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Eine Ausstellung an zwei Orten

Eine Ausstellung an zwei Orten

Es riecht nach Leim und neuen Möbeln. An den tiefroten Aufstellern kleben zig Hinweiszettel. Überall liegt Handwerkszeug. Allerorten wuseln Mitarbeiter betriebsam durch die dunklen Räume, in denen Scheinwerfer ihre Kegel auf die Arbeitsflächen richten.

Altenburg.

 

 

 

Dem Journalistentross, der gestern als erster durch die neue Spalatin-Ausstellung im Altenburger Schloss geführt wird, ist schnell klar: Hier stehen neben der Tagesarbeit noch zwei Nachtschichten an, bevor die Exposition am Sonnabend vor 250 geladenen Gästen offiziell eröffnet werden kann.

 

Doch was gestern bereits zu sehen ist, lässt vermuten, dass die Ausstellung "Georg Spalatin - Steuermann der Reformation" für das erhoffte deutschlandweite Renommee sorgen kann. Für Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) ist es folgerichtig "das größte Kulturprojekt", das in Altenburg in diesem Jahr gestemmt wird. Und dies hat nicht nur mit dem Inhalt zu tun, der den vielerorts unbekannten, aber bedeutenden Luther-Freund Georg Spalatin dem Vergessen entreißen soll, sondern auch mit der Logistik. Denn erstmals gibt es eine Ausstellung an zwei Orten.

 

Während es im Residenzschloss in acht thematisch gegliederten Räumen um das Leben und Schaffen des Reformators geht, widmet sich die Bartholomäikirche der Geschichte der Reformation und ihrer Auswirkung über die Jahrhunderte bis ins Heute. "Es galt, die Kirche als Gotteshaus zu erhalten und mit der neuen Dauerausstellung zugleich zu einem lebendigen Ort des Austauschs, der Diskussion, des Lernens und des Innehaltens zu machen", so der geschäftsführende Pfarrer der Altenburger Kirchgemeinde, Reinhard Kwaschik.

 

Beide, Stadt und Kirche, versprechen sich viel von ihrem gemeinsamen Projekt. Denn zum ersten Mal in der fast 500-jährigen Geschichte der Reformation wird der Freund Martin Luthers durch eine Ausstellung geehrt. Mehr noch: Ohne ihn wäre die Reformation völlig anders verlaufen. "Wenn ich nicht gewesen wäre, nimmer wäre es mit Luthero und seiner Lehr so weit gekommen", soll er einmal selbst gesagt haben. "Spalatin ist eine faszinierende Gestalt, die nicht hinter, sondern neben Luther stand", sagt Kurator Hans-Joachim Kessler beim gestrigen Rundgang durch die Themenräume. Dabei wird deutlich, dass Georg Burkhardt (1484-1545), der sich nach seinem Geburtsort Spalt bei Nürnberg nannte, für das Themenjahr 2014 "Reformation und Politik" eine Art Symbolfigur ist.

 

Er brachte mit großem diplomatischem Geschick Luthers reformatorisches Wirken voran. Ohne seine Vermittlung sei das Zusammenspiel der beiden Protagonisten am Ausgangspunkt der Reformation - Martin Luther und Kurfürst Friedrich III. von Sachsen - undenkbar, sagen Forscher. Untrennbar verknüpft mit Spalatins Lebensweg ist Altenburg: Hier übernahm er 1511 eine Stelle als Stiftsherr auf dem Schloss. 1525 wurde er Pfarrer an der St. Bartholomäikirche, um drei Jahre später dort auch als erster Superintendent zu wirken.

 

All dies wird in der Ausstellung im Schloss mit rund 250 Exponaten dokumentiert, die es in dieser Ballung wohl noch nicht zu sehen gab. Unter ihnen befindet sich als Glanzstück eine lateinische Bibel aus dem Besitz Spalatins. Ein weiterer Hingucker sind die originalen Bände der Geschichte der Sachsen und Thüringer, die der Theologe im kurfürstlichen Auftrag um 1515/1517 in Altenburg verfasst hatte und die rund 1800 kolorierte Federzeichnungen aus der Cranach-Werkstatt aufweisen. "Jetzt kommt das Werk an seinen Ursprungsort zurück. Das ist einfach faszinierend", so Kessler. Zu sehen sind weitere Originalgemälde von Lucas Cranach, dem Älteren, dazu eine Holzschnittfolge von Albrecht Dürer, Originalbriefe von Spalatin und Luther. Die geschätzte Versicherungssumme für all die Stücke ist siebenstellig, heißt es.

 

Insgesamt schlägt die Ausstellung im Schloss mit einer halben Million Euro zu Buche, 200 000 Euro steuert der Freistaat bei, 300 000 Euro kommen aus der Stadtkasse. Die Exposition in der Bartholomäikirche kostet 131 000 Euro, wovon ebenfalls rund die Hälfte Fördergelder sind. Hinzu kommen noch einmal 55 000 Euro für die notwendigen Umbaumaßnahmen im Gotteshaus. © Kommentar

Ellen Paul

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