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Altenburg Drogen-Aufkleber der Linken in Altenburg könnte Ramelow belasten
Region Altenburg Drogen-Aufkleber der Linken in Altenburg könnte Ramelow belasten
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12:29 26.08.2017
Dieser Aufkleber ist in Altenburg an Jugendliche verteilt worden. Quelle: ovz
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Altenburg

Ein nur wenige Quadratzentimeter großer und kürzlich in Altenburg verteilter Aufkleber wird Thema im Thüringer Landtag sein und womöglich sogar Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) eine Stellungnahme abverlangen. Dafür wird Christoph Zippel sorgen. Der CDU-Landtagsabgeordnete aus Altenburg kündigte eine mündliche Anfrage zum Plenum nächste Woche an.

Denn Ramelow war bei jenem Sommerfest der Linken am Sonnabend auf dem Topfmarkt in Altenburg anwesend, als Mitglieder der Thüringer Linksjugend Sticker an junge Leute verteilten, auf dem ein junges Mädchen Drogen durch die Nase zieht (OVZ berichtete). Zippel will nun wissen, ob Ramelow von der Aktion wusste und welche Konsequenzen er daraus zieht.

Den Linken wirft Zippel eine unverantwortliche Drogenpolitik vor, mit der sie die Arbeit von allen konterkariert, die dafür kämpfen, Drogen von Kindern fernzuhalten. „Dieser Aufruf zum Drogenkonsum ist ein Schlag ins Gesicht aller betroffenen Eltern. Die Linksjugend scheint sich einen Spaß daraus zu machen, wenn Kinder und Jugendliche samt ihren Familien durch Drogenabhängigkeit ins Unglück gestürzt werden“, schimpfte der CDU-Politiker.

Ähnlich sah dies Zippels Parteifreund Frank Tanzmann, der als Chef des Jugendhilfeausschusses am Donnerstag die Aufkleber als Verharmlosung des Drogenkonsums unter Jugendlichen bezeichnete. Tanzmanns Timing passte. Denn unmittelbar zuvor hatte Amtsarzt Dr. Stefan Dhein eine Studie zum Drogenkonsum unter 15- bis 18-Jährigen im Altenburger Land vorgestellt. Befragt wurden 1087 Schüler, von denen sich 86 Prozent beteiligten. Fast 30 Prozent gaben dabei an zu rauchen, über 25 Prozent würden Cannabis, 5,6 Prozent Crystal, vier Prozent Ecstasy und 1,5 Kokain konsumieren. „ Das hat uns umgehauen“, kommentierte Dhein das Ergebnis, wonach das Einstiegsalter bei der gefährlichen Droge Crystal bei 14,7 Jahren liegt. Auffällig sei ebenso, dass bei einer vergleichbaren Befragung in Frankfurt/Main nur ein Prozent dieser Altersgruppe Crystal konsumiert, im Altenburger Land allerdings fast sechs.

Dhein hatte ebenso nicht damit gerechnet, dass der Alkoholkonsum unter den Neunt- und Zehntklässlern derart hoch sei. Er konstatierte ein fehlendes Problembewusstsein bei Alkohol, der für 43 Prozent der Befragten keine Droge sei. Bemerkenswert fand er auch, dass 80 Prozent der 14- bis 15-Jährigen raucht, wobei der Verkauf von Tabakwaren an solch junge Leute bekanntlich ein Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz sei.

Angesicht der Ergebnisse sprach sich Dhein für neue Akzente in der Drogen-Prävention aus und lieferte dem Ausschuss-Chef das Stichwort für dessen Kritik an der Aufkleber-Aktion der Linksjugend. Tanzmann forderte, diese Kampagne sofort zu beenden.

Doch das ist fraglich. Fabian Hoemcke, Mitglied der Linksjugend im Altenburger Land, verteidigte die Aktion in einem Schreiben an die OVZ. Kritiker daran würden „illegale“ Drogen kategorisch schlecht und schädlich finden und „legale“ Drogen gut oder zumindest nicht so schädlich. „Diese Einteilung aber ist falsch“, behauptet Hoemcke, weil dies eine rein politische und keine medizinische Unterscheidung sei.

Denn die Wirkung auf den menschlichen Körper ändere sich nicht, nur weil eine Droge legal oder illegal sei. Aber deren Produktion, Handel und Gebrauch ändere sich. Das sei der Punkt, an dem die Linksjugend ansetze. „Natürlich haben wir im Altenburger Land ein großes Problem mit dem Missbrauch von Drogen. Vorrangig aber deshalb, weil wir keinen sachgerechten Gebrauch pflegen und schulen.“ Drogenkriminalität und die Folgen des Konsums bestehen für Hoemcke vermutlich sogar wegen einer repressiven Drogenpolitik.

Für eine Entkriminalisierung der Drogen spricht sich auch Mandy Eißing, Kreisrätin der Linken, aus. Im Jugendhilfeausschuss erklärte sie, dass die Aufkleber von der autark agierenden Linksjugend verantwortet werden, nicht von den Linken im Kreis. „Es ist nicht unsere Art, mit dem Drogen-Problem umzugehen.“ Doch etwas kann auch Eißing den Stickern abgewinnen. Immerhin sei damit erreicht worden, sagte sie, dass das Thema nun in die Elternhäuser getragen wurde.

Von Jens Rosenkranz

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