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Altenburg Ein Altenburger in Cambridge
Region Altenburg Ein Altenburger in Cambridge
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13:15 21.02.2018
Ausschnitt aus Gerhard Altenbourgs Arbeit „Ecce homo – sterbender Krieger“, entstanden 1949. Quelle: Lindenau-Museum
Altenburg/Cambridge

Es ist eine recht ungewöhnliche Schau, die derzeit in Cambridge bei Boston im US-Bundesstaat Massachusetts zu sehen ist. Erstmals wird die unmittelbare deutsche Nachkriegszeit zum Thema einer Kunstausstellung in den Vereinigten Staaten gemacht. Eine Periode des deutschen Kunstschaffens, die auf der anderen Seite des Atlantiks bislang kaum bekannt ist. „Inventur – Kunst in Deutschland von 1943 bis 1955“ heißt die Präsentation an der Ostküste der USA. Schauplatz sind die Harvard Art Museums.

Genau genommen das Busch-Reisinger-Museum, das einen Teil der renommierten Harvard Art Museums darstellt. Bereits 1901 habe es sich diese Einrichtung zur Aufgabe gemacht, die Kunst des deutschsprachigen Raums zu sammeln und zu erforschen, berichtet Angelika Wodzicki aus dem Altenburger Lindenau-Museum. „Immer wieder werden besondere Epochen herausgegriffen und eingehender beleuchtet.“ Und die Altenburger haben den US-Amerikanern dabei tatkräftig helfen können: mit einer Leihgabe aus der Gabelentzstraße.

Die Ausstellungsmacher aus Massachusetts hatten sich ans Lindenau-Museum gewandt. Um die Kunst der Zeit des ausgehenden Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit dokumentieren zu können, sei um ein herausragendes Werk von Gerhard Altenbourg (1926-1989) gebeten worden, schildert Angelika Wodzicki. Ausgewählt wurde eine Arbeit, die vor Ort schon oft in wechselnden Zusammenhängen präsentiert wurde: „Ecce homo – sterbender Krieger“, entstanden 1949.

Traumatisiert von einem Nahkampf-Einsatz im Zweiten Weltkrieg hat Altenbourg eine große zerrissene Figur dargestellt, eine Art lebenden Leichnam. Ein dürres Wesen mit Händen, die wie Krallen wirken. Altenbourg gestaltete mit Bleistift harte Konturen, ließ einen Teil des Papiers leer. Das gleichermaßen erschreckende wie großartige Werk hat der Künstler nicht auf weißem Papier, sondern auf eigenen alten Kinderzeichnungen angefertigt, die Soldaten, Panzer und Geschütze zeigen. Altenbourgs damit eingestandene kindliche Faszination am Militär bildet so auch bildlich die Folie für das Grauen des Krieges, das der junge Künstler dann umso schmerzhafter erlebt hatte.

Das großformatige Werk war zuletzt in der Ausstellung „Altenbourg in Altenburg“ zu sehen. Nun hängt es bis zum 3. Juni in den Harvard Art Museums und zählt zu den Schlüsselbildern der dortigen Ausstellung. Einer Schau, die insgesamt mehr als 150 Kunstwerke von 50 Künstlern zur Geltung bringt, wobei der Schwerpunkt auf Werken von Künstlern liegt, die während des Zweiten Weltkrieges gearbeitet haben und auch danach weiter aktiv waren. „Altenbourg befindet sich in Gesellschaft von sehr bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern wie Jeanne Mammen, Willi Baumeister, Gerhard Marcks und Otto Dix“, berichtet Wodzicki.

Ein Übersee-Erfolg, der stolz machen darf. Die Beteiligung des Lindenau-Museums an der auch in den USA viel beachteten Ausstellung unterstreiche einmal mehr den außergewöhnlichen Stellenwert der Kunst Gerhard Altenbourgs wie auch die Anziehungskraft des Sammlungen des Altenburger Lindenau-Museums für Museen und Kunstfreunde aus aller Welt.

https://www.harvardartmuseums.org/

Von Kay Würker

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