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Drama im Kammerforst: Kolkrabe stirbt bei Rettungsaktion

Naturschutz Drama im Kammerforst: Kolkrabe stirbt bei Rettungsaktion

Trotz einer zweitägigen Rettungsaktion am Wochenende im Kammerforst bei Wintersdorf musste ein junger Kolkrabe sterben. Er hatte sich mit Bindegarn verheddert, das in der Landwirtschaft zum Einsatz kommt. Naturschützer, die Feuerwehr Meuselwitz und ein Baumpfleger waren ihm zu Hilfe geeilt, aber vergeblich.

Mit diesem Bindegarn verheddert sich der Kolkrabe an den Krallen.

Quelle: Torsten Pröhl

Wintersdorf. Drama im Kammerforst. Im Nest auf einer 20 Meter großen Rotbuche flatterte am Wochenende ein junger Kolkrabe um sein Leben. Er hatte sich mit Bindegarn verheddert, das in der Landwirtschaft zum Einsatz kommt. Darüber informierten die Schmöllner Naturfreunde Kathrin und Torsten Pröhl die OVZ. Die Rabeneltern hatten das Nestinnere, nicht wie üblich mit Tierhaaren, sondern mit dem Bindergarn ausgepolstert. Mit diesem Material werden Heu- und Strohballen verschnürt, es wird aber nach Auffassung der Naturschützer oft direkt vor Ort liegengelassen.

Vogelkundler finden jährlich in Deutschland viele hundert junge Vögel, die sich in diesem Garn verstrickt haben und ohne fremde Hilfe jämmerlich zu Grunde gehen. Und genauso erging es auch dem jungen Kolkraben, den die Naturfreunde am Sonnabend retten wollten. Zunächst versuchten sie, selbst den Horst hoch oben im Baum zu erreichen, mussten aber wegen fehlender Kletterausrüstung aufgeben. Die um Hilfe gebetene Feuerwehrleitstelle in Gera stellte danach den Kontakt zur Schmöllner Feuerwehr her, die zwar helfen wollte, aber nicht durfte, weil Wintersdorf außerhalb ihres Befugnisbereichs liegt.

Dafür sprangen die Kameraden aus Meuselwitz ein, die mit einer Drehleiter und einem Mannschaftswagen Richtung Kammerforst ausrückten. Leider vergeblich. Denn das Gelände um den Nistbaum war zu unwegsam, abgelegen und deshalb für die Feuerwehrtechnik nicht zu erreichen. Mittlerweile war es Samstagabend, und der junge Rabe flatterte immer noch gefesselt in der Hitze um sein Leben.

Weil es dunkel wurde, musste die Rettung eingestellt und konnte erst am Sonntagmorgen fortgesetzt werden. Nun half der professionelle Baumpfleger Florian Seifarth aus Sommeritz, der keine Probleme mit seiner Klettertechnik hatte, den Horst in über 20 Meter Höhe zu erreichen. Leider war der junge Rabe bereits tot. Er hatte sich kopfunter hängend zu Tode geflattert. Seine Eltern hatten bis zuletzt in der Nähe ausgeharrt und immer wieder versucht, ihn durch Rufe zum Ausfliegen zu bewegen.

Trotz des erfolglosen Ausgangs der Rettungsaktion heben Kathrin und Torsten Pröhl die Hilfsbereitschaft jener Menschen hervor, die ohne große Diskussion den Vogel retten wollten, auch wenn es aussichtslos erschien. Kritik üben die Naturschützer an dem zurückgelassenen Bindegarn. Es werde zur Gefahr für Vögel, die auf die Nachnutzung von Rabenvogelnestern angewiesen sind, wie Eulenarten und Falken. Der Plastestrick sei auch für andere Wildtiere gefährlich, wie Rehböcke, die sich mit ihrem Gehörn im Bindegarn verheddern und elend verhungern.

Von Jens Rosenkranz

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