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Ein bewegendes Stück Musiktheater

Ein bewegendes Stück Musiktheater

Das Theater geht den Weg der Heldin in seinem Antike-Projekt musikalisch weiter mit Christoph Willibald Glucks Oper "Iphigenie auf Tauris". Diese hatte am vergangenen Sonntagabend im Großen Haus Premiere und wurde vom Regisseur und Bühnenbildner Elmar Gehlen, den meisten wohl eher aus der ZDF-Vorabendserie "Küstenwache" bekannt, auf die Bühne des Landestheaters gebracht.

Altenburg.

 

 

 

Und das in einer Form, die in jeder Hinsicht der klassizistischen Ästhetik gerecht wird.

 

Eine große, die ganze Bühnenbreite einnehmende Treppe gibt die Möglichkeit, die handelnden Personen zu arrangieren und den Chor stets übersichtlich zu postieren. Der Zuschauer gewinnt den Eindruck eines altgriechischen Amphitheaters. Eine Besonderheit von außergewöhnlicher Wirkung ist eine große Spiegelwand über den ganzen Bühnenhintergrund, die sowohl Geschehnisse aus der Vergangenheit wie aktuelle Hintergründe reflektiert und der eher statischen Oper mehr Geschehen und Bewegung gibt. Die wohl zeitlos gedachten, aber doch klassizistisch wirkenden Kostüme (Martina Feldmann) bilden mit dem Bühnenbild ein einheitliches Ganzes.

 

Alles beginnt mit einem gewaltigen Sturm, der genau nach 28 Takten Musik einsetzt und Iphigenie sowie die anderen Priesterinnen, aber auch den Tyrannen Thoas die Götter um Verschonung bitten lassen. Da kracht ein gewaltiges musikalisches Unwetter in der Oper los. Das ist der furiose Auftakt, vom Orchester auch als solcher gespielt. Dem Geschehen im Spiegel freilich fehlt der große Atem eines Sturms. Glucks Werk ist in der Regiekonzeption Elmar Gehlens weder ein klassizistisches Deklamationstheater noch ein hingeworfener Sturm-und-und-Drang-Geniestreich, sondern ein bestürzendes, bewegendes und ergreifendes Stück Musiktheater, das die ganze Bandbreite menschlicher Empfindungen wiedergibt.

 

Das alles ist nicht nur sehenswert, sondern auch beglückend hörbar. Es wird musikalisch und gesanglich in einer Qualität geboten, die höchsten Ansprüchen genügt. Generalmusikdirektor Laurent Wagner ist wahrlich ein Meister im genauen und differenzierten Ausloten einer Partitur, zumal einer nicht so gängigen wie der einer Gluck-Oper. Da werden die Gewissensqualen der Iphigenie in leidenschaftlichen Ausbrüchen dargestellt, dann wechselt die Musik zu berückender Zartheit in den Szenen zwischen den beiden Freunden. Das alles wird vom Dirigenten und vom Orchester dargestellt, als spiele man ansonsten weiter nichts als Gluck.

 

Wenn man über den Chor spricht (Einstudierung Holger Krause), muss man sich ein ums andere Mal wiederholen: Der Wohlklang tut gut, zumal bei den eher choralartigen getragenen Gesängen dieser Oper.

 

Die Solisten zeigen ein erfreulich hohes Niveau. Anne Preuß stattet bei fast dauernder Präsenz auf der Bühne ihre Iphigenie mit Würde aus, findet dabei einen reichen Ausdruck an sowohl zarten Tönen wie an furienhaft dramatischen Ausbrüchen. Eine gesanglich meisterliche Leistung, die leider durch starke Textunverständlichkeit etwas eingeschränkt wird.

 

Max An und Erik Slik verbreiten als Orest, Iphigenies Bruder, und als Pylades, dessen Freund, zwei Stunden lang tenoralen Glanz. Ganz erfreulich fällt das Debüt für Max An aus. Wer für seinen Antritt gleich solch eine dankbare Rolle erhält und sie mit solch einer vollen, klaren Stimme ausfüllen kann, weckt große Erwartungen beim Publikum. Auch Eric Sliks weicher Tenor passt ausgezeichnet zu seiner Rolle. Kai Wefer ist der Schurke Thoas. Er gibt seinem König im Spiel wie im Gesang das Profil eines unmenschlichen Tyrannen. Die beiden Mitglieder des Thüringer Opernstudios, Caterina Maier als Göttin Diana und Akiho Tsujii als ständig präsente Priesterin, fügen sich mit guten Stimmen erfolgreich in die bemerkenswerte Aufführung ein.

Manfred Hainich

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