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Drei junge Damen fechten mit dem Bogen musikalischen Kampf aus

Altenburger Musikfestival Drei junge Damen fechten mit dem Bogen musikalischen Kampf aus

Das Programm des Altenburger Musikfestivals überrascht neben den Standardveranstaltungen immer wieder mit musikalischen Angeboten der Extraklasse. Eines davon gab es am Mittwochabend im Teehaus. Les Troizettes – drei junge Musikerinnen aus Berlin spielten ernste Musik und nahmen diese ganz und gar nicht ernst.

Bekriegen sich vor dem Altenburger Teehaus – zum Glück zur musikalisch: Romy Nagy, Isabelle Engelmann und Katja Schott (v.l.)

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Das Programm des Altenburger Musikfestivals überrascht neben den Standardveranstaltungen immer wieder mit musikalischen Angeboten der Extraklasse. Eines davon gab es am Mittwochabend im Teehaus. Les Troizettes – drei junge Musikerinnen aus Berlin spielten ernste Musik und nahmen diese nicht sehr ernst. Dabei bewiesen sie sowohl hohes musikalisches Können als auch komödiantisches Talent.

Die Pianistin Isabelle Engelmann, die Geigerin Katja Schott und die Cellistin Romy Nagy wähnten sich jede im Einzelengagement in Altenburg und stießen überraschend im Teehaus aufeinander. Nun begann ein Kampf um die musikalische Vorherrschaft der „nicht ganz feinen Art“, der schon Formen eines Zickenkrieges annahm. Denn jede der drei doch sehr unterschiedlichen Diven fühlte sich als Primadonna berufen. Dabei blieb die Musik mitnichten auf der Strecke, wohl aber die Notengenauigkeit.

Da paarten sich am Anfang Piano und Violine scheinbar widerwillig und brachten Bachs Präludium C-moll aus dem „Wohltemperiertem Klavier“ und Brahms Ungarischen Tanz Nr. 5 zusammen, als wären beide eins. Es ging hoch her auf der Bühne: In Mozarts kleine Nachtmusik mischen sich Motive aus „Aida“ (nicht das Schiff!), Rossinis „Wilhelm Tell“, Schuberts „Forelle“ und – Hallo, ist denn schon Weihnachten? – das Lied „O, du Fröhliche“. Die Pianistin schminkte sich auf offener Bühne, die Violinistin bearbeitete auf einmal das Cello mit. Man giftete sich an und strich wohlklingend gemeinsam seine Instrumentensaiten.

Es hat mal jemand formuliert: Flinke Zungen treffen auf flinke Bögen. Hier traf es zur Freude des Publikums zu. Dieses wurde auch selbst gefordert. Die Pianistin überschüttete das Publikum anfangs mit einem Wust an musikalischem Wissen, vor allem über Bach und Brahms, Präludien und Fugen und anderem musikalischen „Schnickschnack“ und fragte nach diesem. Dabei blieb das Publikum sehr zurückhaltend. Ein einzelner Herr, Tennisspieler und Pianist, rettete dessen Ehre.

Es wurde auch gesungen. Die Cellistin brachte ein Chanson über Mozart zu Gehör: „Wolfgang und ich“. Darin beschwert sich seine Frau Constanze über ihn: „Während Wolfgang den Frauen nachlief und das Geld ausgab, musste ich komponieren“. Eine gewichtige neue Erkenntnis der Musikgeschichte.

Und die drei Damen gehen flott voran in der Erarbeitung der Musikgeschichte. „Wir spielen jetzt eine Oper ohne Worte“, verkünden sie ins Publikum und spielen Melodien aus Mozarts „Don Giovanni“. Schön anzuhören, bis sie diese kreuzen mit dem Tango „Jalusie“ und Fritz Kreislers „Liebesleid und -freud“. Das alles erinnert an Felix Reuter.

Dann ist Pause. Eine halbe Stunde lang. Das Publikum hatte Gelegenheit, mit einem Glas Sekt in der Hand die wunderbare Abendstimmung im Altenburger Schlosspark zu genießen. Nach so viel Regen ist man schönwettersüchtig.

Dazu passten die „Thais-Meditationen“ gleich zu Beginn des zweiten Teils. Dann war Rimski-Korsakows „Hummelflug“ zur Jagd freigegeben. Die Künstlerinnen stürzten sich auf das Insekt und erlegten es. Das stimmte alle ein auf Dvoraks Humoreske im Westernstil mit passendem Outfit , wobei ein Schuss fiel, der zum Glück nicht traf. Kein Besucher fiel vom Stuhl.

Mit dem Csárdás von Monti und einer Zugabe endete das vergnügliche Gezerre um musikalische Vorherrschaft. Gesiegt hat die Musik in Einheit mit spritziger Komödie, was das Publikum am Ende mit heftigem und langem Beifall feierte

Von Manfred Hainich

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