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Altenburg Drei Engländer im Rausch in Altenburg
Region Altenburg Drei Engländer im Rausch in Altenburg
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20:00 27.03.2018
Pianist Nick Smart, Saxofonist Jordan Smart sowie Schlagzeuger und Percussionist Jesse Barrett überzeugen mit Rhythmen und verzaubernden Melodien. Quelle: Jens Paul Taubert
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Altenburg

Es braucht nicht viel, um die Zuhörer in eine Welt voller Musik eintauchen zu lassen. Klavier, Saxofon und Schlagzeug – das reicht den drei englischen Ausnahme-Musikern von Mammal Hands. Nur damit ausgerüstet, nehmen sie sich und das Publikum mit auf eine Reise – so geschehen am vergangenen Freitag im ehemaligen Thüringer Hof in der Gabelentzstraße.

Melodische Spielbälle

Was da beim jüngsten Jazzklub Altenburg auf die Bühne gebracht wurde, ist schwer in Worte zu fassen und schon gar nicht in die sonst übliche und so schnell geöffnete Schublade des Jazz einzuordnen. Es ist eher in Jazz-ähnliche Stilistiken gepackter Post-Rock. Wunderbar verzaubernde Melodien, die wahlweise vom Piano oder Saxofon aus gestartet und dann vom jeweils anderen Melodieinstrument aufgegriffen werden, um sie dann noch eleganter und noch schöner wieder auszuspucken. Dabei werfen sich Nick Smart (Klavier) und Jordan Smart (Saxofon) die Bälle so perfekt zu, dass es eine Freude ist und man die Augen dafür zwingend schließen muss.

Die beiden Brüder aus Norwich wissen offenbar blind, was der andere vorhat und reagieren immer schon ein paar Takte im Voraus. Getragen und gestützt wird das Soundgerüst von Jesse Barrett, der mit seinem treibenden Schlagzeugspiel den Boden für die verspielten Melodien-Haschereien des Brüder-Paares ebnet. Die Motive werden im Aufbau behutsam entwickelt und dann mit punktgenau gespielten Schlagzeugpatterns unterlegt und gewürzt. Beeindruckend ist dabei vor allem das präzise Spiel des Drummers, der nicht selten mit allen vier Gliedmaßen unterschiedliche Takte spielt und ab und an auch noch auf seiner Dayan, einem Teil des nordindischen Schlagwerkes Tabla, herumtrommelt.

Exotik trifft Hypnose

Ohnehin passen der Sound der exotischen Trommel und das hypnotische Saxofonspiel bestens zueinander. Filigrane und dennoch kraftvoll zupackende Percussion-Rhythmen treffen auf verspielte Melodien. Dass sich die Songs im Aufbau oftmals doch recht ähnlich sind, machen die drei jungen Musiker durch ihre Vielfalt in den Melodien und den Rhythmen ganz leicht wieder wett. Dabei tritt keiner der Drei in den Vordergrund. Wer auf effekthascherische Soli gewartet hat, wird zum Glück enttäuscht.

So spielt sich das Trio in einen Rausch, der nur ab und an von den knappen Ansagen des Pianisten unterbrochen wird. Auch wenn man von dem wunderbar vernuschelt vorgetragenen englischen Akzent nur die Hälfte versteht, kommt doch eines rüber: Die drei jungen Männer freuen sich jedes Mal, wenn sie zusammen auf der Bühne stehen dürfen und das Publikum so begeistert mitgeht wie in Altenburg.

90 Minuten Schönheit

Und so endet ein wundervoller Abend, an dem das Trio Stücke seines aktuellen Albums „Shadow Work“ mit Songs der beiden vorangegangenen Platten „Animalia“ und „Floa“ gemischt hat, mit der Zugabe und dem Höhepunkt, dem rhythmischen Kracher „Tiny Crumb“. Nach rund 90 Minuten taucht man wieder auf und ist ganz beglückt von so viel Schönheit in der Musik. Vielleicht etwas kurz, aber die drei Engländer haben dieses Jahr schließlich noch viel vor – zum Beispiel das Publikum beim renommierten Montreux Jazz Festival zu erfreuen.

Den nächsten musikalischen Ausflug mit dem Jazzklub Altenburg gibt es bereits am 13. April um 20 Uhr im Paul-Gustavus-Haus in der Wallstraße 29. Auch da erwarten die Kulturmacher mit dem Quartett „Weird Beard“ aus der Schweiz wieder internationale Gäste. Sie bringen eine lose konstruierte Musik für spannungsreiche dynamische Entwicklungen mit offenem Ende mit.

Karten gibt es zum Vorverkaufspreis unter anderem in der Altenburger Tourismusinformationen am Markt 10, per Reservierung zum Abendkassenpreis über die Jazzklub-Homepage und am Konzerttag an der Abendkasse (Einlass ab 19 Uhr).

Von Thomas Trummer

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