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Eine trost-lose, aber nicht ereignislose Zeit

Eine trost-lose, aber nicht ereignislose Zeit

Vor fünf Wochen konnte das Publikum zum vorerst letzten Mal den Klang der berühmten Altenburger Trost-Orgel genießen. Jetzt schweigt die Königin der Instrumente für fast zweieinhalb Jahre.

Altenburg.

Das nächste Konzert findet wahrscheinlich sogar erst im Frühjahr 2016 statt. Der Grund: Das Dach der Schlosskirche muss instand gesetzt und neu gedeckt werden. Die Orgel ist deshalb zum Schutz vor Schäden gut verhüllt. "Uns steht im wahrsten Sinne des Wortes eine lange trost-lose Zeit bevor", sagt Schlossorganist Felix Friedrich. Schmunzelnd angesichts des Wortspiels, aber dennoch schweren Herzens.

 

 

 

Denn zwei Seelen wohnen derzeit in seiner Brust. Einerseits ist klar: Das Dach der Schlosskirche muss dringend erneuert werden. "Schon seit längerem habe ich bei jedem größeren Gewitterguss gezittert. Die Furcht, dass es in die Orgel reinregnet, war allgegenwärtig. Dafür ist sie einfach zu kostbar", so der bekannte Künstler. Andererseits sei natürlich der Verzicht auf die Orgel gerade im Jahr des 300. Geburtstages von Johann Ludwig Krebs, der von 1756 bis zu seinem Tod am 1. Januar 1780 als Herzoglicher Hoforganist in Altenburg tätig war, außerordentlich bedauerlich. Doch der Baubeginn habe sich aufgrund der Fördermittelzusage nicht verschieben lassen. Das hat Felix Friedrich eingesehen. Aber dass es derart lange dauert, bis man wieder auf der Orgel spielen kann, hat er dann doch nicht erwartet, als man ihn im vorigen Jahr über die Baumaßnahme informierte.

 

Und die hat nun begonnen. Die Orgel ist bereits hinter einem Holzverschlag verschwunden. Das Instrument ist eingehaust, wie der Fachmann dazu sagt. Friedrich hat darauf gedrungen, dass die Arbeiten nicht von einer Baufirma, sondern von Spezialisten ausgeführt werden. Die Bautzner Firma Hermann-Eule-Orgelbau hat seit 1976 einen Wartungsvertrag für die Trost-Orgel, kennt das Instrument aus dem Effeff und hat es nach allen Regeln der Kunst "verschwinden" lassen. Allerdings nicht vollkommen. Bei zu geringer Luftzirkulation und zu hoher Luftfeuchtigkeit würde erneut ein Schimmelpilzbefall drohen, von dem die Orgel schon in den 1990er-Jahren einmal heimgesucht war. "Damals musste fast die gesamte Orgel demontiert werden", erinnert sich Felix Friedrich. Deshalb sind jetzt im hinteren Bereich Türen in den Verschlag eingebaut worden, und auch die Folie ist nicht luftdicht geklebt. Man überlegt sogar, Lampen anzubringen, die zwei Stunden täglich angeschaltet werden, berichtet Schlossmuseums-Direktorin Uta Künzl.

 

"Ich vertraue einfach auf die Bauleute, dass alles klappt und nichts beschädigt wird", sagt Friedrich, der immerhin bereits seit 1976 quasi in den Fußstapfen von Krebs als Schlossorganist tätig ist. Die ersten 20 Jahre als fest angestellter Mitarbeiter, seit 1996 nun über einen Honorarvertrag. Die freiberufliche Tätigkeit ermöglicht dem 68-Jährigen problemlos, auch seinen vielfältigen anderen Verpflichtungen nachzukommen. Wie er auch jetzt die trost-lose Zeit mit zahlreichen auswärtigen Konzerten überbrückt. So war er in dieser Woche in Österreich und wird im August bei den Salzburger Festspielen gastieren. Zum Krebs-Jubiläum wird er im August/September unter anderem in Halberstadt, Merseburg und Freiburg Orgel spielen. Auch sind zwei große Rundfunk-Sendungen im NDR und im MDR zu diesem Thema mit ihm beziehungsweise dem Altenburger Musikverleger Klaus-Jürgen Kamprad geplant.

 

Ganz auf seine Künste müssen aber auch die Skatstädter nicht verzichten. So findet trotz der Bauarbeiten die Thüringer Orgelakademie in diesem Jahr in Altenburg statt - allerdings in der Brüderkirche. Über das Entgegenkommen von Pfarrer Reinhard Kwaschik hat sich Felix Friedrich außerordentlich gefreut. Zudem organisiert er an der kleinen Orgel im Bachsaal einige Konzerte, damit die Entzugserscheinungen weder bei ihm noch seinem Publikum überhandnehmen.

 

Ein ganz besonderes Highlight hat er schon heute vertraglich vereinbart: Am 3. Oktober 2014 kommt Schauspieler Dieter Bellmann - bekannt als Klinikdirektor Professor Gernot Simoni aus der ARD-Serie "In aller Freundschaft" - nach Altenburg. "Orgel plus Bellmann" ist die Veranstaltung überschrieben. Denn es sollen ausgefallene Programme sein, um das Publikums-Interesse wach zu halten. © Kommentar Seite 13

Ellen Paul

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