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Altenburg Drogensüchtiger will kriminelle Karriere beenden – Amtsgericht Altenburg setzt Verfahren aus
Region Altenburg Drogensüchtiger will kriminelle Karriere beenden – Amtsgericht Altenburg setzt Verfahren aus
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18:42 23.03.2017
Das Altenburger Amtsgericht lässt nun prüfen, ob ein drogensüchtiger Einbrecher in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden kann. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Drogenkonsum ist teuer. Sehr teuer. Mehr als 450 000 Euro hat Steve M. innerhalb von acht Jahren verbraucht, in denen er regelmäßig Crystal nahm. Zwei Gramm will M. seit 2008 bis zu seiner Verhaftung im Vorjahr täglich konsumiert haben. Außerdem noch Cannabis. Bei einem Preis von 80 Euro je Gramm Crystal komme mit der Zeit jene stolze Summe zusammen, „für die Sie sich ein Haus hätten kaufen können“, rechnete Richter Sandy Reichenbach am Amtsgericht Altenburg vor, vor dem M. sich nun zu verantworten hat.

Um seinen Drogenkonsum zu finanzieren, war der Angeklagte auch auf Diebestour gegangen. Einer seiner Streifzüge führte ihn in einer Nacht Mitte Februar 2014 zum Altenburger Recyclinghof. Der wegen zweier Vorstrafen derzeit in Haft sitzende Beschuldigte gab zu, den dortigen Büro-Container mit einem Brecheisen geöffnet und nach Geld und Verwertbarem durchsucht zu haben – so wie es ihm Staatsanwalt Wolfgang Höfs nun vorwirft. Sachschaden: 350 Euro. Entgegen der Anklage will M. aber weder zwei Seitenschneider noch etwas anderes mitgenommen haben.

Darüber hinaus hinterließ der 29-Jährige seine Spur an einer Geldkassette in einer Villa in der Parkstraße. M. erklärte das mit einem zufälligen Besuch dort. „Ich wollte nach dem Rechten sehen“, sagte er und grinste. Er sei durch die offen stehende Eingangstür hereingekommen, habe sich umgesehen und in der Kassette nach Geld gesucht. Als er nichts fand, sei er wieder raus. Das war Höfs dann doch zu dummdreist. „Es ist schön, dass Sie so fröhlich sind“, sagte der Staatsanwalt zu M., gegen den „ein buntes Sträußchen“ weiterer Verfahren läuft. „Wir wollen doch mal gucken, ob sie danach auch noch lachen können.“ Jedoch wurde weder bei ihm noch beim mitangeklagten David K. Diebesgut gefunden.

Auch K. war in der Villa gewesen. Aufgrund von Erinnerungslücken konnte er jedoch nicht sagen, wie seine DNA auf die Toilette im Obergeschoss gekommen war. M. und K. gaben an, sich nicht zu kennen. Was zunächst nach einer Schutzbehauptung klang, bestätigte sich im Laufe der Verhandlung. Zumal es Hinweise gibt, dass beide zwischen dem 9. Januar und dem 6. Februar 2014 nicht gemeinsam in der einstigen Pension gewesen sein müssen.

Aufgrund der unsicheren Beweislage einigte man sich im Hinblick auf die letzte Geldstrafe des einschlägig vorbestraften K., das Verfahren gegen den 40-Jährigen einzustellen. Bei M. hingegen kommen maximal noch versuchte Diebstähle infrage. Das Verfahren gegen ihn wird zudem ausgesetzt. Es geht erst weiter, wenn ein Gutachter die Voraussetzung für die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach Paragraf 64 Strafgesetzbuch geprüft hat. Denn offenbar meint es Steve M. ernst und will wirklich reinen Tisch machen. Anders ist kaum zu erklären, dass der 29-Jährige gegen den Rat seines Rechtsanwalts Dirk Schwerd dem Vorschlag zustimmte, sich wegen seiner Drogensucht noch vor einer weiteren Haftstrafe in eine Entziehungsanstalt zu begeben.

Angeregt hatte dies Richter Reichenbach, weil die Verfasser des Strafgesetzbuches offenbar Fälle wie seinen vor Augen hatten, als sie Paragraf 64 verankerten. Für M. könnte das aber bedeuten, dass er deutlich länger hinter Gittern sitzt als ohne Aufenthalt im Maßregelvollzug. Denn davon wird nur ein Jahr auf die Strafe angerechnet. Dauert die Therapie länger, was meist der Fall ist, kommt diese Zeit noch oben drauf.

Von Thomas Haegeler

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