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Altenburg Ein Gerichtssaal, ein Richter und doch keine Verhandlung – was war da los?
Region Altenburg Ein Gerichtssaal, ein Richter und doch keine Verhandlung – was war da los?
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07:32 29.03.2018
In einem Gerichtssaal, doch außer Dienst – der Präsident des Oberlandesgerichts Jena, Stefan Kaufmann, bei seinem Erich-Kästner-Abend in Altenburg. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Ich wage mal zu behaupten: Freiwillig und gern geht niemand ins Gericht. Und Eintritt dafür zu bezahlen, ist gleich gänzlich außer jeglicher Vorstellungskraft. Doch genau das haben Dutzende Skatstädter und Gäste dieser Tage getan. Denn am Altenburger Amtsgericht geschah gar Wunderliches: Es gab keine Verhandlung, sondern einen amüsanten literarischen Abend. Kein Straftäter, sondern Erich Kästner, der 1974 verstorbene, allseits bekannte Kinderbuch-Autor, stand im Mittelpunkt des Geschehens. Vor allem sein spannendes Leben, das heute nur noch wenige kennen.

Und noch weit verwunderlicher oder zumindest bemerkenswerter: Bestritten wurde dieser Abend von einem waschechten Juristen, der ansonsten in Gerichtssälen tatsächlich für Recht und Gesetz zuständig ist – vom Präsidenten des Oberlandesgerichts Jena, Stefan Kaufmann.

Und das hat einen gar ungewöhnlichen Grund. Im Jenaer Oberlandesgericht gibt es eine riesige historische Bibliothek mit über 30 000 Bänden – die Bibliothek des Freistaats Thüringen für Juristen quasi. Doch sie befindet sich in einem ziemlich maroden Zustand. Deshalb entschied Stefan Kaufmann schon kurz nach seiner Amtsübernahme 2006, etwas zur Rettung der Bücherei zu tun und gründete ein Jahr später einen Verein.

„Der zählte schon innerhalb kürzester Zeit 60 Mitglieder“, erinnert sich der promovierte Jurist. „Das hat mich einerseits sehr gefreut, zugleich war mir aber auch bewusst, dass dies nicht gerade ein besonders attraktiver Verein ist. Ich musste mir also etwas einfallen lassen.“ So besann er sich seiner Leidenschaft – Gedichte. Vor über zwei Jahrzehnten hatte der heute 64-Jährige sie für sich entdeckt und eins ums andere auswendig gelernt. Rund 160 beherrscht er derzeit, darunter 90 aus der Feder von Erich Kästner. Also lud er die Vereinsmitglieder zu einem vergnüglichen Kästner-Abend mit einem Vortrag zum Leben des Schriftstellers, untermalt mit den passenden Gedichten und einem Imbiss, ein.

Ein voller Erfolg, der sich schnell herumsprach. Alsbald erhielt Stefan Kaufmann eine Einladung seines Kollegen vom Oberlandesgericht Celle, dort einen ähnlichen Abend zu gestalten. „Ich habe gern zugesagt, aber unter der Prämisse, dass finanziell für unsere Jenaer Bibliothek etwas dabei herauskommt“, schmunzelt er. Auch dieser Abend wurde wieder ein voller Erfolg.

Kein Wunder, dass er nicht der letzte bleiben sollte. Denn dem rührigen Präsidenten fiel ein, dass man daraus doch eine „Geschäftsidee“ zum Erhalt der Bibliothek machen könnte. Es kamen mit der Zeit neue Themen für die Vorträge und Gedichte hinzu – und viele neue Orte.

Nun also auch Altenburg. Die Besucher haben den etwa zweistündigen Abend sichtlich genossen, was Stefan Kaufmann zur einer Zusage animierte: Er werde vor seiner Pensionierung im September dieses Jahres noch einmal zu einem literarischen Abend in die Skatstadt kommen. Fürs konkrete Thema hat er sich noch nicht entschieden.

Von Ellen Paul

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