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Altenburg Ein Altenburger versorgt die Welt mit Deckenventilatoren
Region Altenburg Ein Altenburger versorgt die Welt mit Deckenventilatoren
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00:34 31.05.2018
Während seiner Lehre begann Tobias Krist, mit Ventilatoren zu handeln. Nun hat er den Ebay-Award in der Kategorie Globales Geschäft verliehen bekommen. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Tobias Krist sitzt an seinem Computer in Altenburg. Er klickt sich durch Emails und nimmt mit seinem Headset Anrufe aus aller Welt entgegen. Der 34-Jährige beantwortet Kunden ihre Fragen, kümmert sich, wenn sich etwa ein Südafrikaner neben dem eigentlichen Produkt auch noch eine Flasche Schnaps im Paket wünscht. Denn eigentlich vertreibt Krist vor allem Deckenventilatoren. Kürzlich gewann er den Ebay-Händler-Award in der Kategorie Globales Geschäft. Der Preis wurde erstmals verliehen und ist auf 2500 Euro dotiert. „Außerdem darf ich zur Ebay Open reisen“, freut sich Krist. Bei der Veranstaltung in Las Vegas im Juli wird er auch die Geschäftsführung des Onlinehandel-Riesen treffen.

Während der Lehre erstmals Kontakt zum Onlinehandel

Vor einigen Jahren hätte sich der Altenburger den Erfolg als Händler für Deckenventilatoren nicht träumen lassen. „Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt er bescheiden. Man benötige eine Idee und müsse sie durchziehen, ist sich der junge Unternehmer sicher. Während seiner Ausbildung als Fachkraft für Lagerwirtschaft kam er erstmal mit dem Onlinehandel in Kontakt.

2003 bestellte sich Krist 300 Milchaufschäumer aus China und verkaufte sie teurer weiter. „2004, ein warmer Sommer, habe ich dann Deckenventilatoren von anderen Händlern bestellt und weiterverkauft“, erinnert er sich. Zum einen lief das Geschäft über eine selbstgebaute Homepage, zum anderen zu Festpreisen über Ebay. „Amazon war damals noch nicht so groß“, sagt Krist. 2008 nannte Krist dann sein Ebay-Profil Creoven, wie heute seine Webseite heißt.

Nach seiner Lehre ist Krist 2005 für ein Jahr zum Arbeiten nach Frankfurt am Main gezogen. Nach Feierabend habe er Versandlabel erstellt und diese nach Altenburg zu seinen Eltern geschickt. Krists Eltern verpackten die Ventilatoren, die auf dem Dachboden der Familie zwischengelagert waren und schickten sie in der „wilden Anfangszeit“ zu den jeweiligen Kunden. „Wöchentlich nahm der Nachbar etwa eine Palette mit Ventilatoren an, meine Eltern haben sie dann ins Lager getragen“, erinnert sich der Onlinehändler.

Zwischenzeitlich verkauft Creoven Ventilatoren im „richtigen“ Laden

Nach einem Jahr stellte Krist fest, dass er vom Versand der Ventilatoren leben kann. Gleichzeitig war der junge Mann wissensdurstig. So zog er zurück nach Altenburg und besuchte bis 2008 das Abendgymnasium in Leipzig. Währenddessen baute er sein Geschäft weiter auf, ließ das Lager extern von einer Firma in Bayern koordinieren und nahm weitere Lieferanten in sein Programm auf. „Damals spielte Internationalisierung noch keine Rolle“, sagt Krist. Er verschickte die Ventilatoren zunächst vor allem nach Deutschland und Österreich.

Krist studierte nach seinem Abitur drei Semester Geschichte, machte seinen Meister in Logistik und bildete sich zum technischen Betriebswirt weiter. Sein „pflegeleichter und guter Kundenstamm“ habe ihm die Entwicklung des Versandunternehmens einfach gemacht. Von 2013 bis 2016 betrieb Krist zudem einen „richtigen“ Ventilatoren-Laden in Berlin-Weißensee. Auf 100 Quadratmetern waren etwa 20 Geräte ausgestellt. „Die Kunden wollten aber immer andere sehen“, erinnert er sich. Der Laden habe sich nicht rentiert.

Krist will mit Versandhandel in Altenburg bleiben

Dass er mit seiner Firma und dem inzwischen dazugehörigen 1500 Quadratmeter großen Lager aus Altenburg wegzieht, stand für Krist nie zur Debatte. „Die Preise sind spottbillig, außerdem habe ich hier gute Beziehungen zu den Leuten“, sagt er. Krist kommt ohne Auto aus, er lebt in einer Wohnung über seinem Büro.

Nach wie vor vertreibt er etwa 35 Prozent der Produkte über Ebay. „Das Portal hat eine große Reichweite ohne große Werbekosten“, lobt Krist. Er übt aber auch Kritik an dem Konzern: „Die Verkäufer müssen höhere Standards erfüllen, weil Ebay den Anschluss an Amazon nicht verlieren will“, sagt der 34-Jährige. Aus Händlersicht seien die Anforderungen teilweise problematisch.

45 Prozent der Ware werde mittlerweile über den Onlineshop verkauft, sagt Krist. Der Kundenkontakt ist ihm sehr wichtig: Mit sehr gutem Englisch berät Krist dabei Kunden an seinem Headset, kommuniziert mit Lieferanten. Neben seinen Aufgaben als Chef sitzt der Unternehmer im IHK-Handelsausschuss.

„Ich bin mit Arbeit gut ausgelastet“, sagt Krist. Inzwischen versorgt er Kunden in zahlreichen EU-Ländern, Australien, Südafrika und der Schweiz mit Ventilatoren. Wegen der Abnehmer auf der Südhalbkugel und einer breiteren Produktpalette – etwa Heiz- und Lüftungsgeräte – sei der Absatz weniger stark an warme Sommer gebunden als noch vor zehn Jahren, erklärt der Händler.

Zwischen 10 000 und 20 000 Deckenventilatoren verkauft er von Altenburg aus in alle Welt. In zahlreichen Länder betreibt Creoven eigene Internetseiten. „Für den Brexit planen wir eine zusätzliche Niederlassung in Großbritannien“, verkündet Krist, der mittlerweile fünf Mitarbeiter und eine Auszubildende beschäftigt. Damit er bei all den Plänen und Exporten einen kühlen Kopf behält, hängt an der Bürodecke – natürlich – ein Ventilator.

Von Theresa Held

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