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Altenburg Elisabethquelle im Leinawald bleibt vorerst Provisorium
Region Altenburg Elisabethquelle im Leinawald bleibt vorerst Provisorium
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00:23 30.11.2018
Wolfgang Paritzsch und Jürgen Kielmann machen die Elisabethquelle mit Tannengrün winterfest. Quelle: Mario Jahn
Nobitz

Wolfgang Paritzsch weiß über den Leinawald genau Bescheid. Immerhin war er dort über viele Jahre der Revierförster. Doch er kennt nicht nur beinahe jeden Baum, sondern auch eine Vielzahl der Geschichten aus und um den hiesigen Forst. Die Erzählungen über die Elisabethquelle, die bis 1936 ein beliebtes Ausflugsziel war, gehören dazu. Vor einiger Zeit machte sich der Senior auf die Suche nach diesem Zufluss zum Spannerbach. Er fand die Quelle und holte mit Unterstützern das Wasser provisorisch an die Oberfläche.

Spätestens seitdem wünscht sich der 85-Jährige eine Renaturierung des Areals. Damit sich Ausflügler und Wanderer wieder an dem Naturschauspiel mitten im Wald erfreuen und mit einem Schluck vom kühlen Nass den Durst löschen können. Die Lebensmittelqualität des Quellwassers wurde bereits nach Prüfung amtlich bestätigt. Doch viel mehr ist bisher auch nicht passiert. „Nach über einem Jahr hin und her“, ist der Rentner schwer enttäuscht. Dabei habe die Quelle soviel zu bieten – und das geht über das reine Naturereignis hinaus. Denn für Paritzsch spiegeln sich im Wasser der Elisabethquelle fast 100 Jahre Deutsche Geschichte.

Zufall oder Zeichen, das ist die Frage: Am eigentlichen Quellort wächst eine stattliche Platane – die einzige im Leinawald, wie Wolfgang Paritzsch weiß. Quelle: Mario Jahn

100 Jahre Deutsche Geschichte

Die nimmt 1913 in unmittelbarer Nähe mit der Einweihung des Flugstützpunktes Altenburg Fahrt auf. Bis 1936 ist der Flugplatz aber kein Problem für das beliebte Wanderziel der Altenburger, zu dem neben der Quelle auch Spannerhaus und Leinawaldschenke gehörten. „Ein jähes Ende fand diese Idylle mit den Vorbereitungen des Zweiten Weltkrieges“, so Paritzsch. Denn mit der Erweiterung des Flugplatzes wurde der Leinawald für Jahrzehnte militärisches Sperrgebiet.

Wenig später verschwand die Elisabethquelle im Zuge des Baus des Offizierskasinos von der Bildfläche. Sie wurde verrohrt und zugeschüttet. In diesem Zustand übernahm die Sowjetarmee nach dem Krieg den Militärstützpunkt. Dieser wurde bald gewissermaßen Schlachtfeld im Kalten Krieg. Denn auf dem Flugplatz Nobitz waren hochmoderne Kampfjets und höchstwahrscheinlich auch Atomwaffen stationiert. Die vor dem Krieg errichteten Zäune um das Gebiet fallen erst nach der Wende und dem Abzug der russischen Truppen 1992.

Die Quelle hat bereits viele Fans

Die beeindruckende Geschichte um das romantische Fleckchen Erde mit dem sauberen Wasser – gepaart mit den Elan des rüstigen Försters im Ruhestand – stoßen keines Falls auf taube Ohren, erklärt die Leiterin der unteren Wasserbehörde, Birgit Seiler. „Die Quelle zu beleben, ist eine schöne Idee, die wir gern unterstützen“, so Seiler. Doch weil alles seine Ordnung haben muss, erst recht in einem Naturschutzgebiet, muss für die offizielle Ertüchtigung eine wasserrechtliche Genehmigung eingeholt werden. Diese erteile aber die obere Wasserbehörde. „Wir sind nicht zuständig, würden aber beim Antrag Hilfestellung geben“, verspricht Seiler. Antragsteller kann aber nur die Gemeinde Nobitz sein, auf deren Flur die Quelle liegt.

Mit diesem Provisorium gelangt das Quellwasser an die Oberfläche und lädt zum Kosten ein. Die Lebensmittelqualität ist amtlich bestätigt. Quelle: Mario Jahn

Grundsätzlich ist der dortige Bürgermeister, Hendrik Läbe (SPD), ebenfalls großer Fan der Idee. Am liebsten wäre ihm sogar, so erklärt er der OVZ, das gesamte Ensemble mit Spannerhaus und Leinawaldschenke wieder zu beleben. Doch das gebe es nicht zum Nulltarif. „Selbst die Quelle zu ertüchtigen, ist ein enormer Aufwand, denn wir müssen den gesamten Bachlauf bis zur Mündung in den Spannerbach öffnen“, erläutert Läbe. Denn das Quellwasser können nicht dauerhaft einfach ans Tageslicht geholt werden und dann von der Oberfläche durch die alten Rohre aus dem 30er-Jahren zum Spannerbach fließen. „Wer ist für die Pflege der Rohre zuständig? Wir machen das als Gemeinde nicht“, begründet er seine Zurückhaltung. Die Pflege der alten Rohre sei aber notwendig, weil es absehbar ist, dass diese irgendwann verstopfen.

Es gibt wichtigere Aufgaben als den Wasserlauf

Dass im kommenden Jahr etwas passiert, ist unwahrscheinlich, so der Bürgermeister weiter. Kleinere Aktionen – wie mehr Sitzplätze – seien zwar angedacht, doch große Bautätigkeit eher nicht. „Wir habe derzeit einfach deutlich wichtigere Projekte“, sagt Läbe mit Verweis auf die viele Arbeit im Zuge der Fusion oder bei der Umsetzung des Hochwasserschutzes.

Von Jörg Reuter

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