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Altenburg Dreifache Mutter betreibt Drogenhandel in Altenburg
Region Altenburg Dreifache Mutter betreibt Drogenhandel in Altenburg
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00:20 04.08.2017
Jahrelang hat Melanie T. Crystal genommen und es am Ende auch verkauft. Nun hat das Amtsgericht Altenburg die dreifache Mutter zu fast zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Quelle: dpa
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Altenburg

Es klingt fast nach einem normalen Job. Rund zehn Monate sorgte Melanie T. für das Einkommen ihrer Familie. Während die drogensüchtige Schwangere vor etwas mehr als zwei Jahren damit begann, Crystal zu verkaufen, kümmerte sich ihr Freund um den Nachwuchs. Für die Geburt ihres dritten Kindes legte sie sogar eine „Babypause“ von zwei Monaten ein. Danach ging es aber wieder los – bis zum 4. April 2016, als sie von der Polizei festgenommen wurde.

Am Montag nun hat das Amtsgericht Altenburg die 31-Jährige wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Drogenbesitz zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, die auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss T. noch 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Grundlage des Urteils des Schöffengerichts unter Leitung von Richter Alexander Reichenbach war das umfassende Geständnis der Altenburgerin. Insgesamt 26 Taten räumte die Angeklagte ein. Dabei ging es um über 450 Gramm der aufputschenden Droge im Verkaufswert von rund 30 000 Euro. Ein Drittel verbrauchte sie mit ihrem Lebensgefährten allerdings selbst, was sich strafmildernd auswirkte. Wie die Angeklagte sagte, habe sie fast die gesamte Schwangerschaft über Crystal konsumiert. „Bei dem Kind ist aber alles in Ordnung“, erklärte sie auf Reichenbachs Nachfrage.

Eine Multimedia-Reportage rund um das Thema Crystal sehen Sie hier.

Da sie seit ihrer Festnahme abstinent lebt, eine Therapie gemacht hat, weggezogen ist und sich mit ihrer Familie ein neues Leben aufgebaut hat, bescheinigte ihr Richter Reichenbach „eine gute Kriminal- und Sozialprognose“. Der Hauptgrund aber, warum die wegen Diebstahls und Drogenbesitzes Vorbestrafte trotz ihrer beträchtlichen Geschäfte nicht ins Gefängnis muss, ist die Qualität ihres Geständnisses. Mit ihrer Aussage brachte sie nicht nur ihren Lieferanten für über fünf Jahre hinter Gitter („Ich habe ihn verpfiffen.“), sondern rechnete auch mit der Altenburger Drogenszene ab. So reduzierte sich der für Drogenhandel übliche Strafrahmen von einem Jahr bis 15 Jahre Freiheitsstrafe auf drei Monate bis elf Jahre.

Detailliert schilderte Melanie T. den Ablauf ihres „Jobs“, in den die Drogenabhängige durch Schulden bei ihrem Lieferanten hineingerutscht war. Demnach trafen sich die beiden zwischen Juli 2015 und April 2016 – bis auf die Pause – jede Woche meist auf dem Penny-Parkplatz in Südost, auf einem Parkplatz in der Gabelentzstraße oder an der Hundewiese am Festplatz. An drei Wochen im Monat bekam sie je 20 Gramm, in der vierten nur zehn Gramm. „Am Ende des Monats war es schwer loszukriegen, weil die Leute kein Geld haben“, begründete die Angeklagte diesen Umstand.

Betrug der Einkaufspreis bei der ersten Lieferung noch 25 Euro pro Gramm, verlangte der Großdealer danach 45 Euro. Weiterverkauft habe sie – je nach Kunde – für 60 bis 70 Euro je Gramm, erzählte die junge Frau. „Ich habe es nicht gestreckt.“ Auch habe sie nie direkt bezahlt – das Geschäft lief stets auf Kommission, was laut Urteil des Bundesgerichtshofs dazu führte, dass aus den 26 Taten zu ihrem Vorteil zwei Fälle wurden – einer bis zur „Babypause“, der andere danach.

Weiterverkauft habe sie das Crystal dann in Portionen von ein bis zwei Gramm in der Spielothek im Bahnhof-Center, wo sie sich oft aufgehalten und einen Teil des verdienten Geld wieder verzockt habe, so die 31-Jährige. Reihenweise Namen von Kunden fand die Polizei dann bei der Durchsuchung ihrer Wohnung auf einer so genannten Tickerliste. Daneben auch noch Cliptütchen, in denen sie das Crystal verkaufte, eine Feinwaage sowie kleinere Mengen Drogen. Laut Polizei lag die Kassette unverschlossen auf dem Sofa und somit auch für die Kinder erreichbar, was Melanie T. aber vehement bestritt.

„Ich bereue, dass ich das gemacht hab“, sagte die Angeklagte und war dabei den Tränen nahe, weil sie nicht nur ihre Kinder, sondern auch ihre Beziehung dadurch aufs Spiel gesetzt habe. Völlig aufgelöst berichtete die junge Frau, die mit 14 anfing, Drogen zu nehmen, dann davon, dass ihr Leben aus den Fugen geriet, als mit ihrer Mutter die wichtigste Bezugsperson ausgewandert sei.

Mit seiner Strafe folgte das Schöffengericht der Forderung von Staatsanwalt André Sbick, der T. ins Gewissen redete und hofft, dass „das gut geht“. Verteidiger Walter Theis lobte den Mut, „einen Drogenboss zu verpfeifen“ und sah eine nicht näher definierte Bewährungsstrafe als angemessen an. Da beide Seiten auf Berufung verzichteten, besitzt das Urteil bereits Rechtskraft.

Von Thomas Haegeler

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