Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Eltern zahlen mehr für kostenloses Kita-Jahr
Region Altenburg Eltern zahlen mehr für kostenloses Kita-Jahr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 13.02.2018
Es ist angerichtet: Martina Heiber bringt das Essen zu einer Gruppe im Rositzer Kindergarten Zwergenstübchen. Die Berechnung der Verpflegungskosten hat sich mit der Einführung des kostenlosen Kita-Jahres zum Jahreswechsel geändert. Quelle: Mario Jahn
Rositz/Treben/Mehna

Der Thüringer Landtag hat Mitte Dezember ein neues Kita-Gesetz beschlossen. Wichtigste Änderung, die am 1. Januar in Kraft getreten ist, ist die Festlegung, dass die letzten zwölf Monate vor der Einschulung kostenfrei sind. Landläufig wird vom freien Kitajahr gesprochen. Finanziert werde das, so heißt es, zu 100 Prozent mit Landesmitteln. Doch in den Kämmereien des Altenburger Landes wird diese Aussage relativiert. Nach Lage der Dinge werden wohl Kostensteigerungen auf Träger und Eltern zukommen.

Wie immer steckt der Teufel im Detail, denn auf den ersten Blick ist die Finanzierung einigermaßen wasserdicht. „Es wird so sein, dass wir zum Stichtag 1. März dem Freistaat melden, wie viele Kinder im letzten Jahr angemeldet sind und wie hoch der Elternbeitrag dafür ist. Die Summe bekommen wir dann vom Land“, erklärt Uwe Melzer, Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Pleißenaue und Präsidiumsmitglied im Thüringer Städte- und Gemeindebund. Dieser habe bereits Kritik an der Stichtagsregelung geübt, so Melzer weiter, denn eine Nachbesserung sei ausgeschlossen. Das bedeute, wenn nach dem 1. März ein Kind dazukommt, etwa wegen Zuzug, werde das nicht beachtet.

Anja Dallek, Vorsitzende der VG Rositz, erklärt: „Grundsätzlich finde ich das freie Kindergartenjahr gut. Aber den Eltern wird nicht die Wahrheit gesagt. Komplett kostenlos ist es für sie nämlich nicht.“ Denn die Verpflegungskosten müssen die Eltern weiter zahlen. Doch nicht genug damit: Diese werden wohl spürbar ansteigen. Zwar gilt schon seit Jahren, dass die Kosten der Verpflegung gesondert berechnet werden. Bis jetzt wurde darunter das Essengeld im engeren Sinn verstanden. Nun hat der Gesetzgeber diese Vorschrift konkretisiert. Seit Jahresbeginn heißt es zusätzlich „Kosten der Verpflegung sind alle Kosten, die mit der Vorbereitung, Zubereitung und Nachbereitung des Essen und der Mahlzeiten verbunden sind.“

„Wir haben überhaupt keine Idee, wie wir das umsetzten sollen. Wie sollen wir denn etwa die Stromkosten fürs Teekochen aus den Betriebskosten herausrechnen?“, fragt sich die Kämmerin der VG Altenburger Land, Elke Riedel.

Noch gewichtiger sind in diesem Zusammenhang aber Personalkosten. In jedem Kindergarten gibt es neben den Erzieherinnen auch technische Kräfte. Diese kümmern sich um Ordnung und Sauberkeit in der Einrichtung, aber auch um das Essen. Sie bereiten das Frühstück vor, decken die Tische, bringen das Mittagessen auf die Teller, waschen ab oder kochen Tee. Bis jetzt ging das in den allgemeinen Betriebskosten auf. Vor dem Hintergrund der Beitragserstattung muss das aber exakt mit viel Bürokratie herausgerechnet werden, was im übrigen nicht kostenneutral für die Verwaltungen ist.

Das wäre lediglich der Fall, wenn der Caterer, der das Essen bringt und an den die Eltern das Essengeld zahlen, zukünftig auch das Vor- und Nachbereiten, die Teeküche und so weiter übernimmt. „Aber dann kann sich jeder vorstellen, wie hoch das Essengeld wird“, meint die Finanzchefin der VG Rositz, Kerstin Jantsch.

Die Frage nach der Lösung beantworten Jantsch, Riedel, Melzer und Dallek mit kollektivem Schulterzucken. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Versorgung der Kinder für die Familien teurer und das, obwohl davon ausgegangen wird, dass ein Teil der Kosten bei den Kommunen hängen bleibt.

Beim Ausarbeiten der Etats der Gemeinden hat Kerstin Jantsch die Zahlen weiter gecheckt und erklärt daraufhin: „Wir werden zudem wohl nicht um eine Erhöhung der Elternbeiträge herumkommen.“ Vor allem, weil sich mit dem neuen Kita-Gesetz auch der Personalschlüssel verändert. Ab 1. August werden für Drei- bis Vierjährige mehr Erzieher benötigt. Weil die Gehälter zu Teilen über die Schlüsselzuweisung – eine zweckgebundene Landeszuweisung – den kommunalen Eigenanteil und die Elternbeiträge finanziert werden, bedeutet mehr Personal zwangsläufig auch höhere Beiträge. Jantsch: „Und da sind eventuelle Tariferhöhungen noch gar nicht mitgerechnet.“

Von Jörg Reuter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Bürgerforum Altenburger Land hat mit harten Worten auf die Kritik von Diakon Christoph Schmidt reagiert. Man hetzte nicht gegen Ausländer, sondern „gegen verlogene korrupte Politiker und gegen Pharisäer wie Schmidt“, erklärt Mitglied Gebhard Berger, nachdem Schmidt dem Bürgerforum Hetze gegen Minderheiten vorgeworfen hatte.

09.02.2018

Nikolaus Dorsch hat den Landkreis gegen Kritik von Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf in Schutz genommen. Während Wolf den Rückzug der Kreisbehörde aus der Flüchtlingshilfe als der Integration abträglich bezeichnete, ist sie für Dorsch völlig normal. Pikant: Beide sind SPD-Mitglieder und Dorsch ist zudem Fraktionsvize im Altenburger Stadtrat.

09.02.2018

Weil ein stark betrunkener Mann eine Gaststätte nicht mehr verlassen konnte, ist in Altenburg die Polizei angerückt. Am späten Mittwochabend sollte das Lokal geschlossen werden, der 50-Jährige blieb aber an seinem Platz. Vor Ort führten die Beamten einen Atemalkoholtest bei dem Mann durch – dieser ergab einen Wert von über 4,1 Promille.

09.02.2018