Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Ehemaliges Kraftwerk Phönix in Mumsdorf ist jetzt Naturschutzgebiet

Artenvielfalt auf Industriebrache Ehemaliges Kraftwerk Phönix in Mumsdorf ist jetzt Naturschutzgebiet

Schwalben in der Bandbrücke, Fledermäuse im Gemüsekeller: Viel getan hat sich auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Phönix in Mumsdorf. Zahlreiche Arten finden auf dem Areal inzwischen ein neues, sicheres Zuhause – und auch künftig haben die Verantwortlichen noch einiges geplant.

Im Nachbau der Bandbrücke hat neben Hausrotschwänzen und Fledermäusen auch eine Kolonie Mehlschwalben ein neues Zuhause gefunden.

Quelle: Mario Jahn

Mumsdorf. Freie Fläche, erste Gräser, umherschwirrende Vögel, Wasserflächen für Amphibien: Viel getan hat sich in den vergangenen Monaten auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Phönix in Mumsdorf. Wo 45 Jahre lang der Schornstein rauchte, um die nähere Umgebung und örtliche Unternehmen mit Fernwärme zu versorgen, hat inzwischen die Natur wieder Einzug gehalten. Zu verdanken ist das nicht zuletzt einem cleveren Konzept.

Um das zu erläutern, hatten die Mibrag und das Landschaftsökologiebüro Myotis aus Halle am Mittwoch ehemalige Kraftwerksmitarbeiter und lokale Politik zum Ortstermin geladen. Mehrere Jahre habe man die Umsetzung des knapp 2 Millionen Euro teuren Projekts vorangetrieben, so Peter Jolas, Leiter Umweltschutz und Geotechnik bei der Mibrag.

Nachdem das Kraftwerk 2013 außer Dienst gestellt worden war, ging es an den Abriss. Mit der Sprengung des Schornsteins im vergangenen Jahr war dieser geschafft. Parallel zu den Arbeiten wurden erste Maßnahmen zum Naturschutz realisiert. „Sobald Platz war, haben wir die entsprechenden Areale eingerichtet,“ erläuterte Jolas den Ablauf.

Und getan hat sich viel auf dem rund 30 Hektar großen Gelände – oftmals sogar in Resten der ehemaligen Anlage, wie Myotis-Landschaftsplaner Burkhard Lehmann beim Rundgang erläuterte. „Wir hatten hier die Chance, Naturschutz pur zu machen, konnten auch einige ungewöhnliche Ideen umsetzen“, erklärte der Fachmann. So wurde etwa für knapp 100 000 Euro die ehemalige Bandbrücke in kleinerem Maßstab wieder aufgebaut. „Hier nistet jetzt, neben Hausrotschwänzen und Fledermäusen, auch eine Mehlschwalbenkolonie mit knapp 200 Brutpaaren.“

Die Vögel finden in der näheren Umgebung alles, was sie benötigen. Der lehmige Boden liefert genug Rohmaterial zum Nestbau. Bei der Innenausstattung der Behausung wurde indes ein wenig nachgeholfen, wie Lehmann zugab. „Wir haben hier ein paar Kissen zerrissen, die Federn nutzen die Schwalben zur Polsterung der Nester.“

Umfunktioniert wurde auch der ehemalige Gemüsekeller der Betriebskantine. In den unterirdischen Räumen und einigen im Boden belassenen Heizkanälen haben sich Fledermäuse eingerichtet. „Wir haben die Räume entsprechend gestaltet, so dass die Tiere genug Platz zum Hängen finden“, so Lehmann.

Einige Meter weiter, am Standort des ehemaligen Heizwerks, wurden mit Bauschutt mehrere Hügel aufgeschüttet. „Dort sollen sich Zauneidechsen ansiedeln, die Hügel sind so gestaltet, dass die Tiere zu jeder Jahreszeit alles nötige finden, im Winter warme Plätze haben und in sandigen Bereichen ihre Eier ablegen können.“ An anderer Stelle durchziehen Kleingewässer die Landschaft, die ganz gezielt nicht das ganze Jahr Wasser führen, so aber einigen Amphibienarten das Überleben sichern können.

Einiges bleibt indes noch zu tun auf den Brachen. So sollen perspektivisch weitere, auch größere Arten auf dem Gelände angesiedelt werden. Die sind nicht zuletzt dafür nötig, den Bewuchs des Geländes auf natürliche Art einzudämmen – ein allzu dichtes Waldgebiet soll auf dem Areal nämlich nicht entstehen. „Dann hätten wiederum die kleinen hier ansässigen Arten zu wenig Platz zum Leben“, begründet Lehmann. Gute 20 weitere Jahre, so die Schätzung der Verantwortlichen, sei man sicherlich noch mit dem Areal beschäftigt.

Und auch größere Projekte hat man im Blick. Mittelfristig wird ein länderübergreifender Biotopverbund angestrebt. Der Plan, so Umweltschutz-Leiter Jolas, sei es, auch den Bereich Phönix Nord und das Rusendorfer Restloch mit ins Boot zu holen. Alle Flächen, so der Wunsch der Verantwortlichen, könnten dereinst im Sinne des Naturschutzes miteinander verbunden sein. Die zuständigen Ministerien der drei Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten hier bereits Interesse signalisiert.

Von Bastian Fischer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Altenburg
Außenansicht der Agneskirche
Ein Spaziergang durch die Region Altenburg
  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr