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Düstere Zukunft: Brandschutzerziehung in Altenburg steht vor dem Aus

Beschäftigungsprogramm endet Düstere Zukunft: Brandschutzerziehung in Altenburg steht vor dem Aus

Seit acht Jahren organisiert der Kreisfeuerwehrverband mit speziell geschulten Frauen und Männern die Brandschutzerziehung an Grundschulen und in Kindergärten des Kreises. Allein in diesem Jahr erfuhren so bereits 2300 Kinder, was gutes und was schlechtes Feuer ist und wie man sich im Falle eines Brandes richtig verhält. Aber jetzt steht dieses wichtige Projekt vor dem Aus.

Allein in diesem Jahr durchliefen bereits 2300 Kinder den Kurs.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Eine Nachricht hat dem Chef des Kreisfeuerwehrverbandes Uwe Kaphahn die Vorweihnachtslaune gründlich verhagelt. Denn vor wenigen Tagen musste der Verein für Naturschutz, ländliche Umwelt und sanften Tourismus (Naterger) dem 67-Jährigen mitteilen, dass die drei Brandschutzerzieher an Kindergärten und Grundschulen des Landkreises Altenburger Land keine Aufnahme in die von Bund und Land aufgelegten Förderprogramme finden – weder ins Programm Soziale Teilhabe noch in die Thüringer Initiative zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit.

Naterger ist derzeit der Träger dieses vom Feuerwehrverband initiierten Projekts, in dem allein in diesem Jahr drei Feuerwehrfrauen sowie ein Feuerwehrmann den Kindern in Grundschulen sowie Kitas des Kreises auf spielerische Art den richtigen Umgang mit Feuer und das Verhalten im Falle eines Brandes vermitteln. „Allein in diesem Jahr wurden bislang 2300 Mädchen und Jungen geschult“, umreißt Kaphahn die Dimensionen.

Allerdings hängt dieses wichtige Angebot seit seiner Einführung vor acht Jahren regelrecht in den Seilen, weil die Maßnahmen, über die die Erzieher über den zweiten Arbeitsmarkt beschäftigt werden, immer zeitlich begrenzt sind. Aktuell läuft die Förderzeit für die drei beschäftigten Frauen Ende Januar aus. Ab Februar stünde nur noch ein Erzieher zur Verfügung, der über den Bundesfreiwilligendienst bis November 2016 Beschäftigung hätte. Danach wäre auch für ihn Schluss. „Aber einer allein kann er diese Aufgabe nie stemmen, sondern sich nur um Altenburger Einrichtungen kümmern“, so Kaphahn, der mittlerweile gar nicht mehr nachzählen kann, wie viele Bettelrunden er und seine Mitstreiter in den zurückliegenden Jahren gedreht haben, um das Projekt am Laufen zu halten.

„Mit Stand jetzt ist die Brandschutzerziehung ab Februar praktisch tot, weil wir auch nicht mehr wissen, woher noch eine Wendung kommen soll“, konstatiert der Verbandschef bitter.

Noch im Sommer herrschte beim Verband angesichts der Nachrichten von den neuen Förderprogrammen Optimismus. „Vor allem, weil sie eine Laufzeit von drei und nicht nur von einem Jahr haben. Hätten wir dort unsere Leute untergebracht, wäre die Erziehung erst einmal über einen längeren Zeitraum abgesichert gewesen, hätten wir als Verband etwas Luft gehabt“, so Kaphahn weiter. Zudem sicherte Landrätin Michaele Sojka (Linke) damals zu, den dafür notwendigen Eigenanteil von 3600 Euro, den der Verband aus eigener Tasche nicht hätte aufbringen können, als Personalkostenzuschuss in den Kreishaushalt einzustellen und sich dafür einzusetzen. „Für mich ist diese Brandschutzerziehung ungemein wichtig, weil sie den Kindern frühzeitig alle wichtigen Informationen über die Gefahren von Feuer vermittelt und auch über die Feuerwehr informiert“, sagte Sojka im Sommer. Und sie hielt Wort: Der Zuschuss steht im Haushalt, wird aber jetzt wohl wieder gestrichen, weil der Vorstoß um die Aufnahme in das Programm nicht erfolgreich war.

Beileibe war diese Bewerbung nicht die einzige Runde, die der Feuerwehrverband gedreht hat. Bis hin zur Europäischen Union und natürlich bei Landtags- und Bundestagspolitikern aus dem Landkreis sowie anderen Behörden sprach man mit der Bitte um Unterstützung vor.

Davon kann Verbandsvize Andreas Hofmann ein Lied singen. Immerhin hat auch er eine ganze Reihe von Absagen einstecken müssen. Und versteht bei mancher Begründung die Welt nicht mehr: „Die Agentur für Arbeit sagte beispielsweise mit der Begründung ab, keine geeigneten Leute für das Projekt zu finden, und die Industrie-und Handelskammer erteilte uns mit dem Verweis ein Nein, dass dies reine Vereinsarbeit sei“, berichtet Hofmann.

Dabei ist die Brandschutzerziehung laut Thüringer Brand- und Katastrophenschutzgesetz sogar Pflichtaufgabe der Gemeinden, die aber bis auf wenige Ausnahmen aus wirtschaftlichen Gründen die Hände heben. Um diese wichtige Schule fürs Leben endlich auf sichere Beine zu stellen, hat schon seit geraumer Zeit der Landesfeuerwehrverband die Forderung aufgemacht, pro Kreis mindestens einen festen Brandschutzerzieher zu etablieren. Voraussetzung dafür ist natürlich die Bereitstellung der dafür notwendigen Mittel durch den Freistaat. Dort hat man sich diese Aufgabe zumindest bei den Verhandlungen für die rot-rot-grüne Landesregierung fest auf die Fahnen geschrieben und dies sogar im Koalitionsvertrag festgeschrieben, sagt Verbandschef Kaphahn. „Aber offensichtlich sind derzeit in Erfurt andere Aufgaben vordringlicher, was ich sogar verstehen kann. Doch darüber darf man doch auch nicht die alltäglichen Aufgaben vergessen.“

Von Jörg Wolf

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