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Ein Hauch von Hollywood in Lucka

„Soko Leipzig“-Dreh Ein Hauch von Hollywood in Lucka

Durch das kleine Lucka weht in diesen Tagen ein Hauch vom großen Hollywood, oder besser gesagt vom – nicht ganz so großen – Leipzig. Denn in der Stadt entsteht ein Teil eines 90-minütigen Specials der „Soko Leipzig“. Insgesamt drei Drehtage sind angesetzt, zwischen 30 und 40 Teammitglieder sind währenddessen vor und hinter der Kamera im Einsatz.

Starkes Duo: Melanie Marschke als Ina Zimmermann und Marco Girnth in seiner Rolle als Jan Maybach sind in Lucka dem Verbrechen auf der Spur.

Quelle: Mario Jahn

Lucka. Vor einem Modegeschäft haben zwei Polizeifahrzeuge geparkt. Eines davon zeigt ein Leipziger Kennzeichen, am Kotflügel des anderen prangt ein tschechisches Nummernschild. Daneben reckt sich ein Lichtmast in die Höhe, Pylonen sperren den Bereich ab. An einer Hauswand lehnt ein junger Mann im Overall, ein Funkgerät griffbereit in der Hand.

Und doch sind hier in Lucka keine wirklichen Kommissare im Einsatz, hinter den Schaufenstern liegt auch keine Leiche. Stattdessen rollen dort die Kameras, sprechen Schauspieler ihre Texte, herrscht emsige Betriebsamkeit. Der Grund: In der Altenburger Straße werden auf knapp hundert Metern Szenen für eine Episode der ZDF-Serie „Soko Leipzig“ gedreht.

„Hier entsteht ein Teil eines 90-minütigen Specials“, erklärt Silke Kabisch, Assistentin der Herstellungsleitung, beim Ortsbesuch. Das hat bei der seit mittlerweile 16 Jahren laufenden Krimiserie inzwischen gute Tradition, ein Mal pro Staffel flimmert eine solche Doppelfolge über den Bildschirm. Entsprechend aufwendig ist die Produktion. Insgesamt drei Drehtage sind angesetzt, zwischen 30 und 40 Teammitglieder sind währenddessen vor und hinter der Kamera im Einsatz, kümmern sich im Licht, Ton, Maske und Kamera. „Bis zu zehn Stunden am Tag wird gedreht“, berichtet Kabisch.

Warum aber hat es das Team für den Dreh ins beschauliche Städtchen im Norden des Kreises gezogen? „Im Laufe der Folge verschlägt es das Ermittlerteam diesmal nach Tschechien“, erläutert Silke Kabisch. Da jedoch für „Soko Leipzig“ häufig blockweise, also meistens gleich vier Folgen am Stück, gedreht wird, war eine Stippvisite an originalen Schauplätzen aus Zeitgründen schwierig zu bewerkstelligen, die lange Anfahrt hätte den eng getakteten Drehplan empfindlich gestört. Ein Ersatz musste her – und wurde in Lucka gefunden.

Folglich hat das Team die Sets in der Altenburger Straße standesgemäß hergerichtet. Im Schaufenster der Hausnummer 12 prangen tschechische Schriftzüge, auch die ehemalige Fleischerei gegenüber wurde entsprechend ausstaffiert. Eigens angefertigte Ortsschilder und sogar extra gestaltete Wahlplakate sorgen für das nötige Flair der Bilder.

Die Umgestaltung und der viele Trubel sorgen für Aufregung im Ort. „Als der Aufbau begonnen hat, standen im Rathaus die Telefone nicht mehr still“, berichtet Bürgermeisterin Kathrin Backmann-Eichhorn, die ebenfalls am Set vorbeischaut. Solch ein Besuch sei schon ein Ereignis, gerade für eine solche kleine Kommune, betont sie. Zwar seien vor Jahren schon einmal Filmszenen in der Stadt gedreht worden, „aber so groß wie jetzt war der Aufwand damals nicht.“ Klar, dass da der eine oder andere Bewohner mal einen genaueren Blick auf das Geschehen werfen möchte.

Das bestätigt auch Angela, die sich im Cateringwagen um die Verköstigung von Darstellern und Crew kümmert. „Hier herrscht schon großes Interesse, viele kommen mal auf ein Schwätzchen vorbei, fragen auch schon mal, ob sie auch etwas zu essen kaufen können“, schmunzelt sie. Das ist indes nicht möglich, aber auch so hat die sympathische Frau genug zu tun. Schließlich wollen über den Tag verteilt bis zu 120 große und kleine Mahlzeiten zubereitet werden, vom kleinen Snack bis zum vollwertigen Menü. „Das wird dann alles frisch hier im Wagen zubereitet“, betont sie, bevor sie für das nächste Crewmitglied eine Schnitte schmiert.

Gegessen wird auch wenige Schritte weiter im „Goldenen Stern“. Dort stehen nicht nur Sanitär- und Aufenthaltsräume für das Filmteam zur Verfügung. Auch die Komparsen warten hier auf ihren Einsatz vor der Kamera. „Wir sind quasi das Hintergrundfüllmaterial“, beschreibt Heidi Teske lachend ihre Rolle. Seit inzwischen acht Jahren ist die 74-Jährige „im Einsatz“, dieses Mal ist sie als Dorfbewohnerin zu sehen. Zwar bestünde der Job „zu etwa 80 Prozent aus Warten", berichtet ihr Kollege Egbert Wunderlich. Dennoch hat der 72-Jährige die freie Zeit genutzt, um sich ein wenig umzuschauen und ist von Lucka begeistert. „Ein sehr schönes, altes Städtchen, gerade der Stadtkern“, so sein Fazit. Wenn noch mehr getan werde, könnte die Stadt richtig aufblühen. Und dann womöglich auch wieder als Kulisse in Frage kommen.

Ein konkreter Ausstrahlungstermin für die Episode „Käfigmädchen" steht noch nicht fest. Ein erster Blick auf die Dreharbeiten lässt sich jedoch schon kommenden Montag bei „MDR um 4“ erhaschen. Dort gratulieren die Kollegen Andreas Schmidt-Schaller zur „Serien-Rente“ seiner Figur Hans-Joachim „Hajo“ Trautzschke.

Von Bastian Fischer

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