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Eine Zeitreise ins alte Jahrhundert

Eine Zeitreise ins alte Jahrhundert

Roßwein. Wer eine Zeitreise ins vergangene Jahrhundert unternehmen will, der ist in der Gaststätte Stadt Altenburg goldrichtig. Natürlich auch, wer auf selbst gekochte sächsische Küche aus ist.

 

 

 

 

Hunderte alter Fotos und Postkarten zieren die Wände. Nicht nur das Stadt Altenburg ist in vielen Ansichten zu sehen, Roßwein und Umgebung überhaupt erschließen sich dem Besucher schon allein über die Bilder. Fußboden und die Ecken der Wände sind mit Granitkacheln verkleidet worden. Das war 1986, der Rest stammt noch von der letzten großen Sanierung in den 1970er Jahren. "Ich verändere das nicht. Es wird immer mal neu gestrichen, aber das Ambiente bleibt erhalten", stellt Hermann Weise fest. "Ich möchte nicht auf eine modernere Basis gehen. Schauen Sie sich nur meine alten Stühle an: Da können Sie einen Vier-Zentner-Mann draufsetzen. Versuchen Sie das mal auf einem Neuen, der überlebt das nicht", ist Weise sicher.

In dieser Beziehung ist der 60-Jährige seinen Stühlen ähnlich. Trotz mehrerer schwerer Krankheiten steht er unverwüstlich hinter dem Tresen, kocht zusammen mit seiner Frau Renate, bedient gut gelaunt und immer mit einem markigen Spruch auf den Lippen seine Gäste. An diesem Abend ist eigentlich geschlossen, doch für Stammkunden macht Weise gern eine Ausnahme. "Für Durchreisende sind wir nicht leicht aufzuspüren, aber die Roßweiner wissen, wo sie mich finden", sagt er.

Im vergangenen halben Jahr klopfte man dagegen vergebens an die Tür des schönen alten Hauses aus der Gründerzeit. Wegen Krankheit geschlossen, hieß es. "Ich habe eine harte Zeit hinter mir, aber ich muss immer weiter arbeiten", sagt der gebürtige Roßweiner, nicht nur, weil ihn sonst die schmale Rente drücke, sondern auch, weil er wolle. Langsam gewöhnt er sich auch wieder an die Belastung, arbeitet die anstrengenden Abendschichten wieder mit und genießt es sichtlich, wieder mit seinen Gästen zu plaudern.

So viel Zeit blieb in den 1970er und 80er Jahren nicht, als Hermann Weise als Koch in der damals noch von dessen Vater Herbert geführten Gaststätte anfing. "Da mussten 100 Essen pro Tag gekocht werden und der Laden brummte, heute sind es noch etwa 30", erzählt er. Doch das sei ihm gar nicht so unrecht. "Ruhe ist mir lieber als Trubel. Ich will hier nicht einschlafen, aber ruhiger als 100 Essen am Tag zu kochen ist gut", sagt er in seinem ganz eigenen Humor.

Die Gäste kommen zwar nicht mehr so zahlreich wie vor der deutschen Wiedervereinigung, aber dennoch hat Weise seine Stammkunden nicht verloren. "Der erste Weihnachtsfeiertag ist schon wieder ausgebucht, beim zweiten sind wir kurz davor", sagt er zufrieden. Auch Vereine treffen sich regelmäßig bei ihm. Jede Woche kommen die Spieler eines Volleyballclubs nach dem Training mit deftigem Appetit und auch der Heimatverein hält seine Sitzungen regelmäßig im Lokal ab. "Die sind auch scharf darauf, hier alles zu erhalten, wie es ist", sagt Weise und lacht. Denn einige Utensilien im Raum sind noch um einiges älter als er selbst, zum Beispiel die Kuckucksuhr, die sein Vater schon in den 1940ern erwarb. Oder die Messinghaken für die Jacken aus den 1920er Jahren. Die Stühle übrigens, erzählt der Gastwirt noch, habe Tischlermeister Werner Krumbiegel Anfang der 1950er Jahre gebaut. Krumbiegel singt noch heute im Roßweiner Männerchor, der sich seither im Stadt Altenburg trifft - eine wöchentliche Zeitreise. S. Fink

Hermann Weise führt das Roßweiner Lokal Stadt Altenburg, das sich seit Jahrzehnten kaum verändert hat

Eine Zeitreise ins alte Jahrhundert

Renate Weise stärkt ihrem Mann den Rücken, kocht einen in Roßwein berühmten Sauerbraten und sorgt für zufriedene Gäste.

Gastwirt Hermann Weise mag sein Lokal Stadt Altenburg so alt und vielfältig wie es ist. Auch wenn frische Farbe an den Wänden prangt und die Technik neu ist, hat sich äußerlich doch wenig verändert in den letzten Jahrzehnten.Fotos (2): Wolfgang Sens

"Ruhe ist mir lieber als Trubel. Ich will hier nicht einschlafen, aber ruhiger, als 100 Essen am Tag zu kochen ist gut."

Hermann Weise Inhaber

 

 

 

...Ruhe, Humor und die Nerven behalten. Wer das in dem Job nicht macht, der ist verloren. Das war schon das Motto meines Vaters.

 

 

 

..., weil es hier gute Hausmannskost auf den Tisch gibt.

 

 

 

... ist der Sauerbraten. Das ist eine Spezialität in Roßwein.

 

 

 

...auch schon ein Ausschank, und zwar seit 1890. Was vorher in dem Haus gemacht wurde, weiß man nicht mehr.

 

 

 

...in meinem großen Garten zum Abschalten. Den habe ich vom Vater übernommen und der hatte ihn von meinem Großvater.

Hier Spricht der Wirt

(Stadt Altenburg)

Mittelstraße 26

04741 Roßwein

Telefon: 034322/4 23 60

Mail: stadt.altenburg@t-online.de

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag 11 bis 14 und ab 17 Uhr, Freitag und Samstag 11 bis 14 Uhr, Sonntag und Montag Ruhetag. Termine auf Anfrage.

Kapazität

Gaststube: 50 Plätze

Partyraum: 30 Plätze

Foto: Wolfgang Sens

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