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Ein Coup und neue Akzente

Ein Coup und neue Akzente

Während anderenorts Bürgermeister, ja sogar die Landrätin vor der aktuell schwierigen Finanzsituation kapitulierten und ihre Neujahrsempfänge absagten, hielt der Altenburger Rathauschef an seinem fest - als Möglichkeit des Resümees, des Ausblicks, der Weichenstellung, des Danke-Sagens und der anregenden Gespräche.

Altenburg.

Nicht zuletzt nutzt Michael Wolf alljährlich die Gelegenheit, um Akzente zu setzen sowie die eine oder andere spektakuläre Neuigkeit zu verkünden. So auch am Freitagabend im Goldenen Pflug.

 

Von Ellen Paul

 

Denn dort vernehmen die rund 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport, die der Einladung zum Empfang gefolgt waren, in der Neujahrsrede beinahe Sensationelles: Der Altenburger Oberbürgermeister hat im Streit mit Windischleuba offenbar einen Coup gelandet und wie es scheint der Nachbargemeinde den Investor abspenstig gemacht. "Der ursprüngliche Investor im Gewerbegebiet Windischleuba ist bereit, die geplanten Einzelhandelsinvestitionen in das städtische Gewerbegebiet Altenburg-Nordost zu verlagern und sich zu verpflichten, auf seinen Flächen in Windischleuba keine innenstadtrelevanten Einzelhandelsangebote einzurichten", erklärt Michael Wolf wörtlich. Zusätzlich stehe der Investor bereit, zwischen Spiegelgasse und Josephinum direkt gegenüber dem Areal am Markt in Umsetzung des Quartierskonzepts ein mehrgeschossiges Parkhaus mit Einzelhandel im Erdgeschoss zu errichten.

 

Zweiter Knaller: Das ehemalige Gelände der Berufsfeuerwehr an der Münsaer Straße ist verkauft. Von wem und wofür, verrät der OB nicht. Mit der Aussage, dass damit Flächen für neue Investitionen, für Parkplätze, den Wohnungsmarkt und den Einzelhandel entstehen, bleibt er ziemlich vage.

 

Und als drittes lässt die Ankündigung einer gemeinsamen Aufklärungs- und Präventionskampagne von Stadt und Polizei zum Thema Drogenabhängigkeit aufhorchen. Ihr Schwerpunkt soll die Bekämpfung der Ausbreitung der synthetischen Droge Crystal sein. Alle Verantwortlichen müssten sich auf ein Handlungskonzept verständigen, "um dieses Problem in den Griff zu bekommen", so Wolf. Dass der OB selbiges erstmals in einer Neujahrsrede vor solch großem Publikum anspricht, darf als Indiz dafür gelten, welche Ausmaße der Drogenkonsum und die damit einhergehende Kriminalität inzwischen ganz offensichtlich angenommen hat.

 

Ansonsten nutzt das Stadtoberhaupt seine knapp 40-minütige Rede erwartungsgemäß, um im vergangenen Jahr Erreichtes zu resümieren und einen Ausblick auf 2014 (siehe Kasten) zu geben sowie grundsätzliche Akzente zu setzen. Zu letzterem gehört zweifellos sein Bekenntnis, dass sich Altenburg der Moderne und für die Bedürfnisse junger Menschen öffnen müsse. "Mit dem Überstülpen einer Schutzglocke über die Altenburger Innenstadt und dem Verhindern von Ansiedlungen an der Peripherie hemmen wir mehr die Zukunftsfähigkeit der Stadt, als dass wir sie befördern."

 

Beredtes Beispiel dafür ist für Wolf das Areal am Markt. Nach unendlichen Diskussionen und Auseinandersetzungen gebe es heute so gut wie keine Zweifler und Kritiker mehr. "Es war der erfolgreiche Widerstand der Mehrheit der Altenburger Bürger gegen Bevormundungen und Erziehungsversuche lokaler prominenter Mahner und externer Fachleute."

 

Bemerkenswert bleibt nicht zuletzt die Forderung Michael Wolfs, dass sich Altenburg noch viel deutlicher zu seinem Oberzentrum Leipzig hinbewegen müsse, "als wir es uns momentan vorstellen können". Es gehe dabei keineswegs um die Loslösung von Thüringen, sondern um das Freilenken von Chancen, an der rasanten Entwicklung der wachstumsstärksten Stadt Ostdeutschlands teilzuhaben. Beispielsweise als attraktiver Wohnstandort. © Kommentar

Ellen Paul

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