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"Ein Tropfen auf den heißen Stein"

"Ein Tropfen auf den heißen Stein"

Im Altenburger Land ist gestern mit der Auszahlung der Hilfsgelder für die Flutopfer begonnen worden. Mitunter bildeten sich Warteschlangen, ansonsten bewältigten die Rathäuser und Verwaltungen die Antragsflut jedoch problemlos.

Erste Kritik gab es an den von der Landesregierung festgelegten Einkommensgrenzen.

 

Bereits um 7 Uhr standen gestern die ersten Bürger an der Rathaus-Tür in Gößnitz. Doch die Hilfsgelder wurden in der Pleißestadt, die extrem unter der Flut gelitten hatte, erst ab 9 Uhr ausgezahlt. Obwohl sich darum drei Mitarbeiter kümmerten, bildeten sich stellenweise Schlangen. Es gab aber deswegen kaum Ärger, schätzte Hauptamtsleiterin Dorothee Philipp ein. Bis zum frühen Nachmittag zahlte das Rathaus etwa 300 000 Euro an seine vom Hochwasser betroffenen Bürger aus, von denen bis dahin rund 500 Familien einen Antrag gestellt hatten. Teilweise erhielten die Leute Bargeld, da die Auszahlung in der örtlichen Sparkasse noch nicht möglich ist, da auch dieses Gebäude von der Flut überschwemmt wurde.

 

Betroffene Privathaushalte erhalten je Erwachsenen 400 Euro und für jedes Kind 250 Euro. Die Zahlung wird pro Haushalt auf 2000 Euro begrenzt. Jedes betroffene Kleinunternehmen kann ebenfalls mit 2000 Euro rechnen. "Für diejenigen, die alles verloren haben, ist das ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein", weiß Dorothee Philipp.

 

Etwa 50 Antragsteller wurden bis gestern Mittag in der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Pleißenaue gezählt. VG-Chef Uwe Melzer (CDU) rechnet mit insgesamt 100 000 Euro Hilfsgeldern, die in seiner VG ausgereicht werden. Gemeinsam mit den Bürgermeistern der Gemeinschaft hatte sich Melzer in vielen Ortsteilen die Schäden zuvor bereits angesehen, zuletzt am Freitag. Kritik übt der CDU-Kreisvorsitzende an den festgelegten Einkommensgrenzen. Die Grenze für einen Ein-Personen-Haushalt liegt bei 24 000 Euro, für einen Zwei-Personen-Haushalt bei 36 000 Euro, zuzüglich 6000 Euro für jede weitere im Haushalt lebende Person. "Das hätte man sich sparen und wirklich jedem Opfer helfen können", sagt Uwe Melzer.

 

In der Gemeindeverwaltung Nobitz werden die ersten Gelder erst heute auf die Konten der Betroffenen überwiesen. Barauszahlungen gibt es in der Anlaufstelle, die im ehemaligen Saaraer Gemeindeamt untergebracht ist, so gut wie keine. Gestern wurden 50 000 Euro im Landratsamt beantragt und bereits 37 Anträge bearbeitet. "Insgesamt rechnen wir mit 55 bis 60 Haushalten und etwa 15 Kleinunternehmen", erklärt Kämmerin Marion Harth. Die Fälle konzentrieren sich auf die Ortsteile Saara, Lehndorf, Gardschütz, Wilchwitz, Kotteritz und Münsa. Dass die jeweiligen Einkommensgrenzen nicht überschritten werden, müssen die Antragsteller auf dem jeweiligen Formular versichern. "Das reicht uns", sagt die Kämmerin. Wer in der Gemeinde tatsächlich Schäden erlitten hat, ist der Verwaltung ohnehin bekannt. Deswegen rechnet Marion Harth nicht mit solchen Betrugsfällen, denen zum Beispiel die Stadt Gera jetzt nachgeht.

 

Vergleichsweise klein ist der Andrang derzeit in der Anlaufstelle des Altenburger Rathauses. Zwölf Antragsteller, darunter ein Kleinunternehmen, gaben bis gestern 17.30 Uhr ihre Formulare ab und können und den nächsten Tagen mit dem Geld rechnen, sagte Pressesprecher Christian Bettels. Er rechnet damit, dass sich in den nächsten Tagen noch weitere Flutopfer melden werden.

Jens Rosenkranz

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