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Altenburg Ehepaar soll im großen Stil betrogen haben
Region Altenburg Ehepaar soll im großen Stil betrogen haben
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16:11 10.09.2018
Der Angeklagte (vorn rechts), der sich in Untersuchungshaft befindet, wurde in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Quelle: Foto: Pia Siemer
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Gera/Kriebitzsch

Mehr als eine halbe Stunde braucht Staatsanwältin Anja Schneider, um die Anklageschrift mit über 30 Punkten am Landgericht in Gera zu verlesen. Einem Ehepaar aus Kriebitzsch wird Betrug im großen Stil vorgeworfen. Hauptangeklagter ist der 47-jährige Ehemann. Immer wieder soll der gebürtige Altenburger denselben Trick verwendet haben, um sich Leistungen von Baufirmen, Handwerkern und Architekten zu erschleichen.

Laut der Staatsanwaltschaft zeigte er Überweisungsträger – als Beleg, dass er offene Rechnungen beglichen habe. Doch noch bevor die Überweisungen ausgeführt wurden, löschte er die Aufträge wieder. So soll er Unternehmen und Dienstleister lange genug bei Laune gehalten haben, um sich zumindest einen Teil der vertraglich vereinbarten Leistungen zu erschleichen. Insgesamt sei so ein Schaden in Höhe von rund 210 000 Euro entstanden. Der Ehefrau wird vorgeworfen, in einigen Fällen gemeinschaftlich mit dem Hauptangeklagten gehandelt zu haben.

Ein Umzugskarton voller Mahnungen

Nach ihren Aussagen hatte sich das Paar im Frühjahr 2014 kennengelernt. Bereits kurze Zeit später zogen die beiden zusammen, die Hochzeit folgte im Herbst desselben Jahres. Ihr späterer Ehemann sei der Angeklagten „galant wie ein Mann von Welt“ vorgekommen. Mit ihm habe sie ihren Traum vom eigenen Haus verwirklichen wollen.

Noch im Jahr 2015 schloss das Ehepaar mit einem Leipziger Bauunternehmen einen Vertrag über den Bau eines Einfamilienhauses im Wert von 208 000 Euro. Darüber, woher dieses Geld kommen sollte, entspann der Angeklagte ein Konstrukt aus Lügen. Er soll vorgegeben haben, über eine Erbschaft in Höhe von 300 000 Euro zu verfügen. Anderen Unternehmen gaukelte er offenbar vor, er sei beruflich bei RB Leipzig tätig. Seiner Frau soll er auch gesagt haben, er verdiene 8000 Euro netto im Monat.

Tatsächlich waren die Konten des 47-Jährigen, der einschlägig vorbestraft ist, zu keiner Zeit ausreichend gedeckt. Auch einem Gerichtsvollzieher gegenüber soll er eine unvollständige Vermögensauskunft abgegeben haben. Ob seine Ehefrau nie Verdacht geschöpft habe, will Richterin Andrea Höfs am ersten Prozesstag von dieser wissen. „Nein, ich habe meinem Mann vertraut“, gibt die 49-Jährige zu Protokoll. Erst nach der Verhaftung ihres Mannes im Jahr 2017 will sie im Keller Rechnungen und Mahnungen vom Umfang eines Umzugskartons gefunden haben. Inzwischen hat sie die Scheidung eingereicht.

Angeklagter bestellte VIP-Karten von RB Leipzig – ohne zu zahlen

Nachdem das Leipziger Bauunternehmen den Vertrag aufgekündigt hatte, beauftragte der Angeklagte zwischen 2015 und 2017 viele Bau- und Handwerksunternehmen sowie ein Architektenbüro im Altenburger Land. Mal bestellte der Mann Zierkies, Frostschutz oder Splitt, ein anderes Mal ließ er Malerarbeiten durchführen. Gezahlt haben soll er nie, täuschte wohl immer wieder Überweisungsaufträge nur vor. Auch die Knappschaft Altenburg, bei der seine Eltern pflegeversichert waren, soll der 47-Jährige um Geld betrogen haben. Er ließ das Bad in der Wohnung seine Eltern umbauen und verlangte dafür einen Zuschuss von der Versicherung. Diesen erhielt er zwar, überwies ihn aber anscheinend nie an das Handwerksunternehmen weiter.

Für die Mahnungen, die nach und nach ins Haus flatterten, bestellte er Rechtsanwälte und ließ sich beraten – doch auch deren Honorare soll er nie gezahlt haben. Nach und nach kündigten die Rechtsanwaltskanzleien ihm die Zusammenarbeit auf.

Zudem gründete der Angeklagte zwei Unternehmen, um seriöser auftreten zu können. Für ein „Sportmanagement“-Unternehmen mietete er sogar Geschäftsräume in einem Shoppingcenter in Oberhof an, ohne diese jemals zu nutzen oder tatsächlich die Miete zu überweisen. Dem Vermieter entstand ein Schaden in Höhe von mehreren Tausend Euro. Auf Rechnung der Firmen bestellte er auch Dauerkarten für die VIP-Loge von RB Leipzig im Wert 14 000 Euro und besuchte ein Heimspiel des Fußballvereins, bevor er gesperrt wurde, weil er nicht gezahlt hatte.

Der Angeklagte selbst wollte sich am ersten Prozesstag am vergangenen Freitag nicht zu den Vorwürfen äußern. Insgesamt sind acht Verhandlungstage angesetzt. Viele der Unternehmer, denen ein finanzieller Schaden entstand, wurden als Zeugen geladen. Ein Urteil wird im November dieses Jahres erwartet.

Von Pia Siemer

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