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Ehrenberg soll nicht Schule machen

Ehrenberg soll nicht Schule machen

Nach dem Hochgefühl durch das herausragende Abschneiden zweier Anlagen beim Bundeswettbewerb sind die Altenburger Kleingärtner mit der Auflösung der Sparte "Abendruh" in Ehrenberg und ihren Folgen schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet (OVZ berichtete).

Auf der Mitgliederversammlung des Kreisverbandes am Sonnabend in der Altenburger "Destille" zogen sich beide Themen auf jeden Fall wie ein roter Faden durch die zweieinhalbstündige Tagung.

 

Es sei schon ein unglaublich erhebendes Gefühl, bundesweit solche Erfolge und Aufmerksamkeit zu erzielen, wie vor Wochenfrist beim Bundeswettbewerb in Berlin, sagte Verbandschef Wolfgang Preuß. "Aber auf der anderen Seite darf man nie vergessen, dass es vor allem in der Stadt Altenburg mit insgesamt 68 Anlagen ein riesiges Überangebot an Gärten mit hohem Leerstand gibt und sich schon seit Jahren deutlich abzeichnet, dass nicht jede Sparte überleben wird."

 

Und der Fall "Abendruh", bei dem sich ein Verein in aller Stille auflöste und Stadt sowie Verband auf den Kosten der Beräumung regelrecht sitzen ließ, dürfe sich so nicht wiederholen, forderte Preuß unmissverständlich. "Auch wenn sich ein Verein als Unterpächter des Bodens aufgelöst hat und aus dem Vereinsregister des Amtsgerichtes gestrichen ist, bleibt jeder einzelne Parzellenpächter zivilrechtlich in der Haftung für die entstehenden Kosten einer Räumung. Wir werden auch im Ehrenberger Fall eine entsprechende Prüfung anlaufen lassen, ob die bisherigen Nutzer nicht privatrechtlich in Haftung genommen werden können", kündigte Preuß vorsorglich an.

 

Denn im konkreten Fall sind die Stadt und der Regionalverband auf den Räumungskosten in Höhe von immerhin 51 000 Euro sitzen geblieben. Beglichen wurden sie aus dem eigentlich für die Weiterentwicklung des Kleingartenwesens aufgelegten Förderprogramm. Es gelte deshalb zu verhindern, dass Ehrenberg Nachahmer findet.

 

Wie schwer dies werden dürfte, bewiesen die Schilderungen des Chefs der Anlage "Weißer Berg", Matthias Busch: "Allein im zurückliegenden Jahr musste ich vier Gerichtsprozesse gegen Ex-Pächter führen, die sich, ohne ihre Rechnungen zu zahlen, vom Acker gemacht haben", schilderte Busch ziemlich frustriert. "Das kostet einerseits Zeit sowie Nerven und ist andererseits nur selten von Erfolg gekrönt, weil etliche Ex-Pächter Privatinsolvenz anmeldeten."

 

Ein wirksames Regulativ dürfte das Entwicklungskonzept für die Kleingärten zwischen der Stadt sowie dem Regionalverband sein, das regelmäßig der aktuell herrschenden Situation angepasst wird. Und in der aktuellen Fassung nehmen das Leerstandsmanagement, - wie das Schultern von immer mehr ungenutzten Parzellen im Amtsdeutsch heißt - das Durchschnittsalter der Nutzer sowie detaillierte Perspektiven einer jeden Sparte immer größeren Raum ein. Nur wer da künftig noch gute Karten habe, könne auf finanzielle Förderung hoffen. "Im kommenden Jahr wird jede Kleingartensparte dazu verpflichtet sein, ein eigenes Entwicklungskonzept zu erstellen, in dem sich auch all diese Punkte wiederfinden", sagte Preuß deutlich.

 

Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD), zugleich Mitglied im Vorstand des Regionalverbandes, sah das genauso: "Es ist sehr wichtig, dass wir solche Schwerpunkte setzen, denn wir dürfen Auswüchse nicht mehr ignorieren, bis sie nicht mehr beherrschbar sind", sagte das Stadtoberhaupt und hatte dabei wohl den Fall "Abendruh" im Auge. Er sei als Oberbürgermeister sehr froh, mit den Kleingärtnern solch eine Partnerschaft eingegangen zu sein. Aber unendlich werde das Förderprogramm, bei dem die Stadt sämtliche Pachteinnahmen von Sparten auf kommunalem Grund den berechtigten Anlagen wieder zur Verfügung stellt, auch nicht laufen. "Wir können das Kleingartenwesen nicht endlos an einem Subventionstopf gesunden lassen."

 

Eine härtere und entschlossenere Gangart verlangte Wolf deshalb auch vom Regionalverband. Konkret gegenüber Anlagen, in denen schon jetzt absehbar ist, dass die Situation dort aus dem Ruder laufen wird. "Zwar konnte mit dem Programm der wachsende Leerstand gebremst, aber keineswegs gestoppt werden. Und wenn ein Gemeinwesen gesund bleiben will, dann braucht es auch unattraktive Entscheidungen", so Wolf.

 

© Kommentar

Jörg Wolf

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