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Ein Wolf trifft sein Schaf fürs Leben

Puppentheater-Spaß für die ganze Familie Ein Wolf trifft sein Schaf fürs Leben

Das ist die hohe Schule des Puppenspiels. „Ein Schaf fürs Leben“ hatte am Mittwoch im Landestheater vor Kindern im Alter von fünf bis neun Jahre seine Altenburger Premiere. Die kleinen Altenburger Zuschauer hatten furchtbar viel Spaß. Spaß, ohne sich wirklich fürchten zu müssen. Am Sonnabend gibt es eine Familienvorstellung.

Schaf und Wolf in trauter Zweisamkeit – geht so etwas denn?

Quelle: Sabina Sabovic

Altenburg. Das ist die hohe Schule des Puppenspiels. „Ein Schaf fürs Leben“ hatte am Mittwoch im Landestheater vor Kindern im Alter von fünf bis neun Jahre seine Altenburger Premiere. Dem Publikum der nächsten Vorstellungen vorweg ausführlich die Handlung zu erzählen, schmälert den Spaß am Beinahe-Krimi. Aber so viel sei verraten: Mordshungriger Wolf entführt Schaf, verfällt dem naiven Charme des Lämmchens, reißt es nicht gleich bei der nächsten Gelegenheit und, dummer Zufall, er verdankt ihm schließlich sein Leben. Und, glücklicher Zufall, Schaf rettet sich unbewusst selbst, denn aus einem Schüttelfrostfiebertraum aufgeschreckt, erfleht der beinahe ertrunkene und erfrorene Wolf, vor ihm auf ewig zu fliehen.

Regie führte Stefan Wey, der am Puppentheater schon erfolgreich „Die Kuh Rosmarie“ und die Romanadaption „Die große Reise“ inszenierte. Er zog alle Register: Elegant wechselnde Bühnenbilder und ausdruckstarke Spielfiguren von Christian Werdin, feinfühliges und intensives Spiel von Marcella von Jan und Lys Schubert und eine akzentuierende Musik von Günter Schimm. Damit gelang dem Regisseur etwas Besonderes: Seine poetische und heitere Inszenierung der Spielfassung von Manuel Kressin nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Maritgen Matter ist in ihrer Vieldeutigkeit ein Vergnügen für alle Generationen, empfiehlt sich für ABC-Schützen, Teens, Erwachsene – ja, für die ganze Familie. Bravo!

Für das Abenteuer des ungleichen Paares in frostiger Winternacht bei Sternengeflimmer, Mondschein, rasanter Schlittenfahrt und Traumdelirium im Krankenbett hat Christian Werdin mit Fantasie die vielen Schauplätze und die beiden Spielfiguren gestaltet. Diese sind zwei Gliederpuppen, wahrlich kunstvolle Geschöpfe. Ein Mechanismus ermöglicht ihnen, mit den Augen zu rollen, Wolf – Schaf und Wolf sind zugleich die Vornamen – kann natürlich seine Kinnlade, gespickt mit reißenden Zähnen, klappen. Die sonst eigentlich starren Köpfe gewinnen im Spiel Faszination, man glaubt, ihre Physiognomien haben eine eigene Mimik. Fabelhaft!

Marita Bachmeier kleidete die beiden, den Strolch und das Naivchen von nebenan, mit allem, was sie charakterisiert: nietenbesetzte Lederjacke, speckiger Filzhut, goldene Armbanduhr und Skistiefel für Wolf; Strickmütze, rosa Kleidchen, kuschelweicher Fellkragen und Gummistiefel für das begehrte Häppchen aus dem Stall. Marcella von Jan gibt Wolf und Lys Schubert Schaf Bewegung und Stimme, so gestenreich und sprachlich differenziert, dass die Puppen zu leben scheinen. Was sie ihre Figuren auch alles vollbringen lassen! Da wird der Rodelschlitten gesattelt zu fröhlicher Fahrt, da wird auf der gefrorenen Decke des Waldsees ein Eisangeln vorbereitet. In der Ferne zieht Wolf seine vermeintliche Beute unterm nächtlichen Sternenhimmel auf dem Schlitten, um zum einsam gelegenen See zu gelangen – ein Spiel mit zierlichen Flachfiguren. Eine geradezu gespenstische Maskerade ist das Traumerlebnis des fieberkranken Schwerenöters, dem auf silberner Platte ein Gourmetfraß, Lamm im Stück an Gummistiefeln, offeriert wird – aber vergeblich.

Die beiden Spielerinnen haben alle Hände voll zu tun. Ja, man glaubt oft, sie hätten mehr als jeweils zwei. Puppenspielervirtuosität vom feinsten. Die mit Beginn sofort entstandene Spannung der Handlung reißt nie ab, das Rendezvous von Wolf und Schaf bleibt immer poetisch heiter erzählt. Und eine Moral, wie bei Aesop, La Fontaine oder Krylow? Ja, aber ohne erhobenen Zeigefinger: Vorsicht Wolf! Und: Schaf bleibt Schaf – fürs Leben. Die kleinen Altenburger Zuschauer hatten furchtbar viel Spaß. Spaß, ohne sich wirklich fürchten zu müssen.

An diesem Sonnabend, dem 25. Februar, bietet das Theater um 16 Uhr eine Familienvorstellung (Karten unter Tel. 03447 585177).

Von Helmut Pock

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