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Diskussion schärft Sinn für Crystal-Problem im Altenburger Land

Drogenpolitik Diskussion schärft Sinn für Crystal-Problem im Altenburger Land

Lange haben Politiker das Drogenproblem im Altenburger Land geleugnet. Erst nach einem Eingeständnis ging es in Sachen Lösungen voran. Wie diese hierzulande aussehen, wie sich die Situation entwickelt hat und welche Probleme es noch gibt, analysierte eine Diskussion unter dem Motto „Crystal Meth – Produzenten, Dealer, Ermittler“ im Altenburger Ratskeller.

Auch im Altenburger Land ein Problem: Crystal.

Quelle: dpa

Altenburg. Zwei Knackpunkte hat Anett Bernhard im Leben von Drogenabhängigen ausgemacht. Defizite beim Wissen und in der Familie sind laut der Jugendsozialarbeiterin die Hauptursachen, warum jemand berauschenden Mitteln verfällt. „Wenn ich frage, was sie vorher über die Substanz gewusst haben, kommt meist: ‚nichts’“, erzählt Bernhard aus ihrem Berufsalltag, der zu 60 Prozent aus Crystal-Konsumenten besteht. „Darüber bin ich entsetzt.“ Deswegen plädiert sie präventiv dafür, „neutrales Wissen zu transportieren. Nur so wissen die Jugendlichen, worauf sie sich einlassen und können sich dafür oder dagegen entscheiden.“

Für ihre zum Teil deutlichen Worte erntete die Teamleiterin der Drogenkontaktstelle der Diakonie in Altenburg vergangene Woche bei der von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung initiierten Diskussionsrunde „Crystal Meth – Produzenten, Dealer, Ermittler“ im Ratskeller Beifall und Zustimmung aus den Reihen der 60 Besucher im übervollen Bürgersaal. Denn neben fehlendem Wissen berichtet sie von „Familien, in denen niemand von uns leben wollte, von traumatisierten, ignorierten Kindern, die keine Grenzen und Regeln kennen“ und „von jungen Menschen, die keinerlei Liebe erlebt haben“. Hier, sagt sie, hätten Ersatzfamilien helfen können, an die die Jugendlichen hätten andocken können und die sie hätten nachreifen lassen.

Diese Einschätzungen stützt Sandy Reichenbach mit Erfahrungen aus dem Gerichtssaal. Demnach komme die überwiegende Zahl der Straftäter bei Betäubungsmitteldelikten und Beschaffungskriminalität aus „problematischen Familienverhältnissen“, sagte der Richter und stellvertretende Direktor des Altenburger Amtsgerichts. Der typische Crystal-Konsument im Kreis gerate jedoch nicht wegen Leistungsdrucks in den Teufelskreis, sondern wegen fehlender Strukturen und Perspektiven. Die Mehrheit komme aus der Drogenszene, habe Führerschein, Arbeit und Wohnung verloren.

Wegen dieses sozialen Abstiegs sprachen mehrere Anwesende mit Blick auf das Gros der Crystal-Konsumenten im Altenburger Land von einem Problem der „abgehängten Schichten“, während der Co-Autor des Buches „Crystal Meth – Produzenten, Dealer, Ermittler“, Bastian Pauly, konstatiert: „Es gibt nicht den typischen Konsumenten.“ Crystal sei „die erste harte Droge, die vor keiner Bevölkerungsschicht halt macht“. Thüringen nennt der Journalist einen „der Brennpunkte für Konsum und Beschaffung“.

Das wiederum konkretisierte Altenburgs Polizeichef Andreas Pöhler, der im Kreis eher einen Schwerpunkt des Konsums und der Kleindealerei sieht. „Gott sei Dank gibt es eine Entspannung bei der Beschaffungskriminalität, weil es gelungen ist, einige intensiv handelnde Personen in die JVA zu bringen“, so Pöhler. „Nicht aber bei Betäubungsmitteln.“ Kontrolliere man mehr, gehen die Zahlen wieder hoch. Die Erfolge verdankt man laut Reichenbach, Pöhler und Altenburgs OB Michael Wolf (SPD) der besseren Vernetzung im vor einem Jahr gegründeten Kriminalpräventiven Rat.

Darüber, dass Vorbeugung besser ist als Verfolgung, herrschte Einigkeit auf dem Podium sowie im Publikum. Allerdings fehlt nach Aussage mehrerer Kommunalpolitiker, die sich zu Wort meldeten, das dafür nötige Geld. Hierfür sicherte die SPD-Landtagsabgeordnete Birgit Pelke Hilfe zu: „Das ist Landesaufgabe. Es kann nicht sein, dass man die Leute vor Ort mit dem Problem alleine lässt.“

Von Thomas Haegeler

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