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Ein Kasperletheater

Ein Kasperletheater

Es war am 12. August, als Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) erklärte, dass die Vorwürfe in der NSA-Ausspähaffäre "vom Tisch" sind.

Altenburg.

Denkste! Der Fall spitzt sich zu und es besteht riesiger Aufklärungsbedarf. Nun wurde sogar das Mobiltelefon von Angela Merkel (CDU) angezapft. Die OVZ hat sich in Altenburg umgehört. Was sagt man dazu, wenn nun sogar die Kanzlerin abgehört wird, aber erst reagiert, wenn sie selbst betroffen ist?

 

Die Mehrheit der befragten Altenburger sind einer Meinung mit der Bundeskanzlerin: "Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht." Während die einen die Praxis der US-Geheimdienste resigniert hinnehmen, haben andere auch ein wenig Spott und Häme für die Bundeskanzlerin übrig, denn nun hat die NSA-Affäre auch Angela Merkel persönlich erreicht.

 

Denny Mahn (29) sieht der aktuellen "Handy-Gate-Affäre" allerdings gelassen entgegen. "Die Bundeskanzlerin ist auch nur ein Normalbürger wie jeder andere auch", sagt er. "Die Vereinigten Staaten haben einfach zu viel Macht, nicht nur hier in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern."

 

"Das ist ein großer Vertrauensmissbrauch", findet hingegen Thomas Michall (24), "es ist erschreckend, auf wie viele Daten die Geheimdienste zugreifen können." Der große Aufschrei, dass in der Bundesrepublik wahrscheinlich millionenfach die persönliche Privatsphäre und Grundrechte von Bürgern verletzt wurden, blieb bislang aus.

 

Andreas Gutsche (26) findet es nicht in Ordnung, dass Bündnispartner sich gegenseitig ausspionieren. "Das Verhalten ist kindisch. Die werden die sich schon wieder vertragen", meint er. Allerdings könne er es auch schon ein bisschen verstehen, dass der NSA-Nachrichtendienst Daten zur Terrorabwehr sammelt. "Sie sind eben sehr ängstlich", sagt er.

 

Für Jana Heubach (36) ist das Vorgehen der US-Amerikaner im aktuellen Fall "schon sehr dreist." Die Abhör-Aktion sei ein Vertrauensbruch zwischen den beiden Staaten, welcher das Verhältnis nachhaltig stören wird. "Die Bundesregierung muss jetzt endlich mal hart durchgreifen, nachdem sie sich immer zurückgehalten hat", sagt sie. Eine richtige Lösung für das Problem hat sie nicht parat. "Die Verbindungen zwischen den Staaten sind zu stark miteinander verflochten. Europa muss da geschlossen auftreten. Allerdings glaubt sie nicht, dass alle Länder mitziehen werden. Auch wenn Deutschland und Frankreich bereits die Initiative ergriffen hätten, Großbritannien spiele da nicht mit. "Jeder wird nur kurz kuschen und dann wird alles wieder im Sande verlaufen", sagt Jana Heubach.

 

Auch Sabine Böhme (59) ist es nicht mehr geheuer, dass die Geheimdienste mittlerweile über alles im Bilde sind. Dass sich an der Situation etwas ändern wird, daran glaubt sie nicht. "Das Ganze ist ein Kasperletheater", sagt sie, "langsam weiß man nicht mehr, was man noch glauben soll."

 

Energische Aufklärung und Handeln sind gefragt. Anke Purschian (44) bringt es schließlich auf den Punkt: "Angela Merkel sollte jetzt endlich mal Klartext reden!"

 

Umfrage: Benjamin Winkler/ Frank Schmidt

Benjamin Winkler

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