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Ein Internetbeitrag führt einen Amerikaner ins Altenburger Land

Auf den Spuren von Thümmel Ein Internetbeitrag führt einen Amerikaner ins Altenburger Land

Die Biografie über den Freiherrn Hans Wilhelm von Thümmel war gerade erschienen, da erreichte das Museum Burg Posterstein eine E-Mail von einem Hans Thummel aus Amerika. Der Architekt aus Chicago hatte einen englischsprachigen Artikel über Thümmel entdeckt. Jetzt machte er sich im Altenburger Land auf die Suche nach seinen familiären Wurzeln.

Hans Thummel aus Chicago, ein Nachfahre des Freiherrn Hans Wilhelm von Thümmel, an der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz, wo sein Urahn begraben liegt.

Quelle: Marlene Hofmann

Altenburg/Posterstein. Die umfangreiche Biografie über den Freiherrn Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) war gerade erschienen und die Postersteiner Ausstellung lief noch, da erreichte das Museum über den Nöbdenitzer Bürgermeister eine E-Mail von einem Hans Thummel aus Amerika. Der Architekt aus Chicago hatte auf dem Blog des Museums einen englischsprachigen Artikel über Thümmel entdeckt. In seiner Familie, die um 1840 nach Amerika ausgewandert sei, existiere auch die Kopie der Ansicht des Thümmelschen Palais und er wolle sich auf die Suche nach seinen familiären Wurzeln auf eine Reise nach Deutschland machen.

In dieser Woche war es soweit. Der Architekt weilte zu zwei Tagungen in Freiburg und Berlin und reiste am Montag schließlich von Leipzig nach Altenburg. Da er inzwischen erfahren hatte, dass das Palais seines Urahnen nicht das Herrenhaus in Nöbdenitz ist, sondern in Altenburg steht, machte er sich auf den Weg in die Thümmelstraße 3. „Es klingelte an meiner Tür, ein Mann stellte sich mir als Hans Thummel vor und fragte, ob sich ein wenig englisch spreche“ erzählt der neue Eigentümer. Da Wolfgang Herget die Frage bejahen konnte, entspann sich ein fast zweistündiges Gespräch. „Natürlich habe ich ihm das Haus gezeigt, und er war sehr angetan über die Art und Weise, wie ich es renoviere“, so Herget.

Die Thümmelstraße 1, 3 und 5 – das einstige Stadtpalais von Hans Wilhelm von Thümmel, erbaut 1789

Die Thümmelstraße 1, 3 und 5 – das einstige Stadtpalais von Hans Wilhelm von Thümmel, erbaut 1789.

Quelle: Ellen Paul

Der Unternehmer hatte das Haus 2010 ohne konkretes Wissen über dessen Historie von einem Privatmann gekauft. Inzwischen kennt er die Geschichte natürlich, die Nachbarn haben ihn darauf aufmerksam gemacht. Denn das einstige Stadtpalais, das sehr an italienische Architektur erinnert, ist nicht nur die Thümmelstraße 3, sondern auch 1 und 5, die aber schon lange getrennte Immobilien sind und separate Eigentümer haben. Herget hat seinen Nachbarn natürlich von dem so unerwarteten wie ungewöhnlichen Besuch erzählt und will die Verbindung zu Hans Thummel auf jeden Fall aufrecht erhalten. Die Visitenkarten sind ausgetauscht.

Der 55-jährige Amerikaner fuhr danach weiter nach Nöbdenitz, wo er sich an Hans Wilhelm von Thümmels außergewöhnlicher Grabstätte, der 1000-jährigen Eiche, mit den Mitarbeitern des Museums Burg Posterstein traf. Man besichtigte das Herrenhaus, den Teich und die Überreste des Mausoleums, das in den 1960er-Jahren abgerissen wurde. Die Kirchgemeinde Nöbdenitz öffnete die Kirche für eine kurze Besichtigung. Eine Führung durch Burgkirche und das Museum Burg Posterstein rundete das Ausflugsprogramm ab.

In den Vereinigten Staaten beschäftigt sich der Architekt unter anderem mit der Renovierung historischer Gebäude, die in den USA allerdings oft nur etwa hundert Jahre alt sind. Umso mehr beeindrucken ihn die 800 Jahre alte Burg, die Sanierung des Postersteiner Herrenhauses, die historischen Kirchen und der 1000-jährige Baum. „Ich bin der einzige aus meiner Familie, der es je bis hierher geschafft hat“, sagte Thummel ergriffen. „Ich mache so viele Fotos, um sie zu Hause zeigen zu können.“ Die Reise sei für ihn Anlass, sich näher mit seiner Familiengeschichte zu befassen. „Bewaffnet“ mit der Thümmel-Biografie des Museums will er sich mit weiteren offenen Fragen beschäftigen: Von welcher Thümmel-Linie stammt er ab, warum wanderte seine Familie aus?

Wer übrigens das Buch zur Ausstellung noch vor Weihnachten erwerben möchte, sollte sich beeilen, denn der Verkauf läuft ausgesprochen gut, freut sich das Museum.

Von Ellen Paul und Marlene Hofmann

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