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Altenburg Dreiecks-Beziehung beim Kammerkonzert
Region Altenburg Dreiecks-Beziehung beim Kammerkonzert
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09:57 11.04.2018
Professioneller Vortrag auf beiden Seiten: Nolundi Tschudi (r.) trug Texte vor, Thomas Wicklein (l.) kümmerte sich mit seinen Mitmusikern um die angemessene Untermalung. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Es war eine äußerst fruchtbare, aber auch eine zutiefst gespaltene und belastete Beziehung, die das deutsche Musikleben im 19. Jahrhundert prägte: das Zusammentreffen von Clara Wieck, Robert Schumann und Johannes Brahms.

Schwächen und Leidenschaft

Diese markante und einzigartige Künstlerkonstellation stand auf dem Programm des 5. Kammerkonzerts im Logenhaus. Die Akteure der Matinee hatten es sich zum Ziel gesetzt, anhand von Lesungen aus der Biographie und insbesondere den Briefen dieser Musiker sowie zahlreichen musikalischen Beispielen, ein umfassendes Bild jener musikgeschichtlichen Episode von höchstem Rang zu zeichnen. Wahrlich keine einfache Aufgabe, denn allzu menschliche Schwächen, sehr individuell ausgeprägte Charaktere und leidenschaftliche Liebe spielen bei dieser Dreierbeziehung die dominierende Rolle.

Zunächst verhinderte jahrelang der Vater von Clara Wieck die Liebesheirat mit Robert Schumann, dann musste Clara die psychische und zum Tode führende Tragödie ihres Mannes miterleben und schließlich tauchte in dieser schwierigen Lebensphase der junge Johannes Brahms auf und offenbarte Clara Schumann seine große Zuneigung und Liebe.

Feinfühlige Dialoge

Mit sehr klug ausgewählten Briefzitaten und markanten Lesungen im Dialog bauten die Schauspieler Nolundi Tschudi und Manuel Kressin jenes Spannungsfeld auf, wobei es in knapp 90 Minuten Konzertdauer kaum gelingen kann, ein absolut objektives Spiegelbild zu erstellen. Zu viele Nebenschauplätze müssen dabei unberücksichtigt bleiben, so etwa die Persönlichkeit von Clara Schumann: Einerseits brillante Konzertpianistin, umsorgende Hausfrau einer zehnköpfigen Familie, aber anderseits in der Krisenzeit eiskalt im Umgang mit ihrem Mann und den Kindern agierende Karrieristin.

Die Sängerin Claudia Müller, Kathrin Osten (Flöte), Uwe Knaust (Klarinette) und Thomas Wicklein am Klavier näherten sich in einem kleingliedrigen, aber konzeptionell wohl durchdachten Programm von mehreren Seiten aus diesen drei Musikern und boten zum Teil gern gehörte und oft aufgeführte, aber auch weniger oder kaum bekannte Kompositionen dar.

In einigen melodramatischen Szenen untermalten sie feinfühlig die Dialoge zwischen Clara und Robert, wobei beide Sprecher eindrucksvoll die Persönlichkeiten der Musiker reflektierten. Claudia Müller zeichnete stimmlich und mimisch die bezaubernden Lieder von Robert Schumann und Clara Wieck nach, konnte in den hohen Lagen jedoch eine gewisse Schärfe nicht vermeiden.

Abschluss mit dem Publikum

Das ist natürlich nicht zuletzt den akustischen Bedingungen der Konzertmuschel in der Altenburger Loge geschuldet. Auf diesem Podium erreicht man sehr schnell die Grenzen einer erträglichen Lautstärke, zumal der versiert und engagiert aufspielende Thomas Wicklein am Flügel sich recht ordentlich ins Zeug legte und kein Forte ungenutzt verstreichen ließ.

Wunderschön musizierte er zusammen mit Kathrin Osten die „Drei Romanzen“ op. 94 von Schumann. Und welcher Zuhörer bleibt unberührt, wenn Johannes Brahms‘ oft gesungenes Wiegenlied in einer ansprechenden Bearbeitung von Olav Kröger erklingt? Mit dem Kopfsatz aus Brahms‘ Klarinetten-Sonate op. 120 präsentierte sich Uwe Knaust zusammen mit Thomas Wicklein als virtuoser Solist im Finale des Konzerts. Kleine Differenzen im Zusammenspiel taten da nicht viel zur Sache.

Das Beste des Konzertes kam am Schluss nach dem Beifall, quasi als Zugabe, indem Thomas Wicklein in seiner ihm eigenen, angenehmen Weise zum Kanon-Singen mit dem Publikum aufrief, und zwar anhand des Kanons „Wenn ich ein Vöglein wär“, nicht auf die allseits bekannte Melodie, sondern in der Vertonung von Clara Schumann. Das Publikum sang fleißig mit und schuf so einen humorvollen und frühlingshaften Ausklang des gut besuchten Kammerkonzertes.

Von Felix Friedrich

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