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Eine Reise von Wien nach Berlin

Eine Reise von Wien nach Berlin

Wenn Antje Arpe zur Begrüßung erscheint, weiß man, dass der Indoorteil des Musikfestivals beginnt. Und wenn man sieht, dass kein Stuhl im Festsaal des Altenburger Residenzschlosses leer bleibt, dann steht die Operettengala auf dem Programm.

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Dirigent Mario Hartmuth (M.) mit den Solisten Patrick Rohbeck, Christina Bernhardt, Anne Dietzmann und Alexander Voigt (v.l.). Fotos: Jens Paul Taubert

Quelle: Jens Paul Taubert

So war es wie in den Vorjahren auch wieder vorgestern Abend. Und wie jedes Jahr gab es auch diesmal Dank an alle, die dieses Kulturereignis in Altenburg ermöglichen - mit gefordertem Beifall von Moderatorin Antje Arpe. Ein überflüssiges Ritual? Mitnichten. Und es darf auch immer wiederholt werden in Anbetracht der Begeisterung des Publikums an den ersten Tagen und zur Operettengala.

 

Wie im vergangenen Jahr gab sich das Orchester Franz'L aus Weimar die Ehre und begleitete vier Gesangssolisten, zu denen diesmal auch ein Tenor gehörte. Den hatten sich die Weimarer aus Ostthüringer und westsächsischen Gefilden ausgeliehen. Alexander Voigt hatte - nein, kein Heimspiel, er kam ja ohne Fußball -, sondern nur einen Heimvorteil bei einem Publikum, das ihn von der Bühne des Landestheaters kannte. Er nutzte diesen Vorteil mit seiner gediegenen, kräftigen Tenorstimme und seiner Routine im Spiel. Da stimmte alles. Er konnte es sich selbst leisten, ins Publikum herabzusteigen und mit ihm zu spielen.

 

Der Bassbariton Patrick Rohbeck ist eine Rampensau schlechthin. Der gängige Begriff für Künstler, die die Vorbühne mit ihrem Können und ihrer Routine vollkommen beherrschen, traf auch dieses Mal auf ihn zu. Wie schon im vergangenen Jahr glänzte er mit einer Bühnenpräsenz ohnegleichen. Schon beim ersten Wort und bei den ersten Tönen zog er das Publikum in seinen Bann. Er hatte das Programm zusammengestellt und moderierte es auch - geistreich, gespickt mit Anekdoten über Künstler und Komponisten, hin und wieder aber ein bisschen zu wortreich.

 

Die beiden Sängerinnen hatten es nicht einfach, ihren beiden künstlerisch schwergewichtigen Kollegen etwas entgegenzuhalten. Die Sopranistin Anne Dietzmann konnte es. Im Vergleich zum vergangenen Jahr war sie stimmlich gereift und sang nun Operette, was schwierig genug ist. "Im Prater blühn wieder die Bäume" von Robert Stolz und das schwierige "Strahlender Mond" aus Künnekes "Der Vetter aus Dingsda" sind Beispiele für ihre Leistungen.

 

Christina Bernhardt, eine noch junge Sopranistin mit einer schönen Stimme, gelangen "Wien wird erst schön bei Nacht" von Robert Stolz und "Schlösser, die im Monde liegen" aus Paul Linckes "Frau Luna" überzeugend. In den Ensemble-Auftritten aller vier fehlten ihr aber noch die Erfahrung und die Bewegungsroutine. Die beiden Sängerinnen nutzten dieses Programm auch für eine Präsentation schöner Festkleider, sehr zur Freude der weiblichen Besucher. Natürlich, das ist doch eine Gala!

 

Patrick Rohbeck hatte sie zweigeteilt, in die Operettenmetropolen Wien und Berlin. Johann Strauß Sohn, Robert Stolz und Emmrich Kalman standen mit ihren unsterblichen Melodien für die erste und damit für mehr getragene Operettenmelodien und Paul Lincke, Eduard Künneke sowie vor allem Walter Kollo für mehr schmissige, zum Klatschen einladende Musik.

 

Alexander Voigt konnte alles davon bedienen. "Grüß mir mein Wien" aus "Gräfin Mariza" und "Ich bin nur ein armer Wandergeselle" aus "Der Vetter aus Dingsda" gelangen ihm besonders gut. Das traf auf Patrick Rohbeck zu - bis auf seine Reminiszenz an Otto Reuter. Dessen Lied "Neh'm Se'n Alten", das ja wie alle seine Lieder vom Text lebt, war in der Interpretation doch etwas überzogen.

 

Das Orchester Franz'L unter der Leitung von Mario Hartmut begleitete die Solisten sehr genau. Dies war nicht immer leicht für den Dirigenten, der diese in seinem Rücken hatte. Sie hatten ihre konzertanten Auftritte mit dem Strauß-Walzer "Wiener Blut" und mit dem Sportpalast-Walzer von Siegfried Translateur, bei dem gepfiffen werden muss, was das Publikum freudig und teilweise lautstark übernahm.

 

Das war alles sehr stimmungsvoll, auch das abschließende Walter-Kollo-Potpourri mit solchen Liedern wie "So lang noch unterm Linden ..." und "Die Männer sind aller Verbrecher". Da gab es Beifall über Beifall.

Manfred Hainich

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