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Altenburg „Endstation Sehnsucht“ mit gefeierter Premiere in Altenburg
Region Altenburg „Endstation Sehnsucht“ mit gefeierter Premiere in Altenburg
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05:15 27.04.2017
Nervosität in knalligen Farben: Thorsten Dara (Harold Mitchell) und Anne Diemer (Blanche DuBois) in „Endstation Sehnsucht“. Quelle: Sabina Sabovic
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Altenburg

Mit der Premiere des Dramas Endstation Sehnsucht von Tennessee Williams am Sonntag in Altenburg setzte das Schauspielensemble einen funkelnden Stein in sein Spielplanmosaik. Der Regisseur Akillas Karazissis im Team mit Mona Becker, Svea Haugwitz (Dramaturgie)und Kathrin Krumbein (Szenografie) hat mit Respekt vor dem berühmten Werk einer großen Theaterepoche eine eigene eindringliche Interpretation mit den Schauspielern erarbeitet.

Die zentrale Figur des Dramas, Blanche, eine gescheiterte Existenz aus besseren Kreisen, sucht Hilfe bei ihrer in proletarischen Verhältnissen lebenden Schwester Stella. Anne Diemer, die jene schillernde Figur der Blanche DuBois verkörpert, flattert nervös zuckend, wie ein Sonnenpapillon gekleidet, in eine Fremdheit von verstörender und unerträglicher Tristesse. Die Schauspielerin gestaltet die Figur mit allen Attitüden der Hollywood-Masche, die nur in wenigen Momenten ihrer Prüfung aussetzen. Denn ihr Versuch weiterleben zu können unter ihr völlig fremden Menschen, ist nicht nur für sie, auch für alle, wie eine Prüfung. Geprüft, und mehr oder weniger gescheitert, ist nicht nur die seelisch vernichtete Blanche am Ende. Da ist im Finale alles Licht von ihnen genommen. Stella, welche die hinrichtende Vergewaltigung ihrer Schwester als Hirngespinst ausgab und deren Einweisung in die Psychiatrie veranlasste, stammelt klagend „Blanche, Blanche“.

Stanley Kowalski, Stellas Ehemann und Blanches brutaler Gegenspieler, mimt den Stoiker am Pokertisch, hinter dunkler Brille seine Augen verbergend, und ruft flüsternd „Stella, Stella“, die er wieder zu gewinnen sucht. Und da sitzt Mitch, der nicht an den Pokertisch mag, in sich versunken - Mitch , der sich blenden und verblenden ließ und Blanche nicht eine neue Existenz durch eine Heirat schenken, nur eine Liaison zumuten wollte. Anne Diemer glänzt in der Rolle der Blanche mit facettenreicher Sprache, Mimik und Gestik - die fast schon ein Tanz sind. Der große Auftritt ist das Ergebnis des präzisen und starken Zusammenspiels mit ihren Kontrahenten, die ebenso ausdrucksstark agieren. Katerina Papandreou spielt kraftvoll ihre Stella Kowalski, geborene DuBois, die so völlig von ihrer Herkunft gehäutet vorgibt, absolut glücklich in den Armen Stanleys zu sein. Stella, die aber auch lange die erschöpfende Aufgabe der Vermittlerin zwischen Blanche und Stanley auf sich lädt. Den Stanley gibt Manuel Struffolino rowdyhaft. Vulgärsein setzt er genüsslich provozierend gegen Blanches Exaltiertheit. Sein Brüllen und Schreien, das Stella von ihm schon übernommen hat, sind seine eigentlich schwachen Waffen. Später setzt er Perfidie und schließlich Brutalität ein. Das gelingt Manuel Struffolino perfekt zu spielen. Das erotisch Anziehend-Abstoßende eines Machos mit Oberstabsfeldwebel-Vergangenheit setzt er nicht so ein, mehr den Ragazzo, der König im Hause sein will.

Die eindrücklichste Wirkung im Zusammenspiel mit Anne Diemer erreicht Thorsten Dara, der seinem Mitch geradezu eine Echtheit verleiht. Diese Rollenfigur hat absolute Glaubhaftigkeit. Zu loben ist aber ebenso die kluge Arbeit des Regieteams, das großen Vorbildern an der Aufführungsgeschichte von einst bis heute gegenüber eine eigene Interpretation des Werkes schuf. Es ist die Umsetzung des Textes in Spiel, welches das Stück nicht in der Entstehungszeit verharren lässt. Williams schrieb eine Vorlage, die weit über einen Dialog hinaus ging. Er schuf eine Partitur mit Angaben zu Ort und Zeit, zu Innen und Außen, zu Lichtstimmungen und musikalischen Hintergründen, optischen Erscheinungen von symbolischer Bedeutung. Die kennend, sie nicht buchstäblich befolgend, sondern eigene Entsprechungen findend, installierte Kathrin Krumbein eine Szenerie, in der die Dinge mehr bedeuten, als sie nur sind. Welche Wirkung, wenn die rosa gekleidete Blanche mit einem Rosenkavalier hinter dem sich schließenden purpurnen Samtvorhang hoffnungsvoll zum Rendezvous entschwindet oder wenn die graueiserne Wand die Gescheiterte in die Enge gezwängt hat. Und welch starkes Bild: Blanches Reinigungsrituale - ein Bad in einer Säule, einem Lichtstrahl gleich, in dem Erinnerungen traumhaft aufleuchten. Eine spröde Poesie ohne Sentimentalität!

So auch der Beginn, wenn Öykü Oktay, später dann im Spiel die Nachbarin von oben, Eunice, einem DJ gleich Tennessee Williams erste Angaben zu Ort und Zeit ansagt – fast ironisierend. Akillas Karazissis’ Inszenierung eröffnet einen tiefen Einblick in die Lebenskämpfe von Menschen, die auch uns im Heute begegnen. Das ist atemberaubend, verstörend und auch erheiternd sogar. Es hat Schönheit, weil es wahrhaftig ist. Das gespannt aufmerksame Publikum war ergriffen und applaudierte lang anhaltend.

Nächste Vorstellung: Freitag, 28. April, um 19.30 Uhr im Landestheater

Von Helmut Pock

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