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Altenburg Ehrenberger erbost über zerstückelten Fußweg – Landratsamt weist Vorwürfe zurück
Region Altenburg Ehrenberger erbost über zerstückelten Fußweg – Landratsamt weist Vorwürfe zurück
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00:19 11.09.2018
Erzieherin Yvonne Meißner, Ortsteilbürgermeisterin Marina Baumann und Stadtrat Jörg Wenzel (von rechts) sind sauer, dass es keinen durchgängigen Fußweg mehr zwischen Ehrenberg und Zschechwitz gibt. Dabei gab es diesen, bevor die Bahnbrücke und die Kreisstraße zwischen den Altenburger Ortsteilen saniert wurde. Leidtragende sind die Kinder der Kita Dorfspatzen, die dort nun nicht mehr spazieren gehen oder gefahren werden können. Quelle: Thomas Haegeler
Altenburg

Beim Blick von der Schloßstraße zur Bahnbrücke schüttelt Jörg Wenzel mit dem Kopf. „Das kann nicht sein und es versteht auch niemand“, sagt der Ehrenberger wenige Meter weiter, während er Richtung Zschechwitz schaut. Grund für die Fassungslosigkeit des Gastronomen: Seit einigen Tagen ist die sanierte Kreisstraße 206 zwischen den beiden Altenburger Ortsteilen wieder frei, aber die Fußgänger schauen in die Röhre. Während Autos reibungslos rollen, sind Fußgänger Hindernissen ausgesetzt.

Erzieherinnen, Eltern und Kinder nutzten Weg häufig

„Der Weg wurde viel genutzt, als Schulweg oder von den Kindergärtnerinnen“, sagt Wenzel, der auch für die SPD im Stadtrat sitzt, angesichts der nahen Känguru-Grundschule und der Kita Dorfspatzen. Das bestätigt Erzieherin Yvonne Meißner, die im Magdalenenstift in Altenburg arbeitet, in den Ferien bei den Dorfspatzen aushalf und die beliebte Spazierstrecke nach Zschechwitz nutzen wollte. „Gleich am ersten Tag habe ich mich gefragt: Wo ist denn hier der Weg?“

Irrwitziges Stückwerk auf wenigen hundert Metern

Der endet nun in der Schloßstraße Richtung Altenburg kurz nach der Kreuzung mit der Stünzhainer Straße. Dann fehlen 40 bis 50 Meter, ehe schmale Wegstreifen unter der Bahnbrücke beginnen. Am Ende dieser steht man vor einem Graben und kann auf den geschotterten Randstreifen oder aufs Feld ausweichen. Nach knapp 100 Metern taucht plötzlich ein asphaltierter Weg neben der Straße auf, ehe dieser – mit einer erneuten Unterbrechung – in die ursprünglich vorhandenen Platten übergeht.

Stadtrat aus Ehrenberg vermutet „Schildbürgerstreich“

„Wenn LKW kommen, ist das gefährlich“, bemängelt Ortsteilbürgermeisterin Marina Baumann (CDU) das Stückwerk und sieht eine weitere Gefahr durch zu schnell fahrende Autos. „Das wird doch eine Rennstrecke.“ Wenzel hält die Sache für „einen Schildbürgerstreich“: „Das hätte man doch gleich mit der Straße und der Bahnbrücke zusammen machen können.“ Was ihn besonders ärgert: Er hat den Plattenweg, der laut ihm nur an der Brücke für einige Meter unterbrochen war, mit anderen Ehrenbergern Ende der 1980er-Jahre mühsam gebaut.

Fachbereichsleiter Wenzlau bestreitet durchgehenden Weg

Dass der Weg durchgängig war, bestreitet Bernd Wenzlau genauso wie den Umstand, dass es dort jemals einen offiziellen Fußweg gab, weil nie Schilder standen. „Vor der Brücke war nichts, das war Dreckbankett“, sagte der Fachbereichsleiter Bildung und Infrastruktur im Landratsamt bei einem Vor-Ort-Termin am Freitag. Zudem seien auch die Stücke unter der Brücke kein offizieller Weg, sondern nur gesetzlich vorgeschriebene „Sicherungsstreifen“, die Kontrollen und Wartung des Bauwerks ermöglichen.

Straßensanierung und Brückenbau hatte andere Ziele

„Dort wo wir bei der Straßensanierung eingegriffen haben, haben wir den Weg auch wiederhergestellt“, erklärte Wenzlau weiter. Zu mehr sei man nicht verpflichtet. Weil der Weg an der Brücke fehlte, sei das schon vorher „ein gefährlicher Zustand“ gewesen. Den galt es genauso zu beseitigen wie die beschränkte Höhe und Breite der Brücke, damit der Nah- und Schülerverkehr sowie die Belieferung von Firmen gewährleistet ist.

Wenzlau: Kreis hat mehr gemacht als nötig

Dennoch kann Wenzlau auch die Bürger verstehen. Er verwies aber darauf, dass die Stadt Altenburg sich seinerzeit gegen eine Beteiligung am Bau entschieden habe und selbst für die Gehwege zuständig sei. Der Kreis habe mit der Sanierung der Kreuzung Schloßstraße schon mehr gemacht, als er hätte machen müssen. Deswegen und „weil es Beratungen mit Bürgerbeteiligung“ gegeben habe, finde er auch den Vorwurf „Schildbürgerstreich“ daneben.

Stadt fehlte seinerzeit das Geld

Fehlendes Geld sei noch unter Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) der Grund gewesen, dass die Stadt sich nicht beteiligte, ergänzte Marcel Schmidt, persönlicher Referent von OB André Neumann (CDU). Das Problem im Nachgang zu lösen und einen Weg zu bauen, schätzt er als schwierig ein. „Es wäre einfacher gewesen, wenn wir uns damals mit rangehängt hätten.“ Jetzt seien die Kosten viel höher, weil man etwa ein Grundstück kaufen müsse und sicherheitstechnische Voraussetzungen, wie die Gehwegbreite unter der Brücke, nicht gegeben seien.

Hoffnung auf Haushalt 2019/20

„Dieses Jahr wird das ohnehin nichts mehr, weil der Haushalt durch ist“, sagte Rathaussprecher Christian Bettels auch vor dem Hintergrund weiter knapper Kassen. Daher könne der Ortschaftsrat das Anliegen nur bei den Haushaltsberatungen 2019/20 anbringen „und sehen, was dabei herauskommt“.

Von Thomas Haegeler

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