Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Ein Jahr Umleitung für Hunderte Ziegelheimer
Region Altenburg Ein Jahr Umleitung für Hunderte Ziegelheimer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:45 14.03.2018
Eine der vier Ziegelheimer Brücken, die jetzt erneuert werden. Quelle: Mario Jahn
Ziegelheim

Vielen Worten sollen nun Taten folgen. Ab voraussichtlich Ende Juli werden in Ziegelheim vier Brücken über das Dorfbächlein saniert beziehungsweise gleich komplett neu gebaut. Ist der winzige Wasserlauf normalerweise kaum mehr als ein Rinnsal, schwoll der Ziegelheimer Bach im Juni 2013 kräftig an, überschwemmte den halben Ort und bewies an den Brücken, welche Kraft im Wasser steckt. Seitdem steht deren Reparatur mit ganz oben auf der Vorhabenliste der Gemeinde Ziegelheim (die OVZ berichtete).

Mit einer Bauzeit von mindestens elf Monaten und erheblichen Verkehrsbehinderungen ist zu rechnen. Denn die drei Brücken sind für ein ganzes Viertel in Ziegelheim die einzige Zufahrt. Bürgermeister Mario Rohr (CDU) schätzt, dass etwa ein Drittel der Ziegelheimer direkt betroffen sein werden. Wer am Kirchberg, in der Post- oder Schulgasse sein Haus oder Geschäft hat, muss rund ein Jahr mit Umwegen rechnen. „Um das zu koordinieren, denn eine Brücke muss immer offen sein, wollen wird den Auftrag auch möglichst an nur eine Firma vergeben“, so Rohr.

Die Ausschreibung dafür startet am 28. April, die Submission wird dann Ende Mai sein, nennt Rohr (CDU) die ersten feststehenden Termine und fügt ein erleichtertes „Gott sei dank geht es endlich los“ an. Es habe schließlich lange genug gedauert und die Leute im Ort würde auch immer ungeduldiger werden. Zum einen, weil der bauliche Zustand der Brücken inzwischen an der Grenze des Verträglichen angelangt sei. Zum anderen aber auch, weil die leeren Ziegelheimer Kassen diesmal nicht von Bedeutung sind und kein eigenes Geld benötigt wird. Schließlich handele es sich um Wiederaufbauarbeiten, deren Kosten zu 100 Prozent vom Bund übernommen werden, so der Bürgermeister.

Mit rund 800 000 Euro Gesamtkosten für drei die Ersatzneubauten und eine Komplett-Reparatur wird derzeit kalkuliert, jedoch stünden auf dem bereits erteilten Zuwendungsbescheid erst einmal „nur“ 725 000 Euro, heißt es aus dem Bauamt. Fördermittel für inzwischen gestiegene Kosten seien aber beantragt. Überhaupt hatte Ziegelheim anfangs mehr auf der Reparaturliste stehen und weit über eine Million Euro beantragt. Doch ein Teil des Geldes wurde kurz nach der Flut bereits bei Sofortmaßnahmen ausgegeben, anderes erkannte der Fördermittelgeber nicht als 100-prozentigen Hochwasserschaden an. Und Vorhaben, die auch nur mit einem kleinen Eigenanteil verbunden sind, kann Ziegelheim nicht bezahlen.

Überhaupt ist es in der Gemeinde etwa zehn Jahre her, dass ein größeres Bauprojekt – zuletzt wurden Feuerwehr und Bauhof gemacht – umgesetzt wird. Hoffnung auf Straßenbau im Zug der Arbeiten erteilt Bürgermeister Rohr eine Absage. Zwar weiß auch er, dass der Asphalt gerade in dem Teil des Dorfes teilweise ziemlich ramponiert ist, doch dafür ist einfach kein Geld da. „Bedarf gibt es an vielen Stellen im gesamten Gemeindegebiet, aber es ist illusorisch, dass zu bezahlen“, meint Rohr. Hoffnung auf Besserung verbindet er nur mit der Fusion mit Nobitz. Dann, hofft er, ergeben sich in Zukunft Möglichkeiten, die Straßen wenigsten zu reparieren. „Aber eins ist auch klar: Kaputte Straßen so wie bei uns sind auch nichts anderes als Staatsschulden“, meint er in Richtung Thüringer Finanzministerium, das strikt an der schwarzen Null des Landesetats festhält.

Von Jörg Reuter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Altenburg rückt den Schlaglöchern zu Leibe. Wie Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) auf OVZ-Nachfrage sagte, beginnen am Donnerstag die Reparaturen auf den Straßen der Skatstadt. Für die Beseitigung von Winterschäden nimmt die Kommune mit fast 200 000 knapp 130 000 Euro mehr in die Hand als geplant. Dafür fallen andere Dinge weg.

28.03.2017

Wer, bitte schön, ist Anita Berber? Selbst eingefleischte Theatergänger haben Schwierigkeiten mit einer Antwort auf diese Frage. Der wenig bekannten Biografie und einer schwer verdaulichen Musik wegen ist der Zugang zur neuesten Ballett-Inszenierung des Altenburg-Geraer Theaters nicht leicht. Das Premieren-Publikum am Sonntag feierte sie dennoch.

28.03.2017

Drogenabhängigkeit und die damit zusammenhängenden Herausforderungen sind kein Phänomen der Großstädte. Auch im Altenburger Land leben Betroffene. Anett Bernhard von der Drogenkontaktstelle „Accept“, angesiedelt beim Evangelisch-Lutherischen Magdalenenstift Altenburg, kümmert sich in der aufsuchenden Sozialarbeit als Streetworkerin speziell um jugendliche Konsumenten. Im OVZ-Interview berichtet sie aus ihrem Arbeitsalltag.

28.03.2017