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Eine schwere Last

Eine schwere Last

"So müssen die Kinder schlafen", überschrieb eine Schülerin der Euro-Schulen Altenburg im Herbst 2012 eine von ihr gestaltete Foto-Seite, die sie während eines Praktikums in der Kindertagesstätte Spatzennest aufgenommen hatte.

Zu sehen waren Knirpse im Alter von null bis zwei Jahren, die man straff in Decken gewickelt und diese mit Windeln oder Bändern zusätzlich fest verschnürt hatte. Die Euro-Schulen informierten sofort die Volkssolidarität, die Trägerin der Kita.

 

Die Öffentlichkeit erfuhr am 16. November 2012 von dem Vorfall. Das war vor beinahe genau zwei Jahren. Seitdem ist eine Menge Staub aufgewirbelt worden. Juristisch aufgearbeitet sind die Vorwürfe aber noch immer nicht. Auch nach zwei Jahren warten Eltern, Öffentlichkeit, die Volkssolidarität und vor allem die beschuldigten Erzieherinnen auf einen Prozess und ein Urteil, nachdem die Staatsanwaltschaft Gera im September 2013 Anklage erhoben hat. Die Vorwürfe lauten Nötigung, Körperverletzung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht.

 

Davon betroffen sind neun Erzieherinnen. Zwei von ihnen sind mittlerweile im Ruhestand. Nach einer Auflage des Kultusministeriums dürfen weitere drei nur unter Aufsicht mit Kindern arbeiten. Die Leiterin, ebenso angeklagt, wurde ihrer Funktion enthoben und darf nur Verwaltungsaufgaben wahrnehmen. Deshalb musste die Volkssolidarität eine Fachkraft einstellen, die die Leitung stellvertretend übernimmt. Drei Erzieherinnen sind seit Januar 2013 bei vollen Bezügen beurlaubt und werden seitdem von drei befristet eingestellten Kollegen ersetzt. Die drei beschuldigten Betreuerinnen waren zunächst fristlos entlassen worden, klagten aber vor dem Arbeitsgericht. Wegen Formfehlern wandelte die Volkssolidarität die Kündigungen in Beurlaubungen um. Auch diese Auseinandersetzung hängt seitdem in der Schwebe.

 

Die personellen Konsequenzen kosten die Volkssolidarität pro Jahr zusätzlich rund 100 000 Euro, rechnet Geschäftsführer Volker Kibisch im OVZ-Gespräch vor. Im Moment könne dies über Rücklagen aufgefangen werden, aber eben nicht ewig. Der Vorsitzende des Kreisverbandes, Robert Streu, sieht deswegen auch ein handfestes finanzielles Problem auf die Volkssolidarität zukommen und bezeichnet die Mehrkosten als eine schwere Last. "Wenn es bis zu einer juristischen Klärung noch ein paar Jahre dauert, wird es kritisch", warnt Streu. Schon jetzt müsste die geplante Modernisierung von Gruppenräumen verschoben werden, ebenso die angedachten Gehaltserhöhungen, was dem Kreisverband Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Kita-Trägern einbringt.

 

Streu und Kibisch drängen deswegen auf einen baldigen Prozessbeginn. Die Nachricht, dass der geplante Auftakt im September auf kommendes Jahr verschoben wurde, sorgte in der Geschäftsführung für Kritik und Unverständnis.

 

Dafür gibt es aber nicht nur finanzielle Gründe. Verunsicherung und psychische Belastung unter den beschuldigten Kollegen sind groß, auch bei der Leiterin, die sich fragt, an welcher Stelle sie versagt haben könnte. Auch Eltern würden sich hin und wieder nach der Aufklärung der Vorkommnisse erkundigen. Dennoch sei die Kita zu nahezu 100 Prozent ausgelastet, betont Kibisch. Die ebenso befürchtete Austrittswelle aus dem Wohlfahrtsverband sei gleichfalls ausgeblieben.

 

Da die juristische Klärung auf sich warten lässt, hofft Kibisch darauf, dass das Kultusministerium die Auflagen lockert oder aufhebt. Darin bestärkt sah er sich in der Äußerung von Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU), die sich am Rande eines Wahlkampftermins im Sommer in Altenburg verwundert darüber gezeigt habe, dass die Vorwürfe noch immer nicht aufgeklärt sind. Das Kultusministerium aber blieb dabei, dass Kollegen nur unter Aufsicht oder gar nicht mehr in der Kita arbeiten dürfen und droht ansonsten den Entzug der Betriebserlaubnis an.

Jens Rosenkranz

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