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Ein Haus feiert 120. Geburtstag

Ein Haus feiert 120. Geburtstag

Das Hauptgebäude des Landratsamts Altenburger Land in der Lindenaustraße 9 von Altenburg ist beileibe nicht nur Sitz der Behörde, sondern auch ein Hort künstlerischer Aktivitäten.

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Das Landratsamt in Altenburg.

Quelle: Mario Jahn

Neben Konzerten gehören im Lichthof in schöner Regelmäßigkeit Ausstellungen dazu. Nun ist erneut eine eröffnet worden, eine ganz besondere. Denn zum ersten Mal steht das Gebäude selbst im Mittelpunkt. Und das aus gutem Grund: Es feiert in diesem Jahr seinen 120. Geburtstag.

 

Nicht nur aus Sicht der Ausstellungsmacher ein berechtigter Anlass, an die überaus wechselvolle Geschichte des Hauses - eines der prächtigsten und historisch wertvollsten der Stadt Altenburg - zu erinnern. Das geschieht über historische Dokumente wie der Vita von Baudirektor Alfred Hermann Wanckel (1855-1925) oder Fotos aus der Bauzeit kurz vor der Jahrhundertwende ebenso wie über künstlerische Exponate.

 

Denn die Mitarbeiter der Behörde waren aufgerufen, sich zu beteiligen, so sie sich in ihrer Freizeit künstlerisch betätigen. Während dies nicht so recht zum Charakter der Ausstellung passen wollte, waren die Arbeiten des Studios Bildende Kunst des Lindenau-Museums sehr wohl dazu angetan, sich dem Thema auf ganz andere Weise zu nähern. Während sich die jugendlichen und erwachsenen Hobby-Künstler vor allem der außergewöhnlichen Architektur des Hauses widmeten, hatten die Teilnehmer des Kurses Malerei und Grafik unter Leitung von Tilman Kurth eine ganz besondere Idee: Sie porträtierten die aktuelle Hausherrin, Landrätin Michaele Sojka (Linke). Und die musste den sechs- bis zehnjährigen kleinen Künstlern an einem Vormittag Modell und damit still sitzen. "Was mir am Ende ungeheuer schwer gefallen ist", bekannte die Politikerin zur Ausstellungseröffnung freimütig. "Ob ich so etwas noch einmal machen würde, weiß ich nicht. Auf jeden Fall ziehe ich etwas anderes an", sagte Sojka lachend mit Blick auf die Porträtzeichnungen. Sieht doch die Streifenbluse auf fast allen Bildern ein bisschen wie Sträflingskleidung aus.

 

Ansonsten aber präsentierte sich die Landrätin in ihrer Eröffnungsrede sichtlich stolz auf jenes Gebäude, das ihr und 200 ihrer insgesamt 500 Mitarbeiter einen recht ungewöhnlichen Arbeitsplatz bietet. "Es soll ja das schönste Landratsamt Deutschlands sein." Zumindest habe das ihr Kollege Götz Ulrich, Landrat des Burgenlandkreises, mal vor großem Publikum versichert. Das schönste in Thüringen sei es allemal. Für Sojka durchaus ein - augenzwinkernd vorgetragener - Grund, bei einer Länderfusion von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Altenburg zur neuen Hauptstadt zu machen.

 

Als Herzogliches Ministerial- und Landschaftsgebäude wurde das Haus zwischen 1892 und 1895 von Alfred Wanckel überwiegend im Stil der italienischen Hochrenaissance erbaut. "In drei Jahren nur. Da schafft man heute nicht mal die Planung", staunte Sojka über die Kürze der Bauzeit. Später war das Gebäude unter verschiedenen Regimen stets Sitz der Kreisverwaltung, ob es nun Kreisamt, Rat des Kreises und Landratsamt geheißen wurde. Nur von 1945 bis 1950 übernahmen erst kurz der amerikanische Militärgouverneur und dann die Kommandantur der sowjetischen Militäradministration die Herrschaft.

 

Heute beeindrucken im Inneren des Hauses Lichthof, Landschaftssaal und Ratssaal Touristen wie einheimische Besucher immer wieder aufs Neue. Regelmäßig wird das Gebäude für festliche Veranstaltungen genutzt und ist oft auch eine begehrte Kulisse für Filmdreharbeiten wie zum Beispiel jüngst beim Fernsehfilm "Käthe Kruse".

 

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Behörde (dienstags 8 bis 12 und 13.30 bis 18 Uhr sowie donnerstags 8 bis 12 und 13.30 bis 16 Uhr) zu sehen. Unter Tel. 03447 586163 können Führungen durch das historische Gebäude inklusive Besichtigung der Säle vereinbart werden.

Ellen Paul

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