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Altenburg Dörfliche Idylle leidet nach den Alwo-Veranstaltungen
Region Altenburg Dörfliche Idylle leidet nach den Alwo-Veranstaltungen
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00:28 24.02.2018
Bürgermeister Hendrik Läbe gehört als Gemeindeoberhaupt gewissermaßen von Amtswegen auch zu den Geschädigten in der Werkssiedlung. Quelle: Jörg Reuter
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Nobitz

Laute Bässe, flackernde Lichter, ausgelassenes Tanzen, der eine oder andere Drink – Party eben. So verbringen viele Jugendliche ihr Wochenenden. Party-Hotspot der Region ist seit einigen Jahren die Alte Wollspinnerei (Alwo) im Nobitzer Ortsteil Kotteritz. Doch wenn dort gefeiert wird, erfahren dies auch die Anwohner – ungewollt am Tag danach. Denn regelmäßig nach den Veranstaltungen beklagen sie Schäden, die die Jugendlichen auf ihrem Heimweg an den Grundstücken etwa in der Werkssiedlung hinterlassen.

Mülltonnen umgeworfen, Verkehrsschilder mitgeschleppt

„Aber nicht nur hier. Es werden regelmäßig Straßenbegrenzungspfähle herausgerissen und Verkehrsschilder umgeschmissen oder mitgeschleppt“, berichtet Mike-Roy Wagner. Auch am Sonntag musste er wieder einmal ein Verkehrsschild von einem Feld holen, umgeworfene Mülltonnen aufstellen und seiner 78-jährigen Nachbarin helfen, ein Stück der Dachrinne von ihrer Garage zu bergen. „Es ist nicht das erste Mal, dass wir Schäden haben. Und es wird immer schlimmer“, wendet sich Wagner an die OVZ.

Angefangen habe sein Ärger vor reichlich einem Jahr mit einem Graffiti an seiner Garage. Von Mal zu Mal kam mehr Graffiti-Tags dazu – sowie kleinere und mittlere Sachbeschädigungen. „Bei mir haben sie zum Beispiel eine Schneemannfigur aus dem Vorgarten geholt und zerschlagen. Die Scherben waren hier überall verstreut“, erzählt auch Wagners 79-jährige Nachbarin Karla Loch. Es sei furchtbar, pflichtet Gudrun Peitzsch bei, der die Garagendachrinne demoliert wurde. In dem Fall ist jedoch die Gemeinde Geschädigte, der seit einigen Jahren die Garagen der Werkssiedlung gehören. „Ich habe mich natürlich an die Gemeinde gewendet und Anzeige bei der Polizei erstattet“, so 78-Jährige.

Polizei und Gemeinde suchen nach Tätern

Das bestätigt die Polizei auf Nachfrage. Wie es aus Gera weiter heißt, laufen die Ermittlungen. Ergebnisse lägen aber noch nicht vor, gibt die Behörde Auskunft. Auch Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD) ist informiert und weiß von den Spuren, die manche Partygäste teils bis vor die eigene Haustür hinterlassen.

Wenn in der Alwo etwa einmal im Monat eine Veranstaltung ist, fährt der Bürgermeister Runden durch die Gemeinde. „Warum? – Weil es gut und hilfreich ist, wenn ich selbst auch nach dem Rechten schaue“, erklärt er mit vielsagenden Blick. Aber auch, weil er will, dass die Alwo für die jungen Leute erhalten bleibt. „Das ist ideal. Das Areal ist recht abgelegen, die Jugendlichen stören eigentlich dort niemanden. Und irgendwo müssen sie hin. Es gibt ja sonst nicht viel. Aber dafür braucht es Ruhe und Frieden, sonst klappt es nicht“, so Läbe.

Darin kann er sich noch voll auf die Rückendeckung der Anwohner verlassen. Mehr als einmal erklären die Seniorinnen wie auch Wagner gegenüber der OVZ, dass sie nichts gegen die jungen Leute im Dorf hätten und auch kein Interesse haben, dass die Alwo schließt. Aber blinde Zerstörungswut und Missachtung von fremden Eigentum könne auch nicht ständig unkommentiert hingenommen werden. So könne es nicht weitergehen.

Veranstalter weiß von nichts

„Unser Ziel ist, den Jugendlichen zu erklären, dass sie Mist bauen“, sagt Wagner, und fühlt sich dabei aber recht allein. Außer bei der Gemeinde treffe er auf wenig Gegenliebe. „Als ich einmal die Polizei rufen wollte, weil Jugendliche unter der Bahnbrücke ein Lagerfeuer entfacht hatten, hieß es am Telefon nur: Und was sollen wir da machen?“ Von Seiten des Veranstalters, sei ihm erklärt worden: Verantwortlich ist man nur fürs Gelände. Gegenüber der OVZ sagt Karsten Seifert von Alwo-Betreiber Matzke GmbH: „Von solchen Vorfällen wissen wir nichts. Deshalb können wir nicht darauf reagieren.“

Von Jörg Reuter

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