Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Ein einzigartiges Ensemble entsteht
Region Altenburg Ein einzigartiges Ensemble entsteht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:47 01.11.2014
Eine Plane verdeckt die größten Schäden an der Wand des alten Stalls des Mühlenhofs. Quelle: Mario Jahn
Lumpzig

Kurz, der Mühlenhof in Lumpzig, der zur daneben stehenden Bockwindmühle gehört, ist mehr als sanierungsbedürftig. "Und jetzt geht es damit los", sagt Martin Burkhardt, Vorsitzender des Vereins Altenburger Bauernhöfe. Dabei ist ihm die Freude durchaus anzusehen. Vor allem weil der unschöne Anblick bald verschwindet, den all jene als erstes sehen, die die Bockwindmühle besuchen.

Noch in diesem Jahr sollen die kaputte Außenwand und ein Giebel im Rohbau fertig werden. "Damit ist das Haus wieder stabil und nicht mehr einsturzgefährdet", meint Ulrich Müller, Mitglied im Verein und Eigentümer. In Form eines Erbpachtvertrages hat er das Anwesen mit Mühle und Gehöft dem Verein vermacht. Dieser hat die Erbpacht aber inzwischen an die Gemeinde abgetreten. "Weil seit einigen Jahren Vereine keine Fördermittel mehr bekommen, sondern nur noch Kommunen", erklärt Burkhardt.

Die gerade laufenden Sanierungsarbeiten am ehemaligen Stallgebäude des Mühlenhofs werden aber mit Geldern aus dem Regionalbudget des Landeskreises finanziert. 35 000 Euro hat der Bauernhöfe-Verein bekommen, damit können die Wände wieder hergestellt werden. Eine Firma aus Altenburg ist damit beauftragt.

Im Obergeschoss des alten Stalls klafft ein Loch zwischen Wand und Fußboden. Ganz vorsichtig geht Burkhardt bis an den Rand. "Die Balken sind bestimmt mal abgesägt worden", denkt er halblaut beim Blick nach unten. In den Raum gewandt erklärt er, was sich der Verein vorgestellt hat: "Hier im Obergeschoss, wo nach dem Krieg Vertriebene untergebracht waren, sollen einmal zwei Gästezimmer entstehen. Im Erdgeschoss wird eine Art Museumswerkstatt eingebaut, in der wir unter anderem zeigen wollen, wie der Altenburger Ziegen- und Milbenkäse traditionell hergestellt wurde."

Die Museumswerkstatt gehört zu dem Gesamtkonzept, das im Mühlenhof verwirklicht werden soll. Verein und Gemeinde stellen sich eine Lehrstube vor, in der Kitagruppen und Schulklassen lernen, was gesunde Ernährung ist, wie von der Ähre übers Korn und Mehl ein Brot entsteht, Butter gestampft oder eben Käse hergestellt wird.

Natürlich soll nicht nur der Stall repariert werden, sondern auch die Scheune des Gehöfts, dort wurden schon vor etwa sechs Jahren die Sanitäreinrichtungen für die Besucher der Mühle und der Kulturscheune eingebaut. Doch am Rest des Gebäudes muss viel getan werden. Müller und Burkhardt steigen die schmale Holztreppe der Scheune hinauf. Oben sieht es aus, als seien manche Balken und Bretter seit dem 18. Jahrhundert nie wieder berührt worden. "Wir wissen aber nicht genau, wie alt der Hof ist, wir nehmen aber an, dass er mit der Mühle 1731 errichtet wurde", sagt Burkhardt.

Sicher bekannt ist, dass der letzte Müller, der bis 1958 noch Getreide in der Mühle gemahlen hat, bis 2006 auf dem Hof gelebt hat. Im Zuge der Sanierung wird der Verein nun die komplette Geschichte des Hofes erforschen. Rein baulich müssen an der Scheune unbedingt das Dach, die Wände und die Zwischendecke saniert werden. "Außerdem wollen wir beide Gebäude mit einem kleinen Neubau verbinden und unten in der Scheune eine Bohlenstube einbauen, die wir in Großstöbnitz gerettet haben."

Ohne das Wohnhaus - das hat Müller an einen Freund des Vereins vermietet, der hier später als eine Art Hausmeister aufpassen wird - kostet die Sanierung des Mühlenhofs rund 260 000 Euro. Abgeschlossen soll sie 2017 sein, wenn in Lumpzig die zentrale Eröffnungsveranstaltung des Deutschen Mühlentags stattfindet. Dann wird in Lumpzig ein einzigartiges Ensemble mit Mühle und dazugehörigem Hof dastehen.

So sind zumindest die Pläne. "Wenn wir jedes Jahr aus dem Regionalbudget 35 000 Euro bekommen sollten, reicht das Geld aber nicht", rechnet Burkhardt vor. Insgeheim hofft der Verein deshalb auf deutlich mehr Mittel vom Kreis. Die erste Gelegenheit dafür könnte es schon in diesem Jahr geben, denn die 38 000 Euro für die geplante Dampfloksanierung sind nach der Pleite der beauftragten Firma (OVZ berichtete) nun wieder vakant. Burkhardt: "Einen Antrag haben wir gestellt. Bekommen wir das Geld, decken wir gleich noch das Dach des Stalls neu."

Reuter, Jörg

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

So soll nach OVZ-Informationen die finanziell angeschlagene Gesellschaft nochmals einen Zuschuss von 200 000 Euro bekommen, im Gegenzug soll Geschäftsführer Jürgen Grahmann weitgehend entmachtet werden.

01.11.2014

Nicht einmal jede zweite Kleingartenanlage in der Skatstadt erfüllt zurzeit die Voraussetzungen für eine weitere Förderung. Laut einer Informationsvorlage, die Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) auf der jüngsten Stadtratssitzung vorlegte, hatten nur 31 der bewerteten 68 Anlagen die dafür notwendige Mindestpunktzahl erreicht.

28.10.2014

Unternehmen im Landkreis schätzen die zentrale Lage der Region, die vielfältigen Angebote an Gewerbeflächen und attraktiven weichen Standortfaktoren, wie beispielsweise kulturelle Angebote.

26.10.2014
Anzeige