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Altenburg Drei Altenburger Museen im Trialog
Region Altenburg Drei Altenburger Museen im Trialog
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06:00 06.09.2017
Die beiden Ausstellungskuratoren Sophie Thorak und Michael Merkel vor der Nike aus der griechischen Antike in zeitgenössischer Adaption mit einem Panzer aus Leiterplatten von Sebastian Hertrich. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Kunst der Gegenwart trifft auf teils mehrere Jahrhunderte alte Museumsexponate. Ein Dialog zwischen Kunstobjekten entsteht, dem der Betrachter lauscht und aus seiner Perspektive deutet, mit anderen Worten in zum Dreiklang vervollständigt. Diesen Trialog hat die wissenschaftliche Volontärin des Altenburger Lindenau-Museums, Sophie Thorak, der Vize-Chefin des Hauses als neues Ausstellungsprojekt vorgeschlagen. Und Sabine Hofmann zeigte sich mehr als angetan, sie ging sogar noch einen Schritt weiter. Wenn schon Trialog, dann sollten doch alle drei am oder im Schlosspark gelegenen Museen – Lindenau-Museum, Naturkundemuseum Mauritianum und Schloss- und Spielkartenmuseum – daran beteiligt sein.

Nun gibt es ihn tatsächlich, den „Altenburger Trialog“. Die am Sonntag eröffnete Ausstellung ist untertitelt als Gastspiel junger Kunst. Zu Recht, denn zehn junge Künstler, Absolventen beziehungsweise Studenten der Bauhaus-Universität Weimar, stellen Exponaten aus den Sammlungen oder Dauerstellungen der Museen ihre Kunst der Gegenwart gegenüber.

Sophie Thorak (27) hat gemeinsam mit dem Studenten Michael Merkel (29) junge Leute gesucht, die das Ausstellungsformat, das es so noch nie in Altenburg gegeben hat, genauso spannend fanden wie sie selbst.

Insgesamt gibt es 18 Trialog-Stationen – neun im Lindenau-Museum, fünf im Mauritianum, vier im Schloss- und Spielkartenmuseums. Es ist also keine Sonderausstellung im konventionellen Sinn, keine geschlossene Präsentation in eigens vorgesehenen Räumen. Der „Altenburger Trialog“ findet mitten in den Museumssammlungen statt.

Die gezeigten Werke und Werkgruppen spiegeln sowohl im Material als auch der technischen Umsetzung die vielfältigen Formen der künstlerischen Ausbildung an der Bauhaus-Universität wider, vom traditionellen Handwerk bis zu den digitalen Medien. Einige der ausgestellten Arbeiten gab es bereits, andere wurden anlässlich dieser Ausstellung neu konzipiert und sind in unmittelbarer Auseinandersetzung mit ihren Dialogpartnern entstanden.

Gewagtes Experiment – ein Kolonettenkrater (um 490 v. Chr.) mit XXL-Strohhalmen à la Mallorca. Quelle: Mario Jahn

Während man manches Pendant zu den historischen Ausstellungsstücken erst suchen muss – Sebastian Hertrichs „Nike“ ist nicht zu übersehen. Überlebensgroß in metallisch glänzenden Leiterplatten steht sie der Bronzestatue „Das eherne Zeitalter“ von Auguste Rodin (1840-1917) genau vis-à-vis und soll die rasant fortschreitende Digitalisierung symbolisieren. Auch zu den von Lindenau selbst erworbenen Korkmodellen von architektonisch berühmten Bauten stellten die jungen Künstler Sebastian Wanke und Philipp Specht allgegenwärtige, konventionelle Typenbauten aus dem Heute gegenüber: ein Fast-Food-Restaurant, einen Supermarkt und eine Tankstelle. Und ganz gewagt stellt Sebastian Wanke in einen Kolonettenkrater (etwa 460 v. Chr.) unter dem Titel „Happy People Mallorca“ XXL-Strohhalme im Schwarzlicht-UV-Fluter. Ein Schelm, wer da an Eimersaufen denkt.

Im Mauritianum findet man den sogenannten Altenburger Rattenkönig – 32 mumifizierte, mit den Schwänzen verknotete Ratten – als Marketerie aus Leiterplatten wieder. Vernetzt eben. Und im Schlossmuseum, dessen Chefin Uta Künzl sich noch ein oder zwei Exponate mehr gewünscht hätte, fällt vor allem die Lichtinstallation von Therese Berger ins Auge. Sie zaubert mit Kunststoffperlen und Pflanzenteilen die „alte“ Tapete im Kaminzimmer des ehemals herzoglichen Wohnzimmers an die Wand.

„Wir sind glücklich, dass sich unsere wissenschaftliche Volontärin so sehr für Gegenwartskunst interessiert. Das ist wahrlich nicht bei jedem Kunsthistoriker so“, freut sich Sabine Hofmann. Bis zum 29. Oktober sind die Besucher zur Besichtigung dieser ungewöhnlichen Ausstellung, bestenfalls zu einem Rundgang durch alle drei Häuser, eingeladen. Ein Lageplan erleichtert die Orientierung und benennt alle Arbeiten. Zum 1. Oktober soll auch eine ansprechend gestaltete Begleitpublikation mit fotografischen Raumansichten und Details der Arbeiten sowie Kurztexten zu jeder Station erscheinen, ein 96-seitiges handliches Heftchen.

Zur Führung durch die neue Ausstellung wird am Donnerstag, 7. September, 18.30 Uhr ins Lindenau-Museum eingeladen. Eine Führung im Schlossmuseum und im Mauritianum folgt am 12. September, 18.30 Uhr (Treffpunkt Schloss).

Von Ellen Paul

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