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Altenburg Ein Dorf wird evakuiert
Region Altenburg Ein Dorf wird evakuiert
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21:08 02.06.2013
Nicht sehr komfortabel, aber trocken und sicher: Die Notunterkunft für die Serbitzer in der Turnhalle der Altenburger Pierer-Schule. Quelle: Mario Jahn

Entscheidung, Information, Absperrung, Transport, Notunterkünfte, Verpflegung und medizinische Betreuung müssen in kürzester Zeit organisiert werden. Und es klappt - auch, weil viele Serbitzer bei Freunden und Bekannten unterkommen.

Der Damm, der eigentlich schützen soll, ist inzwischen eine Gefahr. Die braune Brühe der Pleiße schießt dahinter entlang, die Ufer sind nicht mehr auszumachen, auf jeden Fall sind sie aufgeweicht. Und wenn er brechen sollte, an welcher Stelle auch immer, ist das ganze Dorf bedroht.

"Wir haben keinerlei Erfahrungen, was im Falle eines Dammbruchs genau passiert. Wir bereiten uns deshalb auf das Schlimmste vor und haben damit begonnen, alle 150 Einwohner von Serbitz zu evakuieren", sagt Ronny Thieme, Leiter des Katastrophenschutzstabes des Landkreises am Vormittag.

Wenig später steht Landrätin Michaele Sojka (50, Linke) in Gummistiefeln und Regenjacke auf der B 93 zwischen Treben und Serbitz. Ein Bagger frisst sich sich durch Asphaltdecke und Unterbau, schafft einen Notabfluss ins Hinterland: in der Hoffnung, dass der Damm dann nicht bricht. Denn weil inzwischen die Koberbach-Talsperre überläuft, wissen auch die Experten nicht, wie viel Wasser hier im Laufe des Tages und der Nacht noch in Richtung Leipzig rauschen wird. "Ich habe keine Lust, die Leute womöglich in ein paar Stunden von den Dächern einzusammeln", so die Landrätin.

Zu diesem Zeitpunkt ist der Ort schon abgesperrt, Polizei und Feuerwehr informieren die Bürger, dass sie weg müssen. Sie sollen nur das Nötigste mitnehmen, die Türen verschließen, alles wird versiegelt, hat die Landrätin versprochen. Doch mancher nimmt die Sache lieber selbst in die Hand, stapelt die letzten Sandsäcke am Gartenzaun oder biegt mit vollgeladenem Auto und nicht mehr ganz schließender Heckklappe - weil das Fahrrad noch mit muss - auf die B 93, ab in Richtung Leipzig. Auf dem Parkplatz vorm Serbitzer Hof steht derweil der Sonderbus der Thüsac und wartet auf seine unfreiwilligen Fahrgäste.

Das machen auch Michael Fleck und seine zwei Dutzend Helfer vom Deutschen Roten Kreuz in der Turnhalle der Pierer-Berufsschule in Altenburg. 96 Liegen haben die Kameraden vom Technischen Hilfswerk hier im Handumdrehen aufgebaut, als die Entscheidung zur Evakuierung fiel. Der Landkreis hat das Material in seinen Katastrophenschutz-Beständen. Ein sicherer und trockener Platz für alle Serbitzer, die nicht bei Freunden oder Bekannten unterkommen

Günter Neumann

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