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?Du bist ich? - erstmals auf einer deutschen Bühne

?Du bist ich? - erstmals auf einer deutschen Bühne

Die Operette ist ihre eigene Dauerkrise. Operette wird es immer geben. Zwischen diesen beide Polen bewegt sich jede Diskussion über dieses wichtige Genre.

Altenburg.

Das könnte auch jetzt wieder geschehen, nachdem vorgestern ein Werk dieser beliebten wie verteufelten Gattung zum ersten Mal auf einer deutschen Bühne zu erleben war - auf die des Landestheaters. Es wurde eine umjubelte Premiere.

 

"Du bist Ich" (Toi c'est moi) heißt das Werk, die Musik dazu stammt aus der Feder des kubanischen Komponisten Moïses Simons und erblickte 1934 an einem Pariser Theater das Licht der Operettenwelt. Danach verschwand es in der Versenkung und wurde nun vom hiesigen Theater wiederentdeckt. Hat es sich gelohnt? Musikalisch auf alle Fälle, obwohl der Inhalt purer Kolonialismus ist. Und auf den reagiert man in Deutschland - im Gegensatz zu Frankreich und England - sehr allergisch. Sklaverei bleibt Sklaverei, auch in der schönsten musikalischen Verbrämung. Das ist der Kompromiss, den man bei den meisten Operetten eingehen muss: Ein dem modernen Zeitgeist völlig fremder oder sogar fragwürdiger Inhalt wird wegen teilweise unsterblicher Musik ins Heute übernommen. Wie man damit umgeht, ist das Entscheidende.

 

Das Theater nun tat das Bestmögliche und legitimierte damit diese "Ausgrabung". Cornelia Boese (Gesangstexte) und Felix Eckerle (Dialoge) schufen eine moderne, witzige und geistreiche, teilweise satirische Textfassung, die es dem zahlreichen sängerischen Personal gestattete, ihren Rollen die notwendige kritische Distanz zu geben, die sie verdienen.

 

Dieses Werk ist eine Revue-Operette. 28 Nummern, meist Soli und Duette, als Chansons, Walzer und moderne Tänze, viele im lateinamerikanischen Rhythmus, prägen das musikalische Geschehen. Die Inszenierung in Verantwortung von Götz Hellriegel macht daraus unter Einsatz von allen Solistinnen und Solisten des Musiktheaters, des Balletts, des Chores und des Orchesters eine einzigartige Show auf musikalisch-gesanglich hohem Niveau. Diese hat ein durchgehend forsch gehaltenes Tempo.

 

Eine fulminante Bühnenausstattung und prachtvolle Kostüme (Duncan Hayler) geben alles, was eine Show braucht. Die Ausstattung des ersten Bildes im Cabaret "Le Tour du Monde" gereichte jedem Großstadtvarieté zur Ehre.

 

Der Regisseur ist auch für die Choreographie verantwortlich. Er hält die Bühne immer tanzend in Bewegung und überschreitet dabei mitunter allerdings Grenzen. Ob auch der schwergewichtige Plantagenverwalter Pedro Hernandez - prächtig gestaltet von Kai Wefer - noch seine Hüpferchen setzen muss oder ob sich die Paare, auch die männlichen Protagonisten, weitgehend tanzend begegnen müssen, darf hinterfragt werden. Der Chor, die Sklaven darstellend, einheitlich dunkel gekleidet und teilweise hinter Pappfiguren verdeckt, agiert wie der in einer altgriechischen Tragödie. Das Ballett im Tanz der Paradiesvögel im Mangrovenwald assoziiert ganz stark den Sommernachtstraum. Das sind wunderbare Regieeinfälle, die eine solche Revue veredeln.

 

Und gesungen und gespielt wird durchgehend auf hohem Niveau. Erik Slik und Alexander Voigt verkörpern die beiden Hauptrollen, die ihre Identität tauschen ("Du bist ich) und die das Geschehen jugendfrisch vorantreiben. Die weiblichen Rollen sind mit den Sängerinnen Chrysanthi Spitadi und Katie Bolding sowie den beiden Gästen Bettina Dehner-Brückner und der Amerikanerin Robin Lynch Gooch bestens besetzt. Letztere erntete mit ihrer einzigen Gesangsnummer im Blues-Stil wahre Beifallsstürme. Johannes Beck als Gouverneur, Günther Markwarth als Sekretär der reichen und über alles herrschenden Plantanenbesitzerin sowie einige Chorsolisten ergänzten das umfangreiche Personal dieser Operette. Das Orchester bewies wieder einmal unter der vorzüglichen Leitung von Jens Troester seine Vielseitigkeit bei der Wiedergabe nicht alltäglicher Musik.

 

Und am Schluss gab's sogar noch eine kleine, der Operette angemessene Political Correctness: Die Plantagenarbeiter dürfen mit Katapulten vor die "Herrschaft" schießen.

 

Jubel und stürmischer Beifall bewiesen, dass das Publikum diese neue und bisher unbekannte Produktion angenommen hat. Sie wird ihren erfolgreichen Weg in Altenburg und Gera gehen.

 

iNächste Aufführungen am 16. Mai, 14.30 Uhr, sowie am 24. Mai, 26. Juni und 1. November, jeweils 19.30 Uhr. Karten für alle Vorstellungen an der Theaterkasse (% 03447 585160) und in der OVZ-Geschäftsstelle (% 03447 574942) - Abonnenten erhalten an beiden Kassen zehn Prozent Rabatt - sowie im Internet unter www.tpthueringen.de.

Manfred Hainich

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