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Altenburg Einbruch in Poliklinik: Freispruch für Altenburger Drogen-Pärchen
Region Altenburg Einbruch in Poliklinik: Freispruch für Altenburger Drogen-Pärchen
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18:34 10.02.2016
Ist einem Angeklagten eine Tat nicht nachweisbar, wird er freigesprochen, sagt die Strafprozessordnung. Quelle: LVZ
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Altenburg

Nur wenige Minuten brauchten die Polizisten in einer Dezembernacht 2014, um vom Dienstgebäude in der Leipziger Straße zur Poliklinik in der Bachstraße zu rasen. Eine Zeugin hatte verdächtige Geräusche bemerkt, die sich wie das Aufhebeln einer Tür anhörten und die Ordnungshüter verständigt. Wen die Beamten am Tatort fanden, waren Sven L. und seine damalige Freundin Peggy B.. In jener Nacht saßen sie unweit des Ärztehauses in einem Unterstand.

Am Mittwoch saßen beide dafür auf der Anklagebank im Amtsgericht. Weil die Staatsanwaltschaft davon ausging, dass sie die Tür aufgehebelt hatten. Das wäre versuchter Diebstahl in besonders schwerem Fall gewesen. Nur beweisen ließ sich das nicht. Peggy B. muss das geahnt haben. Schmunzelnd, oft lachend, auf jeden Fall in bester Laune verfolgte sie den Prozess. Einmal küsste die 29-Jährige ihren gleichaltrigen Ex-Freund auf die Wange und flüsterte ihm liebevoll etwas zu.

Noch viel näher waren sich die beiden in jener Dezembernacht auf der Bank gekommen. „Wir haben geknutscht“, sagte Sven L., der zugab, in seinem Leben bestimmt schon viel Mist gebaut zu haben, vor allem wegen und unter Drogen. Aber mit der Tür habe er nichts zu tun. Als merkwürdig empfanden beide nicht, dass die Zärtlichkeiten in einer kalten Winternacht gegen 1.30 Uhr ausgetauscht wurden und beide größere Taschenlampen dabei hatten. Diese führten sie immer mit, und die Parkbank musste anstelle des fehlenden Wohnsitzes herhalten. Unerwähnt ließ das Pärchen nicht, dass es unter Drogen stand, zuvor Crystal genommen hatte.

Aber all das reichte bei Weitem für eine Verurteilung nicht aus. Denn die Polizei hatte bei der Durchsuchung des Geländes mögliche Tatwerkzeuge nicht gefunden. Und selbst die Zeugin, die die verdächtigen Geräusche gehört hatte, half am Mittwoch nicht weiter. Sie kam nämlich nicht und ließ sich wegen Krankheit entschuldigen. An den fehlenden Beweisen konnte auch die Skepsis des Staatsanwalts nichts ändern, der dem Angeklagten nicht glaubte. Für ihn stand fest, dass „sie auf der Suche nach stehlenswerten Gegenständen waren“, an der Tür gerüttelt und versucht hatten, diese zu öffnen. Denn das Werkzeug lag womöglich versteckt im Busch. Doch weil auch diese selbst bei Junkies in ständiger Geldnot zutreffenden Vermutungen nicht genügen, beantragte die Staatsanwaltschaft Freispruch.

Zu diesem Zeitpunkt dauerte der Prozess 37 Minuten. Viel Fantasie war nun nicht mehr nötig, um zu ahnen, dass der Anwalt der Angeklagten den gleichen Antrag stellte. „Mit Taschenlampen kann man keine Tür aufhebeln“, sagte Verteidiger Helge Klein. Die Kosten des Verfahrens trägt der Steuerzahler. Denn das Gericht sprach fünf Minuten später die Angeklagten frei.

Trotz der Möglichkeit, dass beide ärgeres taten, als sich zu küssen. Abwegig ist dies nicht. Während Peggy B. den Freispruch mit hochgereckten Armen feierte, klickten bei ihrem Ex die Handschellen. Sven L. sitzt eine zehn- und eine elfmonatige Haftstrafe in Hohenleuben ab. Wegen Diebstahls, Hausfriedenbruchs und gefährlicher Körperverletzung. Das ist längst nicht alles. Bald wird der Altenburger wieder auf der Anklagebank sitzen.

Von Jens Rosenkranz

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