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Eine Liebesaffäre mit Folgen

Eine Liebesaffäre mit Folgen

Er kam kurz nach dem Mauerfall über den großen Teich zu einem Opern-Gastspiel nach Altenburg und begann eine heftige Liebesaffäre. Nicht in, sondern mit der Stadt.

Einer Stadt, die förmlich nach Liebe lechzte in ihrem desolaten Zustand. Nicht heimlich hinter verschlossenen Türen, sondern ganz offen warb der Amerikaner Arturo Sergi für seine außergewöhnliche Idee. Der Tenor, der seine Solo-Karriere 1955 in Wuppertal begonnen hatte und über viele Jahre auf den großen Opernbühnen der Welt zu Hause war, wollte Altenburg mit einem Musikfestival zum Salzburg des Ostens machen. Er gründete die Musiktheater-Akademie und das Ost-West-Jugendsinfonie-Orchester.

 

Viele Jahre kamen Sommer für Sommer rund 100 junge Musiker und Sänger aus aller Herren Länder in die Skatstadt, um hier von namhaften Lehrern unterrichtet zu werden. Ihr Können zeigten sie dann in bis zu 30 Lieder- und Arienabenden, Kammermusik- und anderen Konzerten bis hin zur großen Operngala. In Spitzenzeiten erlebten rund 10 000 Besucher das Festival. Es war ein gigantisches Unterfangen, das am Ende auch gigantische Kosten verursachte. Arthur Leslie Kagan Sergi, als der er 1925 in New York geboren wurde, entwickelte sich vom "Ersten Tenor zum Ersten Bettler", wie er sich selbst oft scherzhaft betitelte - auf der stetigen Suche nach Sponsoren und Geldgebern.

 

Am Ende aber hat das Geld hinten und vorn nicht mehr gereicht, blieben offene Rechnungen. Auch wenn es aus Hochachtung vor dem engagierten Schwergewicht niemand offen aussprach: Das Festival war pleite. 2000 wurde die Notbremse gezogen. Es gründete sich ein Förderverein, der behutsam, aber konsequent die Fäden in seine Hände nehmen und helfen wollte. Doch schnell war klar: Das Geld für die Betreuung und Versorgung von 100 jungen Leuten einen ganzen Sommermonat lang war einfach nicht aufzubringen. Der Verein entschied, nur das Festival in komprimierter Form fortzuführen. Arturo Sergi, dem die Stadt Altenburg für sein außergewöhnliches Engagement 1998 mit der Verleihung des gerade erst eingeführten Kulturpreises auf ganz besondere Weise ehrte, hielt bis zu seinem Tod 2006 die Akademie - wenn auch ebenfalls in deutlich verkleinerter Form - am Leben.

 

Zuallererst musste das Festival finanziell wieder in sicheres Fahrwasser. Deshalb holte sich der Förderverein mit Sparkassenchef Thomas Wagner einen kompetenten Schatzmeister, der nur wenig später aus gutem Grund zum Vereinsvorsitzenden avancierte. Denn Wagner weigerte sich vom ersten Tag an konsequent, "ungedeckte Schecks" zu unterschreiben. Sein Credo: Kein Geld ausgeben, das nicht in der Kasse ist.

 

Seither wird dennoch oder gerade deshalb Jahr für Jahr ein Programm auflegt, das sich sehen und vor allem hören lassen kann. "Natürlich", sagt Wagner, "mussten wir das Festival verschlanken, auch gibt es keinen Unterricht mehr. Doch die Förderung junger Talente, denen wir vor Publikum eine Chance der Präsentation geben wollen, die ist erhalten geblieben." Inzwischen sind aus den ursprünglich 30 Veranstaltungen 15 geworden. In anderthalb Wochen - sozusagen Schlag auf Schlag - sind sie in Altenburg und mittlerweile auch in anderen Städten und Dörfern des Altenburger Landes zu erleben.

 

So konnten mehr und mehr attraktive Spielstätten im Kreis belebt werden, für manche Einrichtung ist das Konzert des Festivals inzwischen ein feste Größe. Für die Besucher nicht minder. Wer einmal beispielsweise die Atmosphäre im Rittergut Treben erlebt hat, wo es dank eines rührigen Fördervereins mehr zu erleben gibt als Musik, den zieht es immer wieder ins Pleißetal. Selbst wenn dort ein Gewitterguss sondergleichen niedergeht - wie 2011 geschehen - bleiben die Zuschauer in Feierlaune. Garbisdorf, Lumpzig, Meuselwitz, Schmölln, Ponitz - überall hat das Musikfestival mindestens einmal schon Hallo gesagt. In der OVZ wurde zudem ein Partner und "Mitmacher" gefunden.

 

Nicht minder bunt ist das Programm, das von Blasmusik über Jazz und Musical bis zur großen Oper reicht und für jeden Geschmack etwas bietet. Und was die Veranstaltungsorte betrifft, gilt inzwischen auch für die Künstler. Oft hat Vorstandsmitglied Rolf Olischer, der vor allem für die Koordination zuständig ist, mehr Bewerbungen und Anfragen auf dem Tisch, als es Auftrittsmöglichkeiten gibt. "Die Qualität unseres kleinen, aber feinen Festivals hat sich inzwischen herumgesprochen", sagt er. Und so kommt alljährlich ein bunter Reigen etablierter Musiker und hoffnungsvoller Nachwuchstalente der verschiedensten Genres in die sommerliche Residenzstadt.

 

Dabei war aller Anfang tatsächlich schwer, weiß Vorstandsmitglied Klaus-Jürgen Kamprad nur zu gut. Beim Leipziger Streichquartett, einem wahrhaft namhaften Ensemble, waren einmal so wenig Besucher da, dass die Musiker nicht auftreten wollten, erinnert sich der Altenburger Musikverleger. Die Startschwierigkeiten sind längst überwunden. Inzwischen sind für Renner wie die Operetten- und die Operngala die Karten lange im Voraus restlos vergriffen. Doch auch für andere Veranstaltungen sichern sich die Besucher ihre Tickets mittlerweile lieber im Vorverkauf. Schon bei der traditionellen klingenden Konzertvorschau im Mai gibt es mittlerweile lange Schlangen an der Kasse. "In diesem Jahr haben wir den besten Vorverkauf aller Zeiten", strahlt Kamprad, der sich gern an zahlreiche wunderschöne Konzerte erinnert, die vom Publikum begeistert angenommen wurden.

 

Nicht zuletzt, weil es seit 15 Jahren stabile Eintrittspreise gibt. Darauf ist Thomas Wagner ebenso stolz wie auf das zunehmende finanzielle Engagement von Sponsoren sowie die reibungslose Zusammenarbeit mit der Stadt Altenburg als Veranstalter. "Die Spielstätten werden uns seit Anbeginn kostenlos zur Verfügung gestellt. Das ist alles andere als selbstverständlich", sagt der Banker, der dem Verein die Treue hält, obwohl er beruflich nicht mehr in Altenburg tätig hat.

 

Das, sagt Wagner, hat auch damit zu tun, dass der Vorstand mittlerweile ein eingespieltes und sehr harmonisches Team ist: zwei Vorständler für Künstlerische, zwei fürs Finanzielle und zwei fürs Organisatorische. "Anders würde es auch gar nicht funktionieren, schließlich machen wir das ja alles nebenbei."

 

So hat der Verein also doppelt Grund zum Feiern - seinen eigenen 15. Geburtstag und das 25. Festival. Er macht das - wie nicht anders zu erwarten - mit einem tollen Programm für sein Publikum. Am Donnerstag geht's los.

 

© Kommentar Seite 13

Ellen Paul

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