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Drogen-Eltern in Altenburg: Familie war beim Amt bekannt

Kindeswohlgefährdung Drogen-Eltern in Altenburg: Familie war beim Amt bekannt

Die Familie, aus der das Altenburger Jugendamt am Sonntag zwei Kinder gerettet hat, gilt in der Nachbarschaft als unauffällig. Allerdings ist sie nach OVZ-Informationen dem Jugendamt bereits bekannt und wird beobachtet. Bestätigen wollte das Amtsleiter Dirk Nowosatko jedoch nicht. Dafür verwies er auf eine massive Zunahme der Hinweise zur Kindeswohlgefährdung.

In diesem Haus in der Friesenstraße in Altenburg standen am Sonntag zwei Kinder unbeaufsichtigt am offenen Fenster, während ihre Mutter ihren Drogenrausch ausschlief.

Quelle: Thomas Haegeler

Altenburg. Die Häuser in der Friesenstraße sehen schmuck aus. Auch die Grundstücke mit ihren Grünanlagen am Rande des Altenburger Dichterviertels sind gepflegt und vervollständigen den Eindruck, den ihre Bewohner vermitteln: Hier geht das Leben meist beschaulich seinen Gang. Aufregung gibt es eher selten. Vergangenen Sonntag sah das aber anders aus. Erst rückte die Polizei mit zwei Streifenwagen an – und dann das Jugendamt. Grund war der Hinweis, dass zwei Kinder an einem offenen Fenster standen und laut riefen.

Wie die Polizisten wenig später herausfanden, waren die beiden Jungs im Alter von zwei und drei Jahren ohne Aufsicht dort. Denn ihre Mutter (25) schlief nebenan und stand morgens um 9 Uhr – wie auch ihr Lebensgefährte (36), der auch in der Wohnung war – sichtbar unter Drogeneinfluss (die OVZ berichtete). Besonders gefährlich: Es war ein Fenster im obersten Stockwerk des Mehrfamilienhauses. In der Folge nahmen Mitarbeiter des Jugendamtes die Geschwister mit und brachten sie bei den Großeltern unter.

Unangenehm aufgefallen ist die Familie, die erst ein paar Monate am Friesenplatz wohnt, bisher nicht. Nachbarn beschreiben sie als unauffällig und freundlich. Auch im Umgang mit den Kindern. „Sie grüßen immer, wenn sie ihre Kinder in die Kita bringen“, erzählt ein älterer Herr. Am Fenster habe er – „besonders den Großen“ – schon öfter gesehen. Aber das sei bei dem Ausblick über die Stadt auch kein Wunder. Von hier aus sieht man unter anderem das Altenburger Wahrzeichen, die Roten Spitzen, einige Kirchen, die leuchtende Martin-Luther-Grundschule und den Großen Teich.

Einziges Vorkommnis war laut einer Nachbarin, dass der Dreijährige wohl auch schon mal allein am offenen Fenster stand, während sie wusste, dass die Mutter einkaufen war. Zudem ist die Familie nach OVZ-Informationen beim Jugendamt bekannt und steht unter Beobachtung, die nun intensiviert wurde. Erst Mittwochvormittag besuchten zwei Mitarbeiter die 25-Jährige. „Das sind unauffällige Leute, die kommen einfach nicht klar“, meinte eine Nachbarin mittleren Alters. „Aber Drogen hätte ich nicht vermutet.“ Immerhin seien die Steppkes nun erst mal bei den Großeltern. „Da besteht zum Glück Kontakt.“

Dass die Familie den Behörden bekannt ist, wollte Jugendamtsleiter Dirk Nowosatko nicht kommentieren und verwies auch bezüglich anderer Details auf seine Verschwiegenheitspflicht. Er finde aber, dass hier alle Beteiligten sehr besonnen reagiert hätten. Nur allgemein äußerte sich der Fachbereichsleiter für Soziales, Jugend und Gesundheit zum Vorgehen in solchen Fällen. „Grundsätzlich ist es so, dass es immer das Ziel ist, dass Kinder und Jugendliche in ihrer Familie und im vertrauten Umfeld leben können“, so Nowosatko. „Erst wenn es gar keinen anderen Weg gibt und Kinder nicht anders geschützt werden können, werden Hilfen außerhalb der Familie bei Pflegeeltern, in Einrichtungen oder Wohngruppen gesucht und das Familiengericht eingeschaltet.“ Bis es jedoch soweit komme, werde gemeinsam mit den Eltern an Lösungen gearbeitet. „Bei Drogenfällen heißt das immer: Abstinenz herstellen und dann individuell passende Hilfen anbieten.“

Insgesamt, erklärte Nowosatko, sei das Jugendamt im vergangenen Jahr 93 Hinweisen wegen einer möglichen Gefährdung des Kindeswohls nachgegangen. Dieses Jahr seien es bisher schon 80 Hinweise gewesen. Der enorme Anstieg hat aber nichts damit zu tun, dass man mehr Kinder in Sicherheit bringen musste. „Der Effekt liegt eher daran, dass das Bewusstsein in der Bevölkerung wächst“, so Nowosatko. Das begrüßt er und führt es auch auf den Ausbau des Netzwerkes Kinderschutz zurück, den man in den vergangenen zwei Jahren mit Ärzten, Schulen, Kitas und Co. vorangetrieben hat. „Seit diesem Jahr gibt es auch wieder eine feste Rufbereitschaft.“

Zugeknöpft gibt man sich zu weiteren Details auch bei der Polizei. Weder die Art noch die Menge der konsumierten und bei der Wohnungsdurchsuchung gefundenen Drogen wollte die Sprecherin der Landespolizeiinspektion Gera, Marleen Wedel, herausgeben. Sie sagte nur, dass wegen des Drogenfundes gegen die Mutter und ihren Freund ermittelt werde.

Von Thomas Haegeler

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