätte, kam allerdings nur ein Gast.

 

So haben sich die Veranstalter am Ende mit Zeus doch wieder versöhnt, zumal er der einzige war, der Altenburg im Wortsinn zum Leuchten brachte ...

 

© Kommentar Seite 11

Paul, Ellen

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