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Elf Monate Haft: Altenburger Junkie holt sich Nachschlag ab

Räuberischer Diebstahl Elf Monate Haft: Altenburger Junkie holt sich Nachschlag ab

Wegen räuberischen Diebstahls und anderer Delikte muss ein 29-Jähriger weitere elf Monate im Gefängnis bleiben. Den Nachschlag holte sich Serientäter Dirk T. am Mittwoch vom Altenburger Amtsgericht ab, weil der Alkohol- und Drogenabhängige vier Monate kein Geld vom Staat bekam.

Am Altenburger Amtsgericht bekam ein Alkohol- und Drogenabhängiger nun elf Monat Haft wegen räuberischen Diebstahls.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Man könnte lachen, wenn es nicht so traurig wäre: Als sich Dirk T. zu den Vorwürfen in der Anklage äußerte, wunderte er sich über den Vorwurf des Hausfriedensbruchs im Kaufland in Altenburg-Südost. „Ich war öfter da, aber wenn, dann hab ich auch geklaut“, sagte der 29-Jährige, der nicht nur dort, sondern auch im Bahnhof-Center lebenslanges Hausverbot wegen diverser Delikte hat. Aus einem solchen entwickelte sich jedoch ein räuberischer Diebstahl. Dafür, für vorsätzliche Trunkenheit im Straßenverkehr und vier Hausfriedensbrüche kassierte der Angeklagte vor dem Altenburger Amtsgericht am Mittwoch elf Monate Haft ohne Bewährung.

Das Schöffengericht unter Leitung von Richter Sandy Reichenbach sah es nach fünf Zeugen und T.s Aussagen als erwiesen an, dass der junge Mann an einem November-Nachmittag 2015 im Netto im Bahnhof-Center Wurst im Wert von zehn Euro gestohlen hat. Dabei hatte ihn die Marktleiterin beobachtet und wenig später hinter der Kasse zusammen mit einer Kollegin zur Rede gestellt. Daraufhin lief der 29-Jährige los und rempelte eine der beiden Frauen. Bis auf den Rempler räume T. alles ein. Dieser aber machte aus einem normalen einen räuberischen Diebstahl mit einer Mindeststrafe von einem Jahr.

Allerdings ging das Gericht wegen des geringen Maßes an Gewalt, des geringen Werts des Diebesguts und des Umstands, dass T. aus Not stahl, von einem minder schweren Fall aus. Das reduzierte das Strafmaß erheblich – trotz 44 abgeurteilter Taten in seinem Vorstrafenregister, die zu drei Aufenthalten hinter Gittern, wo er sich auch aktuell befindet. Ein paar Monate extra gab es dann, weil der Angeklagte sich über die Hausverbote hinwegsetzte und weil er von der Polizei mit 1,7 Promille nach der Rositzer Kirmes auf dem Fahrrad erwischt wurde.

„Es ist fast ein Armutszeugnis für unser relativ reiches Land, dass sich jemand sein Essen stehlen muss“, sagte Verteidiger Alexander Giehler vor dem Hintergrund, dass sein sichtlich von jahrelangem Alkohol- und Drogenkonsum gezeichneter Mandant vier Monate kein Geld von der Agentur für Arbeit bekommen hatte. Unter anderem deswegen und weil er keinen räuberischen Diebstahl erkannte, plädierte er für sechs Monate Freiheitsstrafe – und denkt deswegen nun über Berufung nach.

Gleiches gilt für Staatsanwalt Martin Zschächner, weswegen das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Auch wenn der Ankläger mit einem Jahr und neun Monaten deutlich mehr forderte, als am Ende herauskam, sah er den Fall in seinem tragischen Kontext. „Wer in dem Alter kifft, ist dauerhaft seelisch erkrankt“, erklärte Zschächner mit Bezug auf den Cannabis-Konsum des Angeklagten in der Pubertät. „Das reicht von Psychosen bis hin zur Schizophrenie. Ihre Aussicht ist rabenschwarz.“

T., der nach eigenen Angaben an einer Psychose leidet und seit Jahren neben Alkohol, Cannabis und Crystal auch immer wieder Heroin konsumiert, will nach der nun verlängerten Haft eine weitere Therapie machen. Eine seiner Maßnahmen, um einen erneuten Rückfall zu vermeiden: „Ich komme definitiv nicht nach Altenburg zurück.“

Von Thomas Haegeler

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