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Ein Ungeliebter feiert 20. Geburtstag

Ein Ungeliebter feiert 20. Geburtstag

Das offizielle Gründungsdatum des Zweckverbandes Wasserver- und Abwasserentsorgung Altenburger Land ist der 16. Dezember 1993. Doch schon heute feiert der ZAL auf einer Festsitzung in der Mälzerei in Treben sein 20-jähriges Bestehen.

Wilchwitz.

In dieser Zeit investierte der Verband über 82 Millionen Euro, um die Versorgung seiner Kunden mit Trinkwasser und die Reinigung der Abwässer zu verbessern. Zur Geschichte gehören aber auch Krisenzeiten, unzufriedene Bürger und Mitgliedsgemeinden, die austreten wollten.

 

Eigentlich hätte es den ZAL niemals geben dürfen. Er ist das Ergebnis einer gescheiterten Solidargemeinschaft, in der drei Städte die Dörfer ihrer Region im Stich ließen. Bis Anfang der 90er-Jahre kümmerte sich die Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Leipzig (WAB) um das Trinkwasser. Als dieses Riesengebilde zerschlagen wurde, musste die Versorgung neu organisiert werden. Altenburg ging mit der Gründung der Energie und Wasserversorgung (Ewa) eigene Wege. Die anderen Städte und fast alle Gemeinden machten sich an die Gründung des ZAL. Doch Schmölln verlor nach einigen Verhandlungen bald die Lust auf dieses Bündnis, in dem man sich mit vielen kleinen Partnern hätte herumärgern und einen gigantischen Investitionsstau schultern müssen. In einer dramatischen Sitzung am 18. November 1993 beschworen kleine Gemeinden die Vertreter der Sprottestadt, doch noch einzusteigen. Vergeblich.

 

In der Folge stieg auch Meuselwitz aus. Beide Städte gründeten zunächst eigene Zweckverbände und später Stadtwerke. Übrig blieben mit Gößnitz und Lucka, das nur widerwillig einstieg, zwei kleine Städte, über 26 Gemeinden und ein großes, vor allem ländlich strukturiertes Gebilde, in dem es nicht ein einziges modernes Klärwerk, dafür aber unzählige Brunnendörfer gab.

 

Diesen Rückstand ohne die Hilfe der Städte aufzuholen, daran wäre der Verband beinahe zerbrochen. Dafür sorgten auch die ungeduldigen Mitglieder, die eifersüchtig darüber wachten, ob die Nachbargemeinde eher eine Wasserleitung erhielt als man selbst. Zu viel zu hoch gesteckten Zielen, staatlichen Auflagen und zu geringen Gebühren kamen eine schlechte Zahlungsmoral der Kunden, ein mitunter unglücklich agierendes und unerfahrenes Management und ein riesiger Schuldenberg. Es drohte die Zwangsverwaltung.

 

Der Ausweg über einen drastischen Gebührenanstieg und das nochmalige Abkassieren der Bürger über Beiträge führte zu einer Krise. Daran konnte auch die Entlassung der Geschäftsführerin im April 2000 nichts ändern, die als Bauernopfer dienen sollte.

 

Vor allem Gößnitzer Stadträte trieben nun vehement Pläne voran, den Verband zu verlassen, wie kurze Zeit später auch Lumpzig, Naundorf, Frohnsdorf, Langenleuba-Niederhain und Göhren. Allein, die anderen ließen sie nicht gehen. Der Streit kulminierte auf einer Verbandsversammlung im August 2000 in Göhren, in der hochgradig verärgerte Bürger ihrem Unmut Luft machten und vergeblich versuchten, eine geplante Gebührenerhöhung noch zu verhindern. Um Tumulte zu verhindern, drohte der seit einem Jahr neu amtierende ZAL-Chef Stephan Etzold (CDU) sogar mit der Polizei, die in der Tat in jenen Minuten vor dem Gebäude vorfuhr.

 

Etzold selbst sprach in der Folge von einem unglückseligen Verband, bekam ihn danach jedoch in den Griff. Es dauerte aber Monate, ehe sich die Wogen einigermaßen glätteten. Mit Finanzhilfen des Landes und überdurchschnittlich hohen Gebühren, vor allem beim Wasser, stabilisierte sich der ZAL finanziell. Auch dadurch konnte in den folgenden Jahren ein beeindruckendes Investitionsprogramm umgesetzt werden.

 

Angesichts der schwierigen Ausgangsposition und der Krisenjahre um die Jahrtausendwende grenzen die Leistungen des Verbandes seit seiner Gründung beinahe an ein Wunder. Heute sind die Gebiete der VG Wieratal, Pleißenaue und Rositz sowie die Städte Gößnitz und Lucka im Bereich Trinkwasser mit ihren Ortsnetzen und Versorgungsleitungen fertiggestellt. Hinzu kommen vier Tiefbrunnen und fünf Druckerhöhungsstationen sowie Hochbehälter. Nur 866 von rund 34 000 Bürgern werden noch über Hausbrunnen versorgt.

 

Neben Klärwerken in Lucka und Gößnitz entstanden zwölf kleinere Kläranlagen, 25 Abwasserpumpstationen und zwölf Regenrückhaltebecken.

Jens Rosenkranz

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