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Altenburg Eltern sauer: Am Förderzentrum Erich Kästner fallen 56 Stunden pro Woche aus
Region Altenburg Eltern sauer: Am Förderzentrum Erich Kästner fallen 56 Stunden pro Woche aus
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00:27 25.02.2018
Das Förderzentrum Erich Kästner in Altenburg-Nord. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

So gut wie kein Sportunterricht und 56 Stunden Ausfall pro Woche seit Schuljahresbeginn am Förderzentrum Erich Kästner – die Elternvertretung schlägt deshalb Alarm. Diese Situation sei nicht akzeptabel, heißt es in einem Schreiben an die OVZ, das von Sandy Pohling, Sina Heinig, Thomas Köhler und Roger Schmidt unterzeichnet wurde. Vom Ausfall seien alle Klassen von eins bis zehn betroffen.

Sehr ärgerlich sei der Sportausfall. „Dabei wäre es gerade für unsere Kinder enorm wichtig, für sie geeignete Bewegungsangebote wahrnehmen zu können, um motorische Ressourcen zu erhalten und zu fördern.“ Einen Bewerber für das Fach Sport gäbe es wohl, aber das Ministerium genehmige ihn nicht als sogenannten „Seiteneinsteiger“, obwohl er Diplomlehrer ist.

Die Förderzentrum wird von 160 Schülern besucht. „Sie verdienen genauso gute Lernbedingungen und genügend qualifiziertes und geschultes Personal, gerade weil sie so besonders sind und spezifische Förderbedarfe haben“, heißt es. Da die Schule immer mehr an ihre Grenzen komme, befürchten die Elternvertreter ein gewolltes Sterben auf Raten. Schließlich gebe es die Auffassung von Behörden, die Schule zu schließen und alle Schüler im gemeinsamen Unterricht zu beschulen. „Das wollen wir, die Eltern, und auch unsere Kinder auf keinen Fall!“

Dem schließt sich auch der Sprecher des Kreiselternbeirats, Christian Hoffmann, an. Das inklusive Schulgesetz ziele nicht darauf ab, Förderschulen abzuschaffen. Jedes Kind sollte weiterhin ein Recht darauf haben, nach seinem individuellen Entwicklungsstand unterrichtet und gefördert zu werden, fordert Hoffmann. Um das zu erreichen, müssten Förderschulen erhalten und ausreichend personell ausgestattet werden.

Die Eltern am Förderzentrum machen für den Lehrermangel „die verfehlte Personalpolitik der Landesregierung“ verantwortlich. Dabei nehmen sie auch Bezug auf die Grundschule Rositz, bei der im Schuljahr 2016/17 fast 200 Stunden ausfielen (OVZ berichtete).

Der Sprecher des Bildungsministeriums, Frank Schenker, räumte daraufhin ein, dass nicht nur in Rositz, sondern auch an den Grundschulen Platanenstraße, Gößnitz, Nobitz und Niederhain Stellen nicht besetzt seien. „Es ist richtig, dass es am Förderzentrum Erich Kästner eine sehr angespannte Personalsituation gibt, was uns selbstverständlich nicht zufriedenstellen kann“, erklärte Schenker nun auf eine weitere Anfrage der OVZ.

Er bestätigte den Ausfall von 56 Wochenstunden, was etwa einem Bedarf von drei Lehrkräften entspreche. Eine Lehrkraft sei seit Ende 2017 langzeiterkrankt. Außerdem konnte zum Beginn des Schuljahres eine geplante Einstellung nicht realisiert werden, weil sich kein geeigneter Bewerber fand. Beim Sportunterricht musste zudem eine Lehrkraft für eine andere, dringende Aufgabe abgeordnet werden. Die Nachfolge werde geklärt.

„Es gibt einen geeigneten Bewerber, der allerdings wegen formaler Hürden noch nicht eingestellt werden konnte“, sagte Schenker. Nach der geltenden Einstellungsrichtlinie konnten an Förderschulen nur Lehrer mit einer Ausbildung im Lehramt für Förderpädagogik unterrichten. Die Richtlinie wurde jetzt den aktuellen Bedürfnissen angepasst, sodass auch Bewerber mit anderen Lehramtsabschlüssen eingestellt werden können. „Dadurch hoffen wir, nicht nur die Sportlehrerstelle, sondern auch die andere offene Stelle bald besetzen zu können“.

Die Antwort des Ministeriums stellt die Elternvertreter am Förderzentrum nicht zufrieden. Sie sehen keine Entspannung, sondern befürchten eine Verschärfung der Situation im kommenden Schuljahr, da drei Lehr- und drei sonderpädagogische Fachkräfte in Rente gehen. Auch die von Schenker aufgeführte Einstellungsrichtlinie zweifeln sie an. Denn in den vergangenen Jahren wurden bereits Lehrkräfte ohne Ausbildung im Lehramt für Förderpädagogik an der Schule eingestellt und berufsbegleitend nachqualifiziert.

Von Jens Rosenkranz

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