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Ein Friedhof auf dem Prüfstand

Ein Friedhof auf dem Prüfstand

In Zeiten knapper Kassen zählt das Engagement vieler Ehrenamtlicher immer mehr und so rief der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates von Langenleuba-Niederhain, Thomas Naumann, am Sonnabend zu einem Arbeitseinsatz auf dem Friedhof auf.

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Janet Naumann zeigt den desolaten Zustand der Mauer, der zum größten Teil durch die Wurzeln der angrenzenden Bäume verursacht wird.

Quelle: Franziska Beer

Langenleuba-Niederhain. Dort, wo es sonst menschenleer ist, erlebte man an diesem Vormittag emsiges Treiben. Mit Harke, Rechen, Schubkarre und Laubbesen ausgerüstet, kamen circa 20 Freiwillige, um den Friedhof von Laub, Unkraut, Ästen und Geröll zu befreien. Bereits zweimal fand ein solcher Arbeitseinsatz statt.

 

Nachdem der Friedhof im Sommer negative Schlagzeilen machte, will Naumann zeigen, dass es doch viele Engagierte gibt, die den Missständen entgegenwirken möchten. Katrin Seifert, eine der Helferinnen, hält die geäußerte Kritik aber durchaus für berechtigt. "Sehen Sie sich doch nur einmal die Stufen an", empört sie sich. "Hier kann man kaum noch steigen und im Winter ist es besonders gefährlich." Auch die stille Wiese ist ihrer Meinung nach eine Zumutung. Eine notdürftig aus Koniferen hergerichtet Hecke grenzt den Teil ab, wo den Toten nicht durch einen Grabstein gedacht, sondern sie anonym bestattet werden. "So würde man nicht einmal einen Hund begraben", sagt sie traurig.

 

Ärgerlich äußert sie sich auch über die Gräber, die schon längst keine mehr sind. "Eigentlich müssten hier die Angehörigen angeschrieben werden, die für das Grab in der Pflicht sind." Thomas Naumann weiß um diese Problematik und versucht seit Jahren, die Nachkommen zu finden und sie auf ihre Pflicht in Form von schriftlichen Abmahnungen aufmerksam zu machen.

 

"Wir erleben gerade einen Wandel der Friedhofskultur. In den meisten Fällen ist es vergebens und es spricht die traurige Gewissheit, dass Beerdigung und Grabpflege den Hinterbliebenen keine Ehre und keine Selbstverständlichkeit mehr ist, sondern eher eine Belastung." Denn eigentlich soll doch der Friedhof ein Ort sein, wo Angehörige ihre Trauer ausleben können und einen Anlaufpunkt haben.

 

So sieht das auch eine andere betagte Dame, die gerade dabei ist, Laub zusammenzukehren und die Blumen auf der Grabstelle zu gießen. "Bereits meine Schwiegereltern, meine Mutter und mein Mann liegen hier begraben und ich möchte einfach, dass die letzte Ruhestätte meiner Familie ein besonderer Ort ist. Um aber einer angemessenen Pflege gerecht zu werden, müsste der ein Hektar große Friedhof verkleinert werden." Viele der Niederhainer würden ihre Verstorbenen auf dem Altenburger Friedhof beerdigen lassen, weiß Gemeindekirchenratsvorsitzender Naumann. Die Folge ist, dass immer mehr Fläche frei werde, viele Grabstellen nicht besetzt sind und dafür auch kein Geld in die Friedhofskasse wandert. Zudem sind die langen Ruhezeiten von 25 Jahren ein Problem, denn bei zwei Dritteln der Gräber fühlt sich bereits niemand mehr zuständig."

 

Sorge bereitet dem 51-Jährigen auch der Zustand der Mauer, der seit Jahren unverändert ist. "Hier werden dringend 60 000 Euro für die Sanierung benötigt. Geld, was die Kirchgemeinde nicht hat", beklagt er. "Die Wurzeln der angrenzenden Bäume zerstören das Mauerwerk und so fallen die Steine nach und nach heraus, was für Besucher und Spaziergänger sehr gefährlich ist." Vor dem Fällen der Bäume, insbesondere der Birken, die mitten im Gelände stehen, scheut sich Naumann aber. "Hier muss ich davon ausgehen, dass bei einer Fällung umliegende Grabsteine getroffen werden. Das können wir nicht riskieren."

 

Doch Stück für Stück versucht er, dem Friedhof ein neues und schöneres Gesicht zu geben. "Klar, das ist auch immer eine Frage des Geldes", gibt er zu. "Denn von dem, was wir einnehmen, müssen wir die Friedhofspflege, den Rasenschnitt oder eben das Fällen von Bäume bezahlen." Ungeachtet dessen soll noch in diesem Jahr ein neuer Weg vom unteren Teil des Friedhofs bis zum alten Brunnen angelegt werden.

Franziska Beer

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