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Eine Kleinigkeit fehlt zur Glückseligkeit

Eine Kleinigkeit fehlt zur Glückseligkeit

Das Philharmonische Orchester des Altenburg-Geraer Theaters übt sich in den ersten drei Konzerten der neuen Spielzeit in Altenburg thematisch in musikalischer Geografie.

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Dina Ugorskaja.

Quelle: Jens Paul Taubert

Es begab sich vom Norden Europas nach Spanien und von dort aus über den Atlantik auf den amerikanischen Kontinent. "Made in America" war das Thema des zweiten Philharmonischen Konzerts am vergangenen Freitag.

 

Die amerikanische Geschichte ist auch der lange Weg dieses Volkes auf der Suche nach seiner musikalischen Identität. Um dabei Hilfe zu erhalten, holte man früher bekannte und erfolgreiche europäische Musiker und Komponisten zu sich, wie beispielsweise Antonin Dvorák. In seiner 1892 in New York geschriebenen 9. Sinfonie "Aus der neuen Welt" sahen die Amerikaner ihre geschichtlichen Wurzeln und ihr Wesen musikalisch dargestellt. Diese Sinnsuche ist bis heute noch nicht abgeschlossen. Nur so ist zu verstehen, dass das 2005 uraufgeführte Werk "Made in America" der Komponistin Joan Tower, das als Grundlage die Ersatzhymne "Amerika, du Schöne" hat, ungemein populär und binnen zweier Jahre in allen Bundesstaaten offiziell gespielt wurde. Nun gab es am Freitagabend die deutsche Erstaufführung.

 

Wie zu hören war, ist das Stück ein energiegeladenes Werk mit treibendem Rhythmus, farbiger Orchestrierung und Solopassagen verschiedener Instrumente, für die Virtuosität und Präzision gefordert sind. Solisten und das ganze Orchester wurden dem voll gerecht und machten diese Aufführung zu mehr als nur einem bloßen Aufwärmer.

 

Das war auch nötig, denn als zweites Werk galt es, Sergej Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 4 g-Moll zu bewältigen. Damit schließt sich der Zyklus seiner vier Klavierkonzerte, von denen drei in Altenburg bereits vom Spitzenpianisten Bernd Glemser interpretiert wurden. Technisch stand die Russin Dina Ugorskaja ihm durchaus nicht nach. Kraftvoll klar bis zart verschwommen legte sie ihren Part offen: üppig und unausgewogen, mit großem melodischen Atem und den verqueren Rhythmen, aber auch mit der überwältigenden Klangpracht, die das Orchester ebenfalls entfaltete. Letztgenanntes wurde von Laurent Wagner passgenau mit dem Solopart geleitet, eine erstaunliche Leistung. Doch es fehlte eine Kleinigkeit bis zur musikalischen Glückseligkeit durch die Pianistin - denn "Rachmaninow-Konzerte spielt man nicht, man lebt sie", wie der polnische Dirigent Krystian Zimerman einmal sagte. Ugorskaja spielte hervorragend, aber blieb leider etwas unterkühlt. Trotzdem gab es viel Beifall und eine Zugabe mit einem Stück ihres Landsmannes Prokofjew.

 

Von Unterkühlung konnte man bei Dvoráks Sinfonie nicht sprechen. Sie wurde zu einem Orchesterfest und zu einem Triumph für den Dirigenten und die Musiker. Sie entfalteten einen sinfonischen Raum mit Tiefe und Beweglichkeit. Darin spielten die Holzbläser mit Delikatesse, Schlagzeug und Blech mit äußerster Kraft und die Streicher mit warmer Intensität. Das alles ergab eine Klangfülle, aber keine Schwere. Und Laurent Wagner verband dies mit äußerstem Detailreichtum. Er strebte nach Brillanz ohne pure Effekthascherei. Das Publikum honorierte dies alles mit wahrlich nicht enden wollendem Beifall.

 

Dieses Konzert war noch in anderer Hinsicht bemerkenswert. Zum ersten Male lud das Theater Kinder und Jugendliche ein, nach Einführung und Vorbereitung auf die Sinfonie von Antonin Dvorák diese dann im Konzertsaal zu erleben. 28 Jungen und Mädchen komplettierten so nach der Pause das Parkett, nachdem sie von der Musikdramaturgin Julia Ackermann im ersten Konzertteil dafür vorbereitet wurden. Es ist ein weiteres gutes Angebot des Theaters, junge Zuschauer vor allem auch für die Konzerte zu gewinnen.

 

iDas Konzert wurde vom MDR aufgezeichnet und wird heute Abend um 20 Uhr von MDR Figaro gesendet.

Manfred Hainich

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