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Ein „Haydn-Spaß“ nicht nur für Kinder – die Konzertsaison im Rückblick

Altenburg-Geraer Theater Ein „Haydn-Spaß“ nicht nur für Kinder – die Konzertsaison im Rückblick

Sage und schreibe 106 Konzerte hat das Altenburg-Geraer Theater in der gerade zu Ende gegangen Spielzeit angeboten. Doch nicht alle konnten sich gleichermaßen über Publikumsinteresse freuen. Während die Sonderkonzerte regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, bleiben bei den klassischen Philharmonischen Konzerten zu viele Plätze leer.

Ein Garant für Qualität – Generalmusikdirektor Laurent Wagner und sein Orchester.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Das Theater geht meist zur gleichen Zeit in die Sommerpause wie die Schulen in die Sommerferien. Die Häuser sind dicht und ein arbeitsreiches Jahr wird bilanziert. Dort gibt es Zensuren und individuelle Beurteilungen, da ein Resümee über die Spielzeit, zu der immer auch Besucherzahlen gehören. Und die waren schon lange nicht mehr so gut ausgefallen wie im Jahr 2015: Am Altenburg-Geraer Theater wurden 140 000 Zuschauer gezählt. Das ist eine Auslastung von fast 77 Prozent (die OVZ berichtete).

Dazu beigetragen haben nicht nur Schauspiele, Opern, Operetten, Musicals und Puppentheaterstücke, sondern auch die Konzerte. Größere und kleinere – und die meisten davon erfreulich, und hin und wieder ausgezeichnet, manchmal sogar großartig.

Vieles für die jüngsten Hörer

Wer nochmals in dem umfangreichen Kompendium blättert, was sich Spielzeitheft nennt, wird im Abschnitt „Konzerte“ zum Zählen verleitet. Es waren sage und schreibe 106. Davon sind 38 vor Kindern und Jugendlichen gespielt worden. Es besticht die schon seit Jahren anhaltende Kontinuität in der musikalischen Betreuung der jüngsten Theaterbesucher, die Vielseitigkeit der Konzertthemen und das Eingehen auf die musikalischen Interessen der Kinder und Jugendlichen. Da wird in der Musikdramaturgie eine musikpädagogische Vorarbeit geleistet, die höchste Anerkennung verdient.

Diese gilt auch allen Musikerinnen und Musikern des Orchesters, die diese nicht immer leichte Arbeit nun schon seit Jahren leisten. Die klassischen Schülerkonzerte laufen in den Großen Häusern und nennen sich „Ein Haydn-Spaß“ oder „Hectors große Liebe“ (Hector Berlioz) und werden geleitet von Kapellmeister Thomas Wicklein und von Takahiro Nagasaki. Und dann gibt es noch die Reihe „Klingt gut“ mit unterschiedlicher klassischer Musik in unterschiedlichen Formen in den kleinen Spielstätten. Moderiert wurden alle diese Konzerte von der Musikdramaturgin Lorina Mattern, die nicht nur musikwissenschaftlich voll auf der Höhe ist, sondern auch pädagogisch, was dafür fast noch wichtiger ist.

Jedes Jahr gibt es zwei Familienkonzerte mit Mutti und Vati und mit Juri Tetzlaff vom Fernseh-Kinderkanal aus Erfurt. Für die kleinen Musikfreunde ist also auch gut gesorgt.

Für die Großen freilich ebenso. Kern der Orchestertätigkeit sind die neun Philharmonischen Konzerte mit einem hohen Anteil klassischer Sinfonik, so wie es Generalmusikdirektor Laurent Wagner bei seinem Amtsantritt versprochen hatte. Die Namen Haydn, Mozart, Schumann, Berlioz, Rachmaninow, Dvorak, Bruckner und Schostakowitsch stehen dafür. Ergänzt werden diese durch Namen wie Melchior Molter, Carl Goldmark, Alexander Skrjabin, Henri Dutilleux und Max Reger, die hochinteressante Werke zum Gesamtprogramm beisteuerten. Das alles ist Klassik kompakt in einer erfreulichen Dichte.

Ansturm auf die Sonderkonzerte

Ein wahrer Höhepunkt war das Konzert im Festsaal des Altenburger Schlosses anlässlich des 250. Todestages von Johann Melchior Molter mit Werken, die seit dessen Tod nicht mehr aufgeführt worden sind. Unter dem Dirigat des weltweit bekannten Spezialisten für diese Musik zwischen Barock und Klassik, Werner Ehrhardt, wurde dieses Konzert zu einem großen Musikereignis. Nicht weit weg davon war das Konzert mit Wagners Wesendonck-Liedern und der 9. Sinfonie von Anton Bruckner, der Auftritt der Saxofonistin Asya Fateyeva in einem weiteren Schlosskonzert. Nicht unerwähnt bleiben soll die Interpretation von Beethovens Tripelkonzert sowie Schostakowitschs Sinfonie Nr. 15 und natürlich das Abschlusskonzert mit der konzertanten Aufführung der Oper „Cavalleria rusticana“ Anfang Juli auf dem Altenburger Marktplatz.

Wagner bürgt für Qualität

Insgesamt gab es kein Konzert mit minderer Qualität. Dafür bürgte nicht zuletzt Chefdirigent Laurent Wagner, der die meisten Konzerte selbst leitete. Besonders gut besucht waren dabei erneut vor allem die Sonderkonzerte wie Marstallkonzert, Klassik bei Kerzenschein, Faschingskonzert, Weihnachtskonzert, Konzert zum Jahresausklang, Neujahrskonzert und Bauernhofkonzert. Nicht wenige davon waren restlos ausverkauft – und das nun schon von Spielzeit zu Spielzeit. Demgegenüber klagen die regulären Philharmonischen Konzerte noch immer über zu viele nicht besetzte Besucherplätze.

Zu all diesem kommen noch sechs Kammerkonzerte, die mit Hilfe des Altenburger Theatervereins aus dem kammermusikalisch unfreundlichen Heizhaus in musikalisch freundlichere Räumlichkeiten in Altenburg, Prößdorf, Schmölln, Meuselwitz und Treben umziehen konnten. Das ist ein weiterer Gewinn der letzten Spielzeit.

Von Manfred Hainich

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