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Altenburg Eltern demonstrieren in Altenburg gegen den Lehrermangel
Region Altenburg Eltern demonstrieren in Altenburg gegen den Lehrermangel
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18:31 29.08.2018
Zahlreiche Eltern, Lehrer und Schüler haben sich am Mittwochnachmittag zum Protest vor dem Altenburger Landestheater versammelt. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Großer Andrang am Mittwochnachmittag vor dem Altenburger Landestheater: Zahlreiche Eltern, Lehrer und Schüler hatten sich dort versammelt. Nachdem bereits vor einigen Wochen die Schüler der Lutherschule auf den grassierenden Lehrermangel aufmerksam gemacht hatten und teilweise sogar Schulschließungen im Raum standen, sollte das Thema nun per Großdemonstration in die Öffentlichkeit getragen werden.

Akuter Notstand

Dass die Situation akut ist, hat jüngst der Altenburger CDU-Landtagsabgeordnete Christoph Zippel verdeutlicht. Seit dem Schuljahr 2013/14 seien 160 Lehrer in Pension gegangen oder aus dem Dienst ausgeschieden. Dem stünden lediglich 95 Neueinstellungen im gleichen Zeitraum gegenüber, rechnete Zippel in einer Pressemitteilung vor.

Das sahen auch die anwesenden Eltern so. „Wir wollen ganz bewusst sichtbar sein, auch für den Oberbürgermeister und die Politik“, fasste Lars Langfeld seine Hoffnungen zusammen. Der Altenburger Vater spürt die Folgen des Lehrermangels auch selbst, übt mit einem seiner Söhne, der die zweite Klasse der Erich-Mäder-Schule besucht, täglich bis zu 30 Minuten Lesen und Rechnen, da dies im Unterricht derzeit zu kurz komme.

Mit bunten Schildern machten die Demo-Teilnehmer ihrem Unmut Luft. Quelle: Mario Jahn

Keine kurzfristigen Lösungen

An der Stadtspitze wurde Langfeld zumindest erhört. Er sei nicht als Stadtoberhaupt, sondern als Familienvater vor Ort, betonte Oberbürgermeister André Neumann (CDU) – und gab sich realistisch. „Wir können keine kurzfristigen Lösungen erwarten“, schätzte er die Situation ein und warnte zugleich vor Schuldzuweisungen. „Auch die CDU-Regierung hat die Weichen nicht gestellt.“ An die Adresse der Eltern forderte er, trotzdem weiter Druck zu machen: „Seid laut, aber fair in eurer Kritik.“

Lehrer auf dem Arbeitsamt

Und die war vielfältig. Dass es angesichts des Mangels etwa nicht sein könne, dass qualifizierte Quereinsteiger vom Schuldienst abgehalten würden und andererseits junge Lehrer nicht unbefristet übernommen werden, kritisierte Sylvia Grötzsch vom Förderverein der Altenburger Mäder-Schule. „Es herrscht Lehrermangel und gleichzeitig müssen sich Lehrer beim Arbeitsamt melden.“

Einen weiteren Missstand rückte Ina Plöttner in den Fokus. Derzeit seien lediglich 13 Sozialarbeiter an 12 Schulen im Kreis beschäftigt, zählte die Schulsozialarbeiterin auf. „Sechs weiterführende, 20 Grundschulen und drei Förderzentren sind komplett ohne entsprechende Kräfte – das betrifft kreisweit 5000 Schüler“, führte sie aus. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf.

Auf einem Transparent wurden Wünsche und Forderungen notiert – sie sollen dem Thüringer Kultusministerium übergeben werden. Quelle: Mario Jahn

Umdenken und mehr Geld gefordert

Den erkannte auch Valentin Rühlmann. Der ehemalige Kreisschülersprecher und Friedrichgymnasiast forderte nicht nur mehr Engagement gegen Lehrermangel, sondern ein generelles Umdenken im Bildungssystem. „Wir brauchen individuelle Talentförderung, mehr Lehrer, kleinere Klassen und sollten die neuen Medien besser nutzen“, so sein Appell an die Adresse der Politik.

An die wandte sich schließlich Kreiselternsprecher Christian Hoffmann in seinem Schlusswort – und hob dabei insbesondere den finanziellen Aspekt hervor. Angesichts sprudelnder Steuereinnahmen sei es dringend geboten, Kommunen und Kreise mit mehr Geld für die Unterhaltung der Schulen auszustatten. „Auch die Schulen müssen mit der Zeit gehen – baulich und bei der technischen Ausstattung.“

Von Bastian Fischer

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